Die Sozialdemokraten wollen nach schweren Niederlagen bei Wahlen wieder Handlungsfähigkeit beweisen. Im Fokus stehen Entlastungen bei den Kraftstoffkosten.
SPD-Krise spitzt sich zuNur 13 Prozent in Umfrage, Ex-Minister fordert neue Ideen

Klingbeil versammelt seine Truppen hinter sich.
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Im Anschluss an die jüngsten Wahlmisserfolge stellt sich die SPD geschlossen hinter ihre Parteiführung Bärbel Bas und Lars Klingbeil. Als Reaktion darauf soll die Partei bei drängenden Problemen wie den gestiegenen Kraftstoffpreisen Profil gewinnen. Klingbeil äußerte seinen Dank für die erhaltene „große Unterstützung“ sowie den „Rückenwind“ bezüglich seiner weitreichenden Reformpläne, wie die Deutsche Presse-Agentur („dpa“) meldet.
Ihre Vorhaben wolle die SPD „mit Kraft und Leidenschaft“ umsetzen, bekräftigte Klingbeil. Er fügte hinzu: „Wir wollen, dass die SPD die treibende Kraft ist, wenn es um Veränderung geht“. Die übrige Parteiführung positionierte sich während der Ansprachen von Bas und Klingbeil zur Schau gestellt hinter den beiden Vorsitzenden.
Steuer auf Krisengewinne als Maßnahme gegen hohe Kraftstoffkosten
Angesichts der momentanen Krise bei den Ölpreisen drängen Bas und Klingbeil auf die Etablierung einer Steuer auf Übergewinne. Mineralölunternehmen würden die Bevölkerung ausnutzen, und zahlreiche Bürger fürchteten, die Kosten für den Arbeitsweg nicht mehr tragen zu können. Die Parteivorsitzende erklärte: „Hier ist für uns ganz klar, dass wir die Menschen entlasten müssen“. Sie ergänzte: „Hier muss die SPD wieder stark sein.“
Schon vorher hatte Klingbeil eine Anhebung der Pendlerpauschale angeregt, welche durch eine Abgabe auf Übergewinne von Energieunternehmen finanziert werden sollte. Darüber hinaus befürwortete Bas den Vorstoß Klingbeils für eine Preisobergrenze bei Kraftstoffen, die sich am luxemburgischen Modell orientiert, wo das Wirtschaftsministerium maximale Preise festsetzt.
Geringes Vertrauen in Parteispitze laut ZDF-Umfrage
Laut einer neuen Erhebung des ZDF traut eine Mehrheit der Bundesbürger und der SPD-Anhänger dem Führungsduo Klingbeil und Bas nicht zu, die Partei aus ihrer schwierigen Lage zu befreien. Im Rahmen des ZDF-„Politbarometers“ gaben 75 Prozent der Befragten an, dass die Parteispitze dies nicht schaffen werde. Diese Meinung vertreten auch 56 Prozent der SPD-Sympathisanten. Bei der „Sonntagsfrage“ verliert die SPD zwei Punkte und kommt auf 13 Prozent.
Die Parteiführung zog mit dieser Krisensitzung die Konsequenzen aus den desaströsen Wahlergebnissen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und dem verlorenen Oberbürgermeisterposten in München. Man beabsichtige, den Fokus auf einige wenige Kernthemen zu legen, die eindeutig mit den Sozialdemokraten assoziiert werden, erklärte Generalsekretär Tim Klüssendorf. Dazu zähle, „dass man von dem, was man sich erarbeitet, auch ein bezahlbares Leben führen kann“.
Zuspruch und kritische Stimmen aus eigenen Reihen
Ungeachtet der negativen Umfrageergebnisse erhielt Klingbeils Reformprogramm Zuspruch von prominenten SPD-Politikern aus den Bundesländern. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnete die Anregungen als „wichtige Impulse“, während ihr Amtskollege aus Niedersachsen, Olaf Lies, von einem „sehr ausgewogenen Kurs“ sprach. Diskussionen über Personalien wiesen beide Politiker zurück.
Im Gegensatz dazu fordert der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil von seiner Partei mehr Engagement für innovative Konzepte. „Die Partei wirkt heute zu langweilig, zu behäbig und zu beliebig“, sagte Heil laut „dpa“. „Die SPD muss die Fenster weit aufmachen, um Sauerstoff reinzulassen. Der Mief muss raus.“ Heil bemängelte „ritualisierte Erklärungen“ als Reaktion auf die Misserfolge bei den Wahlen und verlangte eine Öffnung der Partei, anstatt sich nur mit internen Angelegenheiten zu beschäftigen. (red)
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