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Weil junge Grundschullehrer in NRW mehr Geld bekommenJetzt verlangen auch die erfahrenen Pädagogen höhere Gehälter

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Dorothee Feller (CDU), Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz.

Dorothee Feller (CDU), Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz.  

NRW nimmt 900 Millionen Euro in die Hand, um jungen Grundschullehrern die Besoldungstufe A 13 bezahlen zu können. Pädagogen, die bislang schon A 13 erhielten, finden das ungerecht - und verlangen ihrerseits mehr Geld. 

Die Lehrergewerkschaft Lehrer NRW und der Verband Bildung und Erziehung Nordrhein-Westfalen (VBE NRW) kritisieren, dass die von der schwarz-grünen Landesregierung beschlossene höhere Besoldung von Grundschullehrern neue Ungerechtigkeiten im Gehaltsgefüge der Pädagogen erzeugt. Ab dem 1. August 2026 wird die Eingangsbesoldung von Lehrern, die in der Sekundarstufe eins unterrichten, von A 12 auf A 13 angehoben. Lehrer, die bislang bereits auf A 13 befördert worden waren, weil sie besondere Aufgaben - zum Beispiel im Bereich der Inklusion - ausüben, sollen aber nicht mehr Geld bekommen.  „Das ist nicht akzeptabel“, sagte Sven Christoffer, Vorsitzender von Lehrer NRW. „Denn wenn sich Leistung nicht mehr lohnt und Engagement nicht mehr gewürdigt wird, droht Stillstand.“

CDU und Grüne hatte sich 2022 in ihrem Koalitionsvertrag auf die Gleichbezahlung von Lehrkräften aller Schulformen verständigt. Der Schritt soll die Arbeit an den Grundschulen attraktiver machen, an denen derzeit noch rund 1000 Leitungsstellen unbesetzt sind. Die Anhebung der Eingangsbesoldung kostet das Land rund 900 Millionen Euro.

In einem Brief an NRW-Schulminister Dorothee Feller (CDU) beklagen die Lehrergewerkschaften, durch die Anhebung der Eingangsbesoldung könnte die Übernahme von verantwortungsvollen Aufgaben entwertet werden.  „Wer Schulen stärken will, muss auch diejenigen stärken, die dort täglich zusätzliche Verantwortung übernehmen“, sagte Stefan Behlau, Vorsitzender des VBE NRW. Viele Pädagogen hätten den Eindruck, „dass ihre jahrelange, zusätzliche Verantwortung und ihr Engagement seitens ihres Arbeitgebers keine ausreichende Wertschätzung erfahren“, heißt es in dem Schreiben.

Die Architektur der Beamtenbesoldung baue aus guten Gründen aufeinander auf, hieß es aus Gewerkschaftskreisen. Wenn man einen Baustein verändere, komme eine Unwucht in das gesamte Gefüge. Die Landesregierung habe die entstehenden Ungerechtigkeiten nicht bedacht. Eine denkbare Lösung könnte sein, Lehrern mit Sonderfunktionen eine Zulage zur Besoldung nach A 13 Z (ca. 250 Euro) zu zahlen.

Claudia Schlottmann, schulpolitische Sprecherin, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, man stehe „Nachbesserungen prinzipiell offen gegenüber“. Die Prüfung möglicher Anpassungsmaßnahmen laufe derzeit noch. Entlastungsstunden könnten dazu beitragen, „die Attraktivität von Leitungspositionen zu erhöhen“.

Auch die Grünen sind bereit, auf die Forderungen einzugehen. „Das Abstandsgebot und die Attraktivität von Funktionsstellen müssen in der Folge neu justiert werden, denn die höhere Verantwortung und zusätzliche Belastung müssen angemessen vergütet werden“, sagte Lena Zingsheim-Zobel unserer Zeitung. Bei den Gesamtschulen seien erste Korrekturen bereits vorgenommen worden: „Die anderen Schulformen müssen folgen“. Je nach Familienstand erhalten Lehrer der Besoldungsstufe A 13 zwischen 4400 und 5600 Euro. Das NRW-Schulministerium ließ eine Anfrage zu möglichen weiteren Besoldungserhöhungen bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.