Mit der aktuellen Ausstellung feiert die Bad Münstereifeler Galerie ihr 30-jähriges Bestehen. Gezeigt werden auch verblüffende Werke mit faszinierender Wirkung.
GruppenausstellungZehn Künstler zeigen in Galerie Lethert in Bad Münstereifel ihre Werke

Bis auf Jan Schüler konnte der Galerist Peter Lethert (4.v.l.) alle Künstler seiner aktuellen Jubiläumsausstellung für einen Besuch der Vernissage gewinnen. Von links: Benjamin Nachtwey, Klaus Sievers, Nele Waldert, Peter Lethert, Joscha Bender, Lea Lenhart, Jin-Sook Chun, Annette von der Bey, Andreas M. Wiese und Andrej Henze
Copyright: Frank Neuenhausen
Es herrschte ein buntes Treiben bei der Vernissage in der Galerie Lethert. Dort wurde eine Gruppenausstellung eröffnet, mit der die Galerie ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Neun von zehn Künstlern, die dort ausstellen und schon über Jahre mit dem Haus verbunden sind, waren zur Feier in die Werther Straße 6 gekommen. Da sich die Galerie der zeitgenössischen Kunst verschrieben hat, hatten die Besucher das Glück, die meisten Künstler persönlich sprechen zu können und Hintergründe zu den Werken zu erfragen.
Zu sehen sind bildhauerische Arbeiten von Joscha Bender, plastische Werke von Lea Lenhart und Andrej Henze sowie viele Gemälde unterschiedlicher Stilrichtungen. Der Wuppertaler Andreas M. Wiese, der schon seit 1998 in Bad Münstereifel ausstellt, verblüffte mit dem Bild einer schwebenden, rot gekleideten Dame, deren Beine aus zwei Möhren bestehen. Seine Kunst bezeichnet er schlicht als gegenständliche Malerei; er will sich nicht durch Begriffe in seinem Schaffen begrenzen lassen.
Neue Werke mit Details aus dem Garten der Lüste von Hieronymus Bosch
Jan Schüler, der leider nicht vor Ort sein konnte, steuerte zwei Landschaftsbilder bei. In einem Katalog wird er mit den Worten zitiert: „Ich strebe nach Klarheit und Einfachheit.“ Das sieht man den Landschaftsdarstellungen an, die mit scheinbar einfachen Mitteln große Wirkung erzielen. Er zeigt eine Malkunst, die den Betrachter schnell in den Bann zieht.
Annette von der Bey greift auf Bekanntes zurück. Sie holte in ihren Arbeiten kleine Details aus dem Meisterwerk „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch heraus und macht veränderte Einzelwerke daraus. „Es geht mir ums Sichtbarmachen“, erzählt sie: „Das große Wimmelbild von Bosch ist so detailreich, dass niemand die fantastischen Gebilde, die Masken und das schräge Zeug in den Bildern richtig wahrnimmt.“ Und so hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, diese grotesken und zugleich unschuldigen Abbildungen von Nacktheit und Humor dem Betrachter neu zu schenken.

Das unbenannte Bild von Jin-Sook Chun wirkt durch die harmonsich abgestimmten Farben, die mit einer alten Technik auf die Leinwand gebracht wurden.
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Die Künstlerin Nele Waldert liebt das Muster, wie ihre Bluse und ihre Tonbüste an der Wand erkennen lassen.
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Klaus Sievers möchte ebenfalls kleine Dinge neu ins Bewusstsein rücken. An der Wand in der Galerie hängt eine gemalte Kirsche am Stiel, mehr nicht. Aber die Art, wie er das Licht auf die Kirsche fallen lässt, macht die Einzigartigkeit dieser Frucht bewusst. In seiner Kunst wendet er sich den scheinbar banalen Gegenständen zu, wertet sie auf und schenkt ihnen damit Bedeutung: „Ich möchte, dass man den Humor und die Skurrilität in den Dingen wahrnimmt.“
Die Farben mit Kaninchenfell aufgetragen
Mit einer alten Maltechnik trägt die Künstlerin Jin-Sook Chun zum Jubiläum bei. Wie in historischer Manier mischt sie Farbpigmente und Trägerstoffe selbst an und trägt sie mit Hilfe von Kaninchenfell auf die Fläche. Ihr Bild einer nähenden Frau zieht nicht so sehr des Motivs wegen an, sondern besticht durch harmonische Farbkombinationen und ein Leuchten, das von einem Vorhang oder Kleid in der Hand der Näherin auszugehen scheint. Ein Beispiel, wie Maltechniken faszinierende Wirkungen erzielen können.
Joscha Bender ließ sich von realen Beobachtungen zu einer Skulptur anregen. Vater und Kind stehen und sitzen in Badehose bekleidet auf einem Marmorboden. Das Kind hält einen Ball zwischen den Beinen des Vaters fest und der Vater bläst einen Schwimmring auf. Man möchte lachen und sagen: „Ja, so sieht das im Schwimmbad aus.“ Der Vater hat ein kleines Wohlstandsbäuchlein, das durch die enge Badehose eine besondere Betonung erhält. So humorvoll ist die Wirklichkeit, die Bender aus bemaltem Sandstein nachgehauen hat.

Der Wuppertaler Künstler Andreas M.Wiese malt gegenständlich. Sein Bild die Möhrendame wirkt surreal. Seit 1998 ist er mit der Galerie Lethert in Bad Münstereifel verbunden.
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Benjamin Nachtwey steht ebenfalls schon lange Zeit mit der Galerie Lethert in Verbindung. Was ihn mit allen anderen Künstlern dieses Tages verbindet, ist das Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf. Wie alle anderen lebt er auch von der Kunst, was gar nicht so selbstverständlich ist. Mit seinem Bild „Nachttankstelle“ ist er in der Jubiläumsausstellung vertreten. Tankstellen sind eins seiner Hauptmotive: „Mich bewegt das Licht. Licht in der Stadt und in der Landschaft.“ In zwei Bänden zeigt er seine Arbeiten.
Durch den Besuch von Kunstmärkten zum Galeristen geworden
Auf die Frage, wie Peter Lethert zum Galeristen wurde, antwortet dieser: „Ich habe Kunst und Malerei in Bonn studiert. Aber meine Eltern waren gegen meinen Plan, Maler zu werden. Seit 1976 war es aber mein Hobby, zu Kunstmärkten zu gehen. Ich war bei der ersten Art Cologne. Der Kunstmarkt hat mich interessiert. Ich kannte bald alle Kunstrichtungen und wusste, was auf dem Markt angeboten wird und verkäuflich ist.“
Ihn haben Fragen bewegt wie „Was ist gute Kunst?“ und „Was kann ich vermarkten?“, berichtete Lethert, der auch schilderte, wie er Kontakte zu Künstlern aufbaute. Einer der ersten Künstler, die sein Interesse weckten, war Andreas M. Wiese. „Bad Münstereifel war immer schon eine Stadt der Kunst. Sie hat die Nähe zur Stadt Köln, die im Kunsthandel eine große Rolle spielt. Nordrhein-Westfalen hat im Übrigen eine sehr hohe Dichte an Sammlern. Wichtig war mir, im eigenen Haus Räume zu haben. Dieses Haus war immer in Familienbesitz. Ich konnte mit den schönen Räumen hier immer punkten.“
Die vielen Besucher des Jubiläumstages bestätigten, dass Lethert eine gute Entscheidung mit dem Standort der Galerie getroffen hatte.
Die aktuelle Gruppenausstellung ist bis zum 27. Juli zu sehen, an Samstagen von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.

