Die kleinen Blutsauger sind im Frühling besonders aktiv. Ihr Biss kann gefährliche Krankheiten übertragen. Was Kölner jetzt wissen müssen.
Zecken sind jetzt aktivExperten geben Tipps zum Schutz vor FSME und Borreliose

Der Gemeine Holzbock ist die häufigste Zeckenart in Deutschland und auch die, die hauptsächlich FSME und Borreliose auf den Menschen übertragt. (Archivbild)
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Die Temperaturen steigen und mit ihnen die Aktivität der Zecken. Diese Spinnentiere sind nicht nur unangenehm, sondern können durch ihren Biss auch Krankheiten übertragen. Ob bei Ausflügen ins Grüne, der Arbeit im eigenen Garten oder Spaziergängen in den Kölner Wäldern – die Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden, ist im Frühjahr hoch. Experten geben Ratschläge zum Schutz und liefern wichtige Informationen.
Gibt es eine Zecken-Hauptsaison?
Aufgrund des Klimawandels sind die Parasiten beinahe das gesamte Jahr über eine Gefahr, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Der Experte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München rät zur Vorsicht: „Man muss den Großteil des Jahres über Obacht geben. Solange kein Schnee liegt, muss man eigentlich mit Zecken rechnen“. Die Tiere werden aktiv, sobald die nächtlichen Temperaturen nicht mehr unter den Gefrierpunkt fallen und tagsüber Werte von 5 bis 7 Grad Celsius erreicht werden.
Die in Deutschland am weitesten verbreitete Zeckenart ist laut der Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Dieser sei primär für die Übertragung von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sowie Lyme-Borreliose auf Menschen verantwortlich. „Die zweithäufigste Zeckenart ist die Auwaldzecke, die manchmal mit den FSME-Viren infiziert ist, aber den Menschen viel seltener befällt.“
Gerhard Dobler ist mit seiner Arbeitsgruppe regelmäßig im Freien, um Zecken für Untersuchungen zu sammeln. Laut seinen Angaben konnten sie in diesem Jahr schon ab Mitte März eine große Anzahl an Holzbock-Exemplaren in Bayern nachweisen. Dobler erklärt, dass dies in besonders warmen Jahren mitunter bereits im Februar geschehen kann.
„Die Hauptsaison beginnt eigentlich jetzt, wo es wärmer wird und die Luftfeuchtigkeit noch relativ hoch ist“, unterstreicht Dobler. Im Gegensatz dazu sei der Holzbock im Hochsommer erheblich inaktiver. „Die Untersuchungen seit vielen Jahren zeigen, dass wir im Juli und August 5 Prozent, maximal 10 Prozent der Aktivität haben, die wir im Mai und Juni sehen.“
Stechen nur die erwachsenen Zecken?
Laut Gerhard Dobler benötigen Zecken in sämtlichen Phasen ihrer Entwicklung – als Larven, Nymphen und ausgewachsene Tiere – Blut für ihr Überleben. „Grundsätzlich können auch die Larven Menschen stechen, das ist aber eher selten“, so der Experte. Krankheitserreger werden von ihnen für gewöhnlich nicht weitergegeben. „Die überwiegende Zahl der Infektionen wird durch Nymphen und adulte Tiere verursacht.“
Bei den adulten Zecken stechen ausschließlich die Weibchen, welche das Blut für die Eientwicklung benötigen, erklärt Dobler. Mit einer Größe von etwa einem halben Zentimeter sind sie an ihrer rötlich-braunen Farbe identifizierbar. Im Gegensatz dazu sind die Männchen kleiner und vollständig schwarz gefärbt. Die Nymphen sind mit weniger als einem Millimeter Größe nochmals signifikant kleiner.
Wieso gelten Zecken als Überlebenskünstler?
„Bernsteinfunde deuten an, dass es die Zecken bereits seit über 300 Millionen Jahre gibt und sie bereits Blut an Dinosauriern gesaugt haben“, erläutert Ute Mackenstedt. Die Tiere sind fähig, sehr lange ohne Nahrung auszukommen. So kann der adulte Holzbock etwa ein bis zwei Jahre ohne eine Blutmahlzeit überdauern. „Viele Arten halten auch extreme Temperaturen aus.“
Die Bisse der Spinnentiere sind zudem meistens nicht schmerzhaft, fügt Mackenstedt hinzu. Ihr Speichel beinhaltet Stoffe, welche die Schmerzwahrnehmung dämpfen, die Gerinnung des Blutes verhindern und die Abwehrreaktion des Körpers abschwächen. „Dadurch können Zecken fast unbemerkt lange am Menschen bleiben und während der Blutmahlzeit viel Blut aufnehmen, das sie in ihrem Darm speichern.“
Wieso übertragen Zecken FSME und Lyme-Borreliose?
Informationen des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zufolge nehmen Zecken Borreliose-Bakterien oder FSME-Viren auf, indem sie Blut von infizierten Tieren wie kleinen Nagern oder Vögeln saugen. In der Zecke nisten sich die Krankheitserreger ein und können bei einem Biss an einen Menschen weitergegeben werden.
Laut Dobler kann der Mensch daran erkranken, da er einen sogenannten Fehlwirt darstellt. „Die Viren oder Bakterien haben sich im Laufe der Evolution so gut an ihre natürlichen Wirte angepasst, dass sie diese nicht mehr schädigen.“
Nach Angaben des LGL ist die Lyme-Borreliose die am häufigsten und FSME die am zweithäufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland. Bis zum 13. April dieses Jahres verzeichnete das Robert-Koch-Institut bundesweit 918 Fälle von Lyme-Borreliose sowie 11 FSME-Infektionen.
Beide Erkrankungen resultieren laut LGL hauptsächlich aus dem Biss einer infizierten Zecke. FSME-Viren können laut Dobler jedoch auch durch Rohmilch von infizierten Tieren wie Ziegen oder Schafen übertragen werden, was in Deutschland aber äußerst selten geschieht.
Allerdings ist nicht jede Zecke ein Überträger der Pathogene. Während viele Zecken mit Borrelien infiziert sind, trifft dies auf FSME-Viren nicht zu, erklärt Mackenstedt. Zecken, die FSME-positiv sind, finden sich nur in begrenzten, kleinen Gebieten, die mitunter nicht größer als ein Fußballplatz sind.
Wie sollte man sich schützen?
Dobler rät zu langer, heller Kleidung, damit die Tiere leichter zu erkennen sind. Des Weiteren sollten die Hosenbeine in die Socken gesteckt werden. Das LGL weist darauf hin, dass auch Repellents für die Haut und Kleidung einen Schutz bieten können.
Dobler unterstreicht, dass man sich nach jedem Ausflug ins Grüne sorgfältig absuchen sollte. „Die Zecken stechen nicht sofort, sondern krabbeln meistens zwei bis vier Stunden auf dem Körper und suchen sich eine geeignete Stelle.“ Es vergeht zudem einige Zeit, bis die Parasiten mit ihren Mundwerkzeugen die Haut durchdrungen und sich mit ihrem Stachel verankert haben.
Entdeckt man eine Zecke am Körper, muss diese umgehend entfernt werden, um eine mögliche Übertragung von Borreliose-Bakterien zu unterbinden. Laut Dobler befinden sich diese Erreger im Magen des Tieres und verändern sich während des Saugvorgangs. Aus diesem Grund erfolgt eine Weitergabe erst nach ungefähr 24 Stunden. (red)
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