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„So schnell wie möglich“Tankstellen-Regel und Ölreserven – Regierung reagiert auf hohe Spritpreise

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Deutlich über zwei Euro pro Liter liegen am Morgen alle angebotenen Spritsorten an einer Tankstelle, die vor dem Mond auf einer Tafel zu sehen sind. (Symbolbild)

Deutlich über zwei Euro pro Liter liegen am Morgen alle angebotenen Spritsorten an einer Tankstelle, die vor dem Mond auf einer Tafel zu sehen sind. (Symbolbild)

Die Kraftstoffpreise sind infolge des Iran-Kriegs rasant gestiegen – zwei Maßnahmen sollen nun Abhilfe schaffen.

Angesichts der stark gestiegenen Kraftstoffpreise in Deutschland infolge des Iran-Kriegs hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche angekündigt, dass Tankstellen ihre Preise künftig nur noch einmal am Tag erhöhen dürfen. Preissenkungen dagegen seien jederzeit zulässig, sagte die Ministerin am Mittwoch in Berlin. Die Regierung wolle das Modell, das in Österreich bereits gilt, „so schnell wie möglich“ einführen.

Zuvor hatte es bereits Berichte über Maßnahmen der Bundesregierung gegeben, den Öl- und damit auch den Spritpreis zu senken. Laut dpa-Informationen soll nun ein Teil der nationalen Ölreserven freigegeben werden. 

Iran-Krieg treibt Spritpreise in die Höhe

Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreise. Die G7-Staaten hatten deshalb über eine Freigabe von Reserven beraten. Mit dem Schritt erhofft man sich eine Beruhigung der Märkte und dass der durch den Krieg ausgelöste rasante Ölpreisanstieg abgefedert wird.

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, äußert sich bei einer Pressekonferenz zur Freigabe von Ölreserven und zur Überprüfung von Spritpreisen.

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, äußert sich bei einer Pressekonferenz zur Freigabe von Ölreserven und zur Überprüfung von Spritpreisen.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hatte am Dienstag wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten eine Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.

Bericht: Ein Fünftel der deutschen Öl-Reserve soll freigegeben werden

Wie das „Handelsblatt“ aus Regierungskreisen erfuhr, schlägt die IEA ihren Mitgliedsstaaten nun eine Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl vor. Das würde die bisherige Höchstmenge von 182 Millionen Barrel zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen.

400 Millionen Barrel entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß es, dass 19,5 Millionen davon aus den deutschen Reserven kommen sollen. Das wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande.

Energiemärkte durch Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt

Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert.

Am Mittwoch stiegen die Ölpreise mit der Sorge vor einer längeren Lieferunterbrechung durch die Straße von Hormus. Am Morgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 92,31 Dollar gezahlt und damit über fünf Prozent mehr als am Vortag. Der Preisrückgang, der am Montag eingesetzt und sich am Dienstag fortgesetzt hatte, ist damit vorerst gestoppt.

Hohe Preise auch in Köln und Region – Kritik vom ADAC

US-Präsident Donald Trump hatte die Freigabe strategischer Ölreserven in Erwägung gezogen. Medien hatten berichtet, dass es auch eine Lockerung der Ölsanktionen gegen Russland geben könnte. Trump hatte außerdem ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten in Aussicht gestellt.

Auch in Köln und der Region sind Benzin und Diesel seit Beginn des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran so teuer wie seit Jahren nicht mehr. Wer am Mittwochmorgen (11. März) eine Tankstelle in Köln und Region anfuhr, musste wieder tief in die Tasche greifen. Durchschnittlich lag der Preis für den Liter Super in der morgendlichen Rushhour bei rund 2,11 Euro.

Der ADAC übte am Mittwoch scharfe Kritik an der Preisentwicklung. „Für den ADAC zeigt diese Entwicklung, dass die Kraftstoffwirtschaft den Iran-Krieg auch dafür nutzt, Gewinne zu maximieren“, erklärte Katharina Dümmer, Verkehrsexpertin beim ADAC. (das/dpa/afp)