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Auch Öl-Depot steht in FlammenPutins Iskander-Fabrik angegriffen – Flamingo trifft Ziel tief in Russland

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Ein Screenshot aus einem Video zeigt einen ukrainischen Flamingo-Marschflugkörper beim Start. (Archivbild)

Ein Screenshot aus einem Video zeigt einen ukrainischen Flamingo-Marschflugkörper beim Start. (Archivbild)

Die Ukraine setzt Marschflugkörper gegen mehrere russische Ziele ein. Russische Raketen schlagen derweil erneut in Wohnhäusern ein.

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben einen russischen Rüstungsbetrieb in der Stadt Wotkinsk mit Flamingo-Marschflugkörpern angegriffen. Laut ukrainischen Angaben und Berichten in den sozialen Netzwerken wurde dabei eine für die Herstellung von Raketen der Typen Iskander und Oreschnik wichtige Fabrik getroffen.

Kursierende Aufnahmen zeigten erhebliche Schäden an dem Gebäude, die auf eine massive Explosion hindeuten. Die ukrainische Nachrichtenagentur Unian berichtete über die „Zerstörung“ des Werks, das für die Herstellung der russischen Raketen zwingend benötigt werde. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben und Aufnahmen jedoch derzeit nicht. Satellitenbilder zeigten laut ukrainischen Angaben jedoch ein massives Loch im Dach eines der Gebäude. 

Russland bestätigt Angriff mit Flamingo-Marschflugkörpern

Der ukrainische Generalstab bestätigte jedoch am Sonntag einen Flamingo-Angriff: Das getroffene Werk sei eine der „wichtigsten Raketenfabriken Russlands“, hieß es in ukrainischen Medien, die zudem herausstellten, dass die Rüstungsfabrik rund 1.500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liege. Der Angriff sei somit ein weiterer Beleg dafür, dass die Ukraine mittlerweile Gegenschläge tief im russischen Hinterland ausführen könne.

Die ukrainischen Marschflugkörper vom Typ Flamingo sollen eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometern haben – und zudem einen Sprengkopf mit einem Gewicht von rund 1150 Kilogramm tragen können.

Ukraine meldet weitere Angriffe mit Flamingo-Marschflugkörpern

Russische Behörden berichteten ebenfalls von ukrainischen Angriffen in der Region, mindestens elf Menschen seien verletzt worden. Das russische Verteidigungsministerium behauptete derweil, dass fünf Flamingo-Marschflugkörper und mehr als 170 ukrainische Drohnen abgeschossen worden seien. In der regionalen Hauptstadt Ischewsk gab es wegen Luftalarms auf dem Flughafen zeitweilig keine Starts und Landungen.

Ukrainischen Angaben zufolge wurden bei der Angriffswelle weitere Ziele mit den von einem ukrainischen Hersteller entwickelten Marschflugkörpern angegriffen. Sowohl gegen eine Gas-Anlage in der russischen Region Samara, ein Treibstoffdepot sowie eine Drohnenfabrik in der besetzten Region Donezk als auch gegen ein Munitionsdepot im ebenfalls teilweise von Russland besetzten Oblast Saporischschja sind demnach ebenfalls Flamingos zum Einsatz gekommen.

Ein weiterer Angriff wurde zudem von russischen Telegram-Kanälen in der von Russland besetzten Region Luhansk gemeldet. Dort ist den Angaben zufolge ein russisches Öl-Depot attackiert worden. Ein „heftiges Feuer“ sei daraufhin ausgebrochen, berichtete der Kanal Exilenova+. In den sozialen Netzwerken kursierten Videoaufnahmen, die den Angriff zeigen sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese nicht. 

Video zeigt offenbar Abschuss von Flamingo-Marschflugkörpern

Denis Shtilierman, Mitinhaber des Flamingo-Herstellers Fire Point, hatte passend zu der späteren Bestätigung der ukrainischen Armee zuvor bereits ein Video von Starts des Marschflugkörpers in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

„Kontext – später“, hatte Shtilierman kryptisch zu dem Video geschrieben, ehe die ukrainische Armee später dann schließlich selbst über die Angriffswelle berichtete. 

Selenskyj: Russland setzt Angriffe gegen „normale Wohngebäude“ fort

Russland setzte seine Luftangriffe auf die Ukraine am Wochenende unterdessen ebenfalls fort. Mindestens ein Mensch sei bei russischen Attacken getötet und 15 weitere verletzt worden, hieß es am Sonntag aus Kyjiw. Unter den Verletzten seien auch vier Kinder, teilte die Verwaltung der ukrainischen Hauptstadt mit.

„Das Hauptziel des Angriffs war die Energieversorgung, auch normale Wohngebäude wurden beschädigt, und es gab Schäden an der Eisenbahn“, teilte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj derweil bei Telegram mit. Bei dem Toten im Großraum Kyjiw handelte es sich Behörden zufolge um einen 49 Jahre alten Mann.

Russland habe mit fast 300 Drohnen und 50 Raketen und Marschflugkörpern angegriffen, teilte Selenskyj weiter mit. Neben der Hauptstadt seien auch die Gebiete Dnipropetrowsk, Kirowohrad, Mykolajiw, Odessa, Poltawa und Sumy betroffen. „Moskau investiert weiterhin mehr in Angriffe als in Diplomatie“, sagte Selenskyj mit Blick auf die Gespräche der Kriegsparteien, bei denen kein Frieden in Sicht ist.