Musik und Literatur, Sketche und andere Späße – einheimische Künstler engagierten sich für die flutgeschädigte Orgel der Stiftskirche in Bad Münstereifel.
„Für os Orgel“Münstereifeler Publikum erlebt einen herrlichen Benefiz-Abend

Der Kleine Kammerchor Bad Münstereifel unter der Leitung von Andreas Schramek sang erstmals Popsongs.
Copyright: Carolin Hasselbach
Viereinhalb Stunden Programm und davon keine Minute langweilig – das muss man erstmal schaffen. Wie das geht, zeigte am Samstagabend der Verein der Freunde und Förderer der Kirchenmusik Bad Münstereifel. „Bunter Abend für os Orgel 2.0 mit lauten und mit leisen Tönen“ stand auf dem ebenso bunten Plakat, zusammengefasst zu „laetare 26“.
Die herrliche Benefiz-Veranstaltung fand am Vorabend des Laetare-Sonntags, also des kirchlichen Freudensonntags, im voll besetzten großen Saal des Josefshauses in der Alten Gasse statt und war in der Tat für alle Anwesenden eine große Freude. Was die Vorsitzende Elisabeth Hintzen mit ihrem Mann Bernhard Ohlert und vielen anderen auf die Beine gestellt hatte, war einfach enorm.
Zum Anlass: Vor sechs Jahren gab es die erste Auflage, damals „laetare 18“. Die Stiftskirche brauchte dringend eine neue Orgel. Kirchenmusiker Andreas Schramek ließ damals die Orgel der Kölner Hochschule für Musik und Tanz – das Instrument, auf dem er gelernt hat – in der Stiftskirche einbauen. Sie ist vollständig bezahlt, doch niemand konnte damit rechnen, dass sie durch die Flut im Juli 2021 großen Schaden nehmen würde.
Zwar stand die Orgel nicht im Wasser, aber durch den getrockneten Schlamm auf dem Boden des Gotteshauses und den daraus resultierenden Staub wurde sie stark in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem soll ein zusätzliches Register eingebaut werden. Da lag „laetare 26“ als Finanzierungsaktion auf der Hand. Ein fröhlicher Abend mit Sketchen, Musik, Speisen und Getränken füllte nicht nur die Kassen, sondern bescherte den Besuchern ein paar ausgelassene Stunden. Ob Profis oder nicht – alle spielten ohne Gage für den guten Zweck.

Robert Nolte (links) und Bernhard Ohlert enthüllten das Gemälde, das im Laufe des Abends versteigert wurde.
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Ady Zehnpfennig (v.l.), Hannes Schöner und Hermann Heuser rundeten den bunten Abend ab.
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Niko Hammes und Theo Schick von den kfd-Kids (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) eröffneten das Programm. In einem Londoner Hotel möchte ein Gast über die Rezeption ein Zimmer in Paris buchen lassen. Haarsträubende Missverständnisse verhindern das jedoch. Und Dana Hauptmann-Sieger brachte den Saal mit ihren anschaulich dargestellten Auswirkungen von Social Media zum Lachen.
Ganz schön schaurig wurde es dann mit Ralf Kramp. Der Krimi-Autor und ehemalige Bad Münstereifeler Schüler bekam zunächst einen großen Applaus für die weiteste Anreise, die 30 Minuten betrug, denn alle anderen Mitwirkenden waren tatsächlich aus dem Bad Münstereifeler Stadtgebiet gekommen, um einen Beitrag für die Orgel in ihrer Kirche, aber auch für die Menschen zu leisten. Mit dabei hatte Kramp einige spannende Gedichte und Kurzgeschichten aus seinem Buch „Tödlich währt am längsten“.
