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State of the Union„Wahnvorstellungen“ – Trumps Rekord-Rede sorgt für scharfe Kritik

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Nachdem Trump in seiner Rede zur Lage der Nation viel Lob für den eigenen Kurs gefunden hat, greifen die Demokraten ihn scharf an.

Mit seiner annähernd zwei Stunden langen Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Donald Trump einen neuen Rekord aufgestellt. Seine Ansprache vor dem US-Kongress am Dienstagabend dauerte rund 1 Stunde und 48 Minuten. Damit sprach der Republikaner länger als jeder Präsident vor ihm seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1964. Die bisherige Rekordmarke von knapp 1 Stunde und 29 Minuten hatte der Demokrat Bill Clinton bei seiner „State of the Union Address“ im Jahr 2000 aufgestellt.

Der innenpolitisch zuletzt unter Druck geratene US-Präsident nutzte die „State of the Union“-Rede, um seine rigorose Migrationspolitik und das Verhängen von Zöllen gegen Handelspartner zu verteidigen. „Die erste Pflicht der amerikanischen Regierung ist es, amerikanische Bürger zu schützen“ – und nicht Ausländer, die sich illegal in den USA aufhielten, sagte Trump vor beiden Parlamentskammern.

State of the Union: Donald Trump lobt sich selbst

Trump verteidigte bei der wichtigen Grundsatzrede auch seine Zollpolitik und betonte, dass die USA unter seiner Regierung wirtschaftlich wieder aufblühten. „Unsere Nation ist zurück – größer, besser, reicher und stärker als jemals zuvor.“ Den oppositionellen Demokraten warf er vor, für hohe Lebenshaltungskosten in den USA verantwortlich zu sein: „Ihre Politik hat die hohen Preise verursacht.“

US-Präsident Donald Trump beim Handschlag mit Vizepräsident JD Vance nach seiner Rede zur Lage der Nation.

US-Präsident Donald Trump beim Handschlag mit Vizepräsident JD Vance nach seiner Rede zur Lage der Nation.

Bei den Demokraten kam Trumps Rede erwartungsgemäß nicht gut an. Schnell wurde scharfe Kritik an dem Republikaner und seiner „State of the Union“ laut. Der demokratische Senator Alex Padilla bezeichnete Trump als Lügner und verglich den US-Präsidenten mit einem Diktator.

Kritik von Demokraten: „Getan, was er am besten beherrscht: Lügen“

„Wir haben soeben gehört, wie Donald Trump das getan hat, was er am besten beherrscht: Lügen“, sagte Padilla in einer Antwort der Demokraten auf den Auftritt des Republikaners vor dem Kongress. Auf Spanisch sagte der Senator aus Kalifornien, Trump wende Taktiken an, „wie wir sie aus anderen Ländern kennen, die von korrupten Diktatoren regiert werden“.

Padilla ging den Republikaner vorrangig wegen seiner umstrittenen Migrationspolitik an. Bewaffnete und maskierte Bundesbeamte würden Gemeinschaften „terrorisieren und Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder weil sie Spanisch sprechen ins Visier nehmen – darunter auch Einwanderer mit legalem Status und Staatsbürger“, sagte er in Bezug auf die umstrittenen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE. „Dieses Chaos ist das Produkt der gefährlichen Launen einer einzigen Person: Donald Trump.“

„Nicht mehr ausgehalten, mir Donald Trumps Lügen stundenlang anzuhören“

Auch andere demokratische Politikerinnen und Politiker fanden deutliche Worte für den Auftritt des US-Präsidenten. „Donald Trump nannte es das ‚goldene Zeitalter Amerikas‘. Für wen? Die Lebensmittelpreise sind gestiegen. Die Mieten sind gestiegen. Die Energiekosten sind gestiegen. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen“, schrieb etwa Senatorin Elizabeth Warren auf der Plattform X.  „Trump lügt“, schrieb sie in einem weiteren Beitrag. 

US-Senator Mark Warner berichtete unterdessen, er habe die Rede nicht bis zum Ende verfolgt. Er habe es „nicht mehr ausgehalten, mir Trumps Lügen stundenlang anzuhören“, schrieb Warner bei X. Der US-Präsident treibe die Preise in die Höhe und ruiniere die Wirtschaft, hieß es weiter. „Wir sind ein besseres Land als das.“

Gavin Newsom: „Donald Trump zerstört unser Land“

Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der als möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidat bei den nächsten Wahlen gilt, meldete sich zu Wort. „Donald Trump zerstört unser Land“, schrieb Newsom bei X. Der US-Präsident schulde dem amerikanischen Volk „eine Rückerstattung“, hieß es weiter von Newsom. 

Nancy Pelosi, ehemalige demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, blickte unterdessen auf Trumps letzte „State of the Union“-Rede im Jahr 2020 zurück. „Vor sechs Jahren habe ich Trumps Rede zerrissen, weil sie ein Manifest der Lügen war“, schrieb Pelosi bei X und veröffentlichte einen Videoclip, der denkwürdigen Szene. „Seine heutige Rede zur Lage der Nation hat deutlich gemacht, dass er zumindest eines ist: konsequent“, fügte die Demokratin hinzu. 

„Donald Trump ist der korrupteste Präsident in der amerikanischen Geschichte“

Deutliche Worte kamen auch vom demokratischen Kongressabgeordneten Jamie Raskin. „Trump ist der korrupteste Präsident in der amerikanischen Geschichte“, schrieb Raskin bei X. Der US-Präsident habe in nur einem Jahr im Amt mehr Geld verdient „als alle anderen Präsidenten zusammen“, hieß es weiter von Raskin. 

Der demokratische Fraktionsführer im Senat, Chuck Schumer, fasste sich unterdessen kürzer – und setzte auf einen Wortwitz. „It was Trump’s State of Delusion“, schrieb Schumer bei X mit Blick auf die „State of the Union“-Rede des US-Präsidenten. Übersetzt bedeutet das: „Es war Trumps Zustand der Wahnvorstellungen.“ 

Von Trumps Parteikollegen gab es unterdessen mitunter überschwängliches Lob für den US-Präsidenten. Präsident Trump hat heute Abend eine mutige, optimistische und zukunftsorientierte Rede gehalten, schrieb etwa US-Senator Ted Cruz bei X. „Ich bin seit 14 Jahren im Senat und habe noch nie ein Jahr wie das vergangene erlebt, was die von uns erzielten Erfolge angeht.“ (mit dpa)