Daten zeigen, dass sich Chikungunya wegen Klimakrise und invasiver Mücken ausbreitet. Die Insekten wurden auch in Köln bereits gesichtet.
„Schockierende“ StudieQualvolle Krankheit kann nun in Großteil Europas übertragen werden

Weltweit wird die asiatische Tigermücke bekämpft, hier in Rio de Janeiro. Neben dem Chikungunyafieber kann die Mücke auch das Dengue- oder Zika-Virus übertragen. (Archivbild)
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Eine Studie warnt vor der Ausbreitung des Chikungunyafiebers in Europa. Die als sehr schmerzhaft geltende Tropenkrankheit kann demnach mittlerweile in weiten Teilen Europas übertragen werden, das berichtet die britische Zeitung „The Guardian“. Ursache für die Ausbreitung der Erkrankung seien durch die Klimakrise bedingte höhere Temperaturen und die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke.
In südeuropäischen Ländern wie Spanien oder Griechenland ist demnach in sechs Monaten des Jahres eine Ansteckung mit dem Chikungunyafieber möglich. Aber auch in Regionen wie Südengland seien Mücken, die das Virus tragen, mittlerweile in zwei Monaten des Jahres aufzufinden. Angesichts der anhaltenden globalen Erwärmung sei eine weitere Ausbreitung des Erregers in Richtung Norden nur eine Frage der Zeit, warnen die an der Studie beteiligten Wissenschaftler.
Chikungunya-Virus wurde erstmals 1952 in Tansania entdeckt
Das Chikungunya-Virus wurde erstmals 1952 in Tansania entdeckt und kam zunächst nur in tropischen Regionen vor. Dort kommt es jährlich zu Millionen Infektionen. Die Krankheit verursacht schwere und anhaltende Gelenkschmerzen, die extrem schwächend sind und bei kleinen Kindern und älteren Erwachsenen tödlich verlaufen können.
In den vergangenen Jahren wurde eine geringe Zahl von Fällen in mehr als zehn europäischen Ländern verzeichnet. In Frankreich und Italien hat es jedoch bereits großflächige Ausbrüche gegeben.
Forscher entdecken „ziemlich schockierenden“ Unterschied
Erstmals sei in der Studie nun die Auswirkung der Temperatur auf die Inkubationszeit des Chikungunya-Virus in der asiatischen Tigermücke, die sich zuletzt in Europa ausbreitete, vollständig bewertet worden, berichtete der „Guardian“. Die Mindesttemperatur, bei der Infektionen auftreten können, liegt laut der Studie um 2,5 Grad Celsius niedriger als bisher angenommen. Dabei handele es sich um einen „ziemlich schockierenden“ Unterschied, so die Forscher.

Eine asiatische Tigermücke. (Archivbild)
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„Die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung in Europa ist etwa doppelt so hoch wie weltweit, und die Untergrenze der Temperatur für die Ausbreitung des Virus spielt eine große Rolle, sodass unsere neuen Schätzungen ziemlich schockierend sind“, erklärte der Hauptautor der Studie, Sendeep Tegar vom britischen Zentrum für Ökologie und Hydrologie. „Die Ausbreitung der Krankheit nach Norden ist nur eine Frage der Zeit.“
Forscher warnen vor Chikungunya: „Jetzt hat sich alles geändert“
Auch der Forscher Steven White warnt vor „besorgniserregenden, rasanten Veränderungen“. So habe es etwa in Frankreich in den vergangenen Jahren rund 30 Fälle pro Jahr gegeben, bis es 2025 zu einem enormen Anstieg gekommen sei. „Letztes Jahr waren es über 800“, erklärte White.
„Wenn man vor zwanzig Jahren gesagt hätte, dass wir in Europa Chikungunya und Dengue-Fieber haben würden, hätte jeder gesagt, man sei verrückt: Das sind tropische Krankheiten. Jetzt hat sich alles geändert.“ Ursächlich dafür seien asiatische Tigermücken und der Klimawandel, betonte auch White.
Asiatische Tigermücke auch in Köln bereits nachgewiesen
Die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die auch tagsüber sticht, breitet sich mit steigenden Temperaturen in Europa nach Norden hin aus. In Deutschland gilt sie in manchen Regionen bereits als etabliert, auch in Köln wurde sie schon nachgewiesen.
Neben dem Chikungunya-Virus kann Aedes albopictus auch das Dengue- oder das Zika-Virus übertragen. Erkennbar ist die Mücke an ihren weißen Streifen. Gegen das Chikungunya-Virus gibt es Impfstoffe. Der beste Schutz besteht jedoch darin, Stiche zu vermeiden. (das)