Packend, sprachlich sehr gewitzt und überspitzt absurd waren die Texte, die er dramatisch, lebendig und mit großem schauspielerischem Talent bildhaft in Szene setzte und in die er schließlich auch das Publikum mit einbezog. Er war bereits 2018 bei „laetare“ mit dabei. Ralf Kramp ist aber nicht nur Schriftsteller, sondern auch Maler. Vor 40 Jahren hatte er den großen Wandbehang mit dem Bad Münstereifeler Stadtbild gemalt, der seither vor allem bei den kfd-Karnevalssitzungen die Bühne des Saals im Josefshaus schmückt. Auch am Samstagabend bildete er die heimatliche Kulisse.
Lea Schumacher, Biggi Hammes, Daniela Mombaur, Elisabeth Hintzen und Marie Theres Schmitz fanden sich in ihrem Sketch in einer Galerie wieder. Mangels Geld hingen dort nur leere Rahmen. Da war die Fantasie der Besucherinnen gefragt. Köstlich, wie sich das Eifeler Platt mit ähnlich klingenden Künstlernamen vermischte.
Auch Kirchenmusiker Andreas Schramek durfte im Programm nicht fehlen, denn ihm ist die Orgel ein ganz besonderes Anliegen. Um die heitere Stimmung des bunten Abends aufzunehmen, sang der Kleine Kammerchor Bad Münstereifel diesmal keine sakralen Werke, sondern widmete sich zum ersten Mal dem Pop-Genre. Theo Strauch leitete den Chorgesang humoristisch mit einer sprachwissenschaftlichen Betrachtung des Wortes „Laetare“ ein und kam dabei in Eifeler Dialekt und bezaubernder Bauernschläue zu dem Schluss, dass man sich schon am Vorabend des Laetare-Sonntags freuen könnte, dann bräuchte man das am nächsten Tag nicht mehr zu tun. An der folgenden, mal spritzigen und mal ruhigen Musik hatte das Publikum, aber auch der Chor großen Spaß.
Ein Knaller im Programm war „Dinner for one in Bam“. Amanda Schmitz (Elisabeth Hintzen) feiert ihren 110. Geburtstag. Bewirtet wird sie von Mano (Bernhard Ohlert), den die einheimischen Besucher alle aus der „Post“ an der Unnaustraße kennen. Zwar waren die geladenen Gäste nicht verstorben, aber anderweitig verhindert, also schlüpfte Mano in die Rollen von vier Bad Münstereifeler Unikaten: Schlagersänger Heino mit blonder Perücke und Sonnenbrille, Ex-Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian mit High Heels und grenzenlosem Ehrgeiz, Stadthistoriker Harald Bongart mit russischer Bärenfellmütze und Chronik des rheinischen Adelsgeschlechts der Schmitzens sowie Gastronom und FC-Fan Rudi Bresgen. Bewirtet wurde rustikal mit einheimischen Speisen in äußerst zwangloser Verpackung. Der Saal stand kopf, Bernhard Ohlerts Darbietung war einfach zum Brüllen.
Trude Bresgen und Monika Schmitz saßen am Bad Münstereifeler Bahnsteig und nutzten die Wartezeit, um sich ein wenig zu schminken. Während Monika alle Utensilien dafür in ihrem feinen Handtäschchen hatte, legte Trude Mehl für den Teint, Ketchup für die Wangen und Schuhcreme für betonte Augenbrauen auf.
Viel Spaß bereitete auch das Sackeifel-Duo. Fredy Kirchner und Robert Nolte nehmen schon seit Jahrzehnten städtische und gesellschaftliche Themen aufs Korn, die sie musikalisch ausschmücken. Zwischendurch wurden erfolgreich ein Gemälde der Künstlerin Katharina Elisabeth Bergrath-Münster sowie der sogenannte Orgelwein versteigert.
Hannes Schöner, Ady Zehnpfennig und Hermann Heuser rundeten den erfrischenden Abend mit toller, professioneller Musik ab. Zur Erinnerung und als Dank erhielten alle Mitwirkenden eine Orgelpfeife, die im Laufe des Abends in Orgel-Oscar umbenannt wurde.

