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Mit WärmebildkameraEuskirchener Polizei setzt nun Hightech-Drohne nach Verkehrsunfällen ein

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Das Bild zeigt die neue Polizei-Drohne im Flug.

Die Euskirchener Polizei hat eine neue Drohne für das VU-Team erhalten. Kosten: 23.000 Euro. Die Drohne soll vor allem dabei helfen, Verkehrsunfälle aufzuklären.

Das VU-Team der Euskirchener Polizei war im Jahr 2025 bei 75 Einsätzen. Nun hat das Verkehrskommisariat mit einer modernen Drohne aufgerüstet.

Der Einsatz von Drohnen bei der Unfallaufnahme ist längst Standard. Der Einsatz einer „DJI Matrice 300 RTK“, kurz M300, jedoch nicht – zumindest nicht beim Verkehrsunfallaufnahmeteam (VU-Team) der Euskirchener Polizei. Das Euskirchener VU-Team mit seinem Standort in Mechernich ist eines von 17 in NRW – und damit für die Spurensicherung nach besonders schweren Verkehrsunfällen weit über die Grenzen des Kreises hinaus zuständig.

„Wir waren schon in Bonn, Siegen oder Hagen im Einsatz“, sagt Frauke Prieß, Leiterin des VU-Teams. Entscheidend sei, welches der 17 Teams in NRW am schnellsten verfügbar sei. Alarmiert werde das Team bei tödlichen Verkehrsunfällen, bei Unfällen mit lebensgefährlich Verletzten oder bei besonders schweren Fällen mit großem öffentlichen Interesse, etwa Schulbusunfällen.

Im vergangenen Jahr war das VU-Team nach 75 Unfällen im Einsatz

Auch bei illegalen Autorennen, Unfallfluchten mit großem Spurenfeld oder bei Unfällen mit Polizeibeteiligung werde das Team hinzugezogen. Im Jahr 2025 bearbeitete das Euskirchener Team 75 Unfälle. In diesem Jahr waren es laut Prieß bisher acht Einsätze – drei davon im Kreis Euskirchen.

„Die Kolleginnen und Kollegen leisten hochprofessionelle Arbeit und tragen mit ihrer Expertise entscheidend zur Aufklärung schwerer Verkehrsunfälle bei“, sagt Landrat Markus Ramers. Technik sei dabei eine wertvolle Unterstützung, ersetze aber nie die Menschen, die sie bedienen. Mit der neuen, 23.000 Euro teuren Drohne verfüge das Team nun über deutlich erweiterte technische Möglichkeiten, die den Ermittlerinnen und Ermittlern die Arbeit erleichterten und beschleunigten.

Kamera wiegt gut sieben Kilo und verfügt über eine Wärmebildkamera

Drohnenpilot Christopher Schick stellte die technischen Details vor. Die M300 wiege mit Kamera und Akkus rund sieben Kilogramm, habe eine Flugzeit von bis zu 45 Minuten und könne theoretisch bis zu 15 Kilometer weit fliegen. „Wir haben eine integrierte Wärmebildkamera, einen Entfernungsmesser und einen leistungsfähigen Zoom“, erklärt Schick. „Damit können wir Fahrzeuge und die Unfallstelle aus größerer Entfernung präzise vermessen.“

Die Drohne sei windstabil bis etwa 50 km/h und könne im Sportmodus Geschwindigkeiten von bis zu 83 km/h erreichen. Neben der klassischen Unfallaufnahme könne sie durch die verbaute Infrarotkamera auch bei Vermisstensuchen, Großschadenslagen, Demonstrationen oder bei der Aufklärung von Umwelt- und Eigentumsdelikten zum Einsatz kommen.

Das Bild zeigt den Jungfernflug der neuen Polizei-Drohne in Mechernich.

Kritischer Blick: Landrat Markus Ramers (M.) war der Start der Drohne wohl nicht ganz geheuer.

Das Bild zeigt den Polizei-Mitarbeiter, der die Kamera an die mit Polizei-Aufklebern versehehe Drohne schraubt.

Pilot Christopher Schick montiert die Kamera an der Drohne. Wenig später hebt das Gerät erstmals ab.

Auch Polizeidirektorin Gabriele Mälchers zeigt sich erfreut über die Anschaffung. „Wir haben lange auf diesen Tag gewartet“, sagte sie. Die bisher genutzte kleinere Drohne sei wetteranfällig gewesen und habe bei Regen oder Dunkelheit nicht eingesetzt werden können. Die neue M300 sei deutlich robuster, wetterfest und für Nachtflüge geeignet.

Vier speziell ausgebildete Fernpiloten des Euskirchener Teams dürfen sie künftig steuern. „Damit verfügen wir über ein Gerät, das unseren Kolleginnen und Kollegen eine enorme Arbeitserleichterung bietet“, so Mälchers. „Gerade bei längeren oder komplexen Unfallaufnahmen, die sich oft bis in die Nacht ziehen, können wir künftig mit stabiler und präziser Technik arbeiten.“

Ich habe selbst einen schweren Verkehrsunfall erlebt und weiß, wie wichtig es ist, dass der Hergang vollständig aufgeklärt wird.
Marco Herschbach, VU-Team der Kreispolizei Euskirchen

Warum sich die Mitglieder des VU-Teams für diese anspruchsvolle Arbeit entschieden haben? „Ich habe selbst einen schweren Verkehrsunfall erlebt und weiß, wie wichtig es ist, dass der Hergang vollständig aufgeklärt wird“, sagt Marco Herschbach.

Schick, der früher als Vermessungstechniker gearbeitet hat, sieht in seiner Tätigkeit eine ideale Verbindung zwischen Technik und Polizeiarbeit: „Jede neue Technik – ob Drohne oder 3D-Scanner – fordert uns, ständig dazuzulernen. Das macht den Reiz dieser Arbeit aus.“

Digitalisierung hat die Unfallaufnahme grundlegend verändert

Die Digitalisierung habe die Arbeit der Unfallaufnahme grundlegend verändert, erklärt Prieß. Neben klassischer Fotodokumentation nutze das Team heute 3D-Laserscanner und Fotogrammetrieverfahren, mit denen Unfallstellen dreidimensional und millimetergenau abgebildet werden können. „Der große Vorteil der Drohne ist der Zeitfaktor“, sagt sie: „Wir können eine Unfallstelle in kürzester Zeit vollständig erfassen, was gerade auf Autobahnen mit langen Sperrungen eine enorme Erleichterung ist.“

Auch der Einsatz von Software zur Fahrzeugauswertung sei längst Alltag. „Wenn ein Airbag ausgelöst hat, können wir die Steuergeräte auslesen und so zusätzliche Daten zum Unfallhergang gewinnen“, so Herschbach.

Was aber praktisch noch keinen Einzug in die Arbeit des VU-Teams gehalten hat: Künstliche Intelligenz (KI). „In Zukunft ist das sicher nicht undenkbar“, so Prieß: „Die Spuren dürfen jedoch nicht beeinflusst werden und haben einen gewissen Beweiswert – das darf nicht durch KI verändert werden.“ Die Technik schreite zwar voran, und man erkenne heute Spuren, die man vor drei Jahren noch nicht als solche identifiziert hätte. Das sei aber auch der gesammelten Erfahrung zuzuschreiben. KI könne diese Erfahrung nicht ersetzen.