Ihre Idee wird geklaut, wichtige Infos vorenthalten? So erkennen Sie Machtspiele im Job und wehren sich erfolgreich.
Machtspiele im JobWie Sie sich gegen Intrigen und Ideenklau wehren

Andere beeinflussen, Macht sichern oder eigene Ziele durchzusetzen: Machtspiele im Job sind häufig - die Strategien aber oft subtil.
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Machtmissbrauch im Büro: Strategien erkennen und abwehren. Ihr Vorschlag wird übergangen, nur um von anderen als deren Idee gefeiert zu werden? So identifizieren Sie Machtspiele und reagieren richtig.
Wenn in einer Besprechung Ihr Einfall ignoriert wird, den aber kurz darauf ein Kollege als seinen eigenen ausgibt, ist das ärgerlich. Genauso, wenn Ihnen unerwartet eine Aufgabe zufällt, die Sie explizit abgelehnt hatten. Solche Vorkommnisse sind mehr als nur eine schlechte Atmosphäre; sie deuten auf strategische Manöver hin, die das Betriebsklima belasten und die Teamleistung mindern.
Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um offene Anweisungen wie „Egal, was du davon hältst: Ich bin der Chef und ich allein entscheide, was jetzt richtig ist“. Tatsächlich manifestieren sich solche Taktiken im Berufsalltag auf vielfältige Weise.
Zumeist geht es um inoffizielle, mitunter verdeckte Bestrebungen, auf Kollegen einzuwirken, die eigene Position zu festigen oder persönliche Ambitionen zu verwirklichen, was nicht zwangsläufig im Rahmen der formalen Hierarchien geschieht. Derartige Verhaltensweisen können in jedem Unternehmen auftreten, insbesondere in Umgebungen mit geringer Informationsdichte, undurchsichtigen Entscheidungswegen oder unklaren Verantwortungsbereichen.
„Jeder im Berufsleben verfolgt eigene Interessen, das ist normal“, erklärt Gerhard Blickle, Universitätsprofessor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie am Institut für Psychologie der Universität Bonn. Es sei daher legitim, Beziehungen zu knüpfen, um die eigene Karriere durch Kontakte zu fördern. Schädlich wird es jedoch, wenn individuelle Bestrebungen Nachteile für Teammitglieder mit sich bringen oder gar Vorrang vor dem Erfolg des Unternehmens erhalten.
Anzeichen für Machtspiele im Berufsalltag
Die Erscheinungsformen von Machtdemonstrationen sind vielfältig. Manchmal treten sie unverhohlen auf, beispielsweise wenn ein Vorgesetzter einen Mitarbeiter zu einer Tätigkeit nötigt, die dieser explizit ablehnt. „Die Führungskraft kann aber qua ihrer hierarchischen Funktion zumeist durchsetzen, dass die Beschäftigte gegen ihren ausdrücklichen Willen die Aufgabe erledigt“, erläutert Blickle.
Deutlich öfter sind jedoch versteckte Anzeichen zu beobachten. Werden gewisse Mitarbeiter systematisch isoliert und von wichtigen Entscheidungen ferngehalten, deutet dies laut Eva Boos, einem Business Coach aus Berlin, auf strategische Manöver hin. Ein weiteres Indiz kann der grundlose Entzug von Verantwortlichkeiten sein, die Angestellte zuvor erfolgreich bewältigt hatten.
Charakteristisch sind zudem exzessive Überwachung, fehlende Nachvollziehbarkeit von Prozessen oder fortwährende Nachfragen. Gleichermaßen zählt dazu das Delegieren von Zuständigkeiten für unbeliebte Tätigkeiten oder bei Misserfolgen. Auch in Besprechungen kann sich solches Verhalten zeigen. Ein Angestellter unterbreitet einen durchdachten Vorschlag, worauf erst einmal Stille folgt. Wenig später stellt eine andere Person eine praktisch deckungsgleiche Idee vor, die nun auf große Zustimmung stößt. „Augenscheinlich hat sich im Team eine Gruppe gebildet, die gegen andere intrigiert“, analysiert Boos.
Sofortmaßnahmen für Betroffene
Langfristig resultieren solche Taktiken in wachsender Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern und die Arbeitsmoral leidet. Um sich davor zu schützen, ist es ratsam, sich einige grundlegende Vorgehensweisen anzueignen. „Wichtig ist vor allem, Grenzen zu setzen“, betont Boos. Dabei ist es hilfreich, das Geschehene sachlich zu benennen. Wenn eine andere Person in einer Besprechung die eigene Idee aufgreift, sollte man dies umgehend ansprechen.
Bei Einschüchterungsversuchen ist ebenfalls eine sofortige Reaktion geboten, etwa mit den Worten: „Ich merke, der Ton wird gerade sehr scharf. Lass uns kurz durchatmen und sachlich zum Thema zurückkehren.“ Ferner sollten Sie nicht automatisch Ja zu unerwünschten Aufgaben sagen, sondern klar Ihre Bedenken äußern. Eine weitere Strategie ist die Suche nach Unterstützung. Fragen Sie Kollegen, ob sie Meetings ähnlich belastend empfunden haben. „Gemeinsam sind wir stark und können zusammen Veränderungen zum Positiven herbeiführen“, so Blickle. Auch die Dokumentation wichtiger Gesprächsinhalte kann eine Absicherung sein.
Team-Vereinbarungen gegen Machtmissbrauch
Nicht jede Problematik kann in einem direkten Gespräch geklärt werden. Arbeitsgruppen können kollektiv darauf hinarbeiten, solche Taktiken zu verhindern. „Hilfreich ist, alle an einen Tisch zu holen und gemeinsam Team-Regeln aufzustellen“, empfiehlt Blickle. In diesem Prozess sei es wichtig, unmissverständliche Verantwortlichkeiten festzulegen und für alle verbindliche Richtlinien zu etablieren. (dpa/red)
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