Ein Verhalten, das viele Eltern beunruhigt – dabei ist es meist ein positives Signal.
Expertin erläutertWarum Kinder in der Kita brav und daheim frech sind

Sicherer Hafen - auch bei Wut und Tränen: Zeigen Kinder bei Papa oder Mama, wie sie sich fühlen, spricht das in der Regel für eine gute Bindung.
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Viele Eltern kennen die Situation: Während eines Gesprächs in der Kita oder Schule werden Eigenschaften des eigenen Kindes geschildert, die Verwunderung auslösen. Man fragt sich, ob tatsächlich der eigene Nachwuchs gemeint ist. Berichten zufolge verhält es sich vorbildlich, hilft anderen, beteiligt sich aktiv und reinigt nach den Mahlzeiten anstandslos seine Zähne – Verhaltensweisen, die im häuslichen Umfeld oft nur durch die Androhung von Sanktionen erreicht werden.
Dieses als „Engelchen-Teufelchen-Phänomen“ bekannte Verhalten führt bei zahlreichen Müttern und Vätern zu Verunsicherung und lässt sie an den eigenen erzieherischen Fähigkeiten zweifeln, wie die Diplom-Sozialpädagogin Dana Mundt aus ihrer Beratungstätigkeit berichtet. Wie die dpa meldet, entsteht bei Eltern oft der Gedanke, dass Pädagogen einen souveräneren Umgang mit dem Nachwuchs pflegen oder sich dieser in der Gruppe aufgrund der Dynamik leichter integriert.
Ein Indiz für eine stabile Eltern-Kind-Beziehung
Die Expertin gibt jedoch Entwarnung: „Zu Hause ist zu Hause! Und das ist für ein Kind der sicherste Ort, sein Hafen, sein Nest“, erläutert Mundt, die als Koordinatorin in der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) tätig ist. Dass ein Kind daheim seinen Emotionen freien Lauf lässt, ist demnach im Normalfall ein positives Signal und deutet auf eine gefestigte Bindung zu den Eltern hin.
Es bedeutet keineswegs, dass das Kind die Betreuungspersonen lieber hat. Vielmehr ist das Vertrauen in die Eltern so ausgeprägt, dass es sich traut, sämtliche Facetten seiner Persönlichkeit zu offenbaren – auch die anstrengenden. „Wo, wenn nicht bei seinen Eltern, darf man so sein, wie man ist und sich so zeigen, wie man es gerade fühlt?“, so Mundt. Dieses Verhalten sei ein Ausdruck von großem Zutrauen.
Emotionen entladen sich häufig erst zu Hause
Oftmals kommen die über den Tag angestauten Gefühle erst am Abend im geschützten familiären Rahmen zum Vorschein. Ein ereignisreicher Tag in der Kita mit vielen neuen Impulsen kann, ähnlich einem langen Arbeitstag bei Erwachsenen, bewirken, dass die Geduldsreserven am Abend erschöpft sind.
Für Erziehungsberechtigte kann es aufreibend und fordernd sein, diese Emotionen ohne Filter zu erleben. Dennoch ist es ein Beleg dafür, dass das Kind weiß, dass es auch dann Zuneigung erfährt, wenn es sich wütend auf den Boden wirft.
Wie Eltern unterstützend handeln können
Dana Mundt legt Eltern nahe, Geduld aufzubringen und tief durchzuatmen. Freche Bemerkungen oder Gefühlsausbrüche sollten nicht persönlich aufgefasst werden. „Wenn es gelingt, darin ein positives Zeichen einer sicheren Bindung zu sehen, zeigt das: Ihr Kind fühlt sich bei ihnen so sicher, dass es alle Facetten zeigen darf und ganz es selbst sein kann“, erklärt die Sozialpädagogin.
Sie empfiehlt, den Nachwuchs frühzeitig verbal zu unterstützen, insbesondere wenn die Gefühle stark werden. Wenn Eltern benennen, was aktuell geschieht, und die Emotionen ansprechen, lernt das Kind allmählich, seine Empfindungen selbst auszudrücken. Nach fordernden Tagen kann zudem ein Ausgleich wie ein Spaziergang oder das Toben auf dem Spielplatz helfen, für Entspannung zu sorgen.
Falls sich Eltern unsicher sind oder Klärungsbedarf haben, können sie sich an die bke-Onlineberatung wenden. Das Angebot steht anonym und kostenfrei via Chat, Forum oder Mailberatung zur Verfügung, ebenso wie die Beratungsstellen für Erziehung und Familie vor Ort. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
