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Zweiter Kabinetts-AbgangTrump feuert Justizministerin Pam Bondi – wohl wegen Epstein-Akten

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US-Justizministerin Pam Bondi (r.) mit Präsident Donald Trump (Archivbild vom Juni 2025)

US-Justizministerin Pam Bondi (r.) mit Präsident Donald Trump (Archivbild vom Juni 2025)

Pam Bondis Umgang mit den Epstein-Files war für Donald Trump zu einer Belastung geworden.

US-Präsident Donald Trump hat Justizministerin Pam Bondi entlassen. Der Sender CNN berichtete am Donnerstag, die 60-Jährige werde vorerst durch ihren Stellvertreter Todd Blanche ersetzt. CNN, die „New York Times“ und andere Medien hatten berichtet, Bondi sei bei Trump unter anderem wegen ihres Umgangs mit den Epstein-Akten in Ungnade gefallen.

In einem Beitrag auf Truth Social schrieb Trump dann am Donnerstag: „Pam Bondi ist eine großartige amerikanische Patriotin und eine loyale Freundin, die mir im vergangenen Jahr treu als Generalstaatsanwältin gedient hat.“ Bondi habe erreicht, dass die Mordrate drastisch gefallen sei und überhaupt die Kriminalität massiv zurückgegangen sei. „Wir schätzen Pam sehr“, so Trump weiter. Blanche werde zunächst auf Bondi folgen. Diese werde bald einen wichtigen neuen Job in der Privatwirtschaft übernehmen. Möglich wäre aber auch laut CBS, dass die 60-Jährige erneut einen Posten in der Administration bekommt. 

Pam Bondi war als Trumps persönliche Anwältin tätig gewesen und hatte ihn im Amtsenthebungsverfahren 2019 unterstützt. Davor war sie Generalstaatsanwältin von Florida. Sie gilt als eine von Trumps engsten Vertrauten.

Trump unzufrieden wegen Veröffentlichung der Epstein-Files

Der US-Präsident sei unzufrieden, weil Bondi nicht entschieden genug gegen seine politischen Gegner vorgehe, hieß es in den Berichten unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter. Trump hatte die Justizministerin unter anderem zu Verfahren gegen die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James und den früheren FBI-Chef James Comey aufgerufen, die beide in der Vergangenheit gegen Trump ermittelt hatten. Gerichte blockierten die Anklagen jedoch.

Auf Trumps Unmut stoße zudem Bondis Umgang mit den Epstein-Akten, hieß es weiter. Das Justizministerium hatte auf Druck des Kongresses rund drei Millionen Dokumente zu dem verurteilten Sexualstraftäter veröffentlicht, der Trump vor seinem Tod 2019 nahestand. Bei einer Anhörung dazu in einem Kongressausschuss wirkte Bondi im Februar allerdings wenig souverän. Am 14. April soll sie erneut aussagen.

Epstein-Akten: Bondi verstrickte sich in Widersprüche

Die Kritik an Bondis Umgang mit den Epstein-Akten war parteiübergreifend. Der Behörde wurde vorgeworfen, identifizierende Informationen über Opfer nicht unkenntlich gemacht zu haben, während sie die Identität potenzieller Täter schütze.

Für Trump entwickelte sich der Skandal zu einer massiven politischen Belastung. Einige Trump-Vertraute waren der Ansicht, Bondis Agieren hätte den Eindruck verstärkt, die Regierung halte Material unangemessenerweise der Öffentlichkeit vor.

Bondi hatte sich in Widersprüche verstrickt: So sagte sie im Februar 2025, eine Liste von Epsteins Klienten liege „gerade auf meinem Schreibtisch zur Überprüfung“. Später musste das Justizministerium einräumen, dass eine solche Liste nicht existiere.

Demokraten: „Gott sei Dank ist sie weg“

Bei den Demokraten stieß die Entlassung Bondis auf Zustimmung. Chuck Schumer, Minderheitsführer im Senat, schrieb bei X: „Gott sei Dank ist sie weg. Pam Bondi war von Anfang an die falsche Wahl“. Allerdings sei Trump persönlich für den Verfall des Justizministeriums verantwortlich. Solange dieses als Instrument der Rache und nicht zur Strafverfolgung eingesetzt werde, gehe die Vertuschung im Fall Epstein weiter. 

Hakeem Jeffries, Schumers Gegenpart im Repräsentantenhaus, zeigte sich ebenfalls erleichtert und prophezeite, Verteidigungsminister Pete Hegseth werde der nächste sein, den Trump hinauswerfe.

Bondi war auch bei Republikanern umstritten

Auch bei den Republikanern gab es vereinzelt positive Reaktionen auf Bondis Entlassung. Thomas Massie, einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker Bondis, schrieb bei X, er befürworte den Schritt. Er hoffe, der nächste Justizminister werde alle Epstein-Akten gemäß dem Gesetz freigeben und anschließend Ermittlungen, Anklagen und Verhaftungen einleiten.

Trump war bislang vor der reihenweisen Entlassung seiner Kabinettsmitglieder zurückgeschreckt, wie es noch in seiner ersten Amtszeit Praxis war. Allerdings hatte erst einen knappen Monat zuvor Heimatschutzministerin Kristi Noem gehen müssen. Sie musste damit die Konsequenzen aus der Eskalation der ICE-Razzien tragen, bei denen in Minneapolis zwei Menschen von Agenten der Einwanderungsbehörde erschossen worden waren. (cme, afp)