Der Kreis, Kommunen und Privatleute können Prävention vor Hitze und Starkregen betreiben. Dafür werden unter anderem EU-Förderungen genutzt.
Neben GroßprojektenKreis Euskirchen setzt viele kleine Maßnahmen für das Klima um

Zwei Mini-Wälder sind an der Zülpicher Straße in Euskirchen angelegt worden.
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In der aktuellen Polykrise, in der mehrere Krisen sich gegenseitig verstärken und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stark beeinflussen, geraten manche anderen Herausforderung schnell in den Hintergrund. Doch bei den Verantwortlichen im Kreishaus ist die Klimakrise nicht aus dem Blick geraten. Sie stellen verschiedene Ansätze vor, um den Veränderungen präventiv zu begegnen und auf Entwicklungen zu reagieren.
„Klimaschutz ist ein ganzheitliches Thema, das die unterschiedlichsten Bereiche betrifft“, sagt Achim Blindert, der Allgemeine Vertreter des Landrats. Eine Unterscheidung nimmt Heike Schmitz, Leiterin des Bereichs Kreisentwicklung und Planung, zwischen Klimaschutz und Klimaanpassungen vor. Der Schutz des Klimas zielt demnach besonders darauf ab, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Mit oft technischen Maßnahmen soll der Klimawandel zumindest abgeschwächt werden. „Bei der Klimaanpassung geht es darum, die Gefahren oder Auswirkungen des bereits bestehenden Klimawandels zu mindern“, so Schmitz.
Die beiden Herangehensweisen sind nicht selten verzahnt, was Schmitz an einem Beispiel verdeutlicht: Bei neuen Anpflanzung werde CO2 im Sinne des Klimaschutzes gebunden. Die Pflanzen sorgten zudem für natürliche Kühlung, machten die Boden aufnahmefähiger für Wasser und förderten die Biodiversität, was der Klimaanpassung zuzurechnen sei.
Interkommunales Klimateam bespricht sich bei Maßnahmen
Beim Kreis beschäftigt man sich seit einiger Zeit mit dem Thema. „Am 30. Juni 2021 sind Klimaanpassungen beschlossen worden, die wir fortschreiben“, so Schmitz. Die daraus resultierende Strategie, noch vor der Flutkatastrophe angestoßen, habe man mit der nachhaltigen Kreisentwicklung verzahnt. Schmitz zufolge werden auch die Ergebnisse einer Umfrage sowie Daten zu steigender Hitzebelastung und Starkregenfällen bei der Planung von Maßnahmen berücksichtigt.
Wer ist im Kreis für die Umsetzung verantwortlich? „Es gibt ein interkommunales Klimateam, das Lösungen in enger Absprache ausarbeitet, damit sich einzelne Ansätze nicht wiederholen“, so Schmitz. Man stehe außerdem im Austausch mit Hochschulen.
Auch im Kreishaus sind unterschiedliche Abteilungen mit dem Thema befasst. Etwa Katja Ziemann als Koordinatorin Umweltmedizin im Gesundheitsamt. „Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen“, sagt sie: „Die Sommer werden seit Jahrzehnten heißer.“ Das Gesundheitsamt informiert verstärkt über den Umgang mit Hitze (siehe „Hitzeinformation“).
Kreis erhält 1,8 Millionen Euro aus EU-Förderprogramm „Land4Climate“
Für Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und -anpassung nimmt der Kreis unter anderem Mittel der EU in Anspruch. Durch das Förderprogramm „Land4Climate“ (L4C) stehen etwa 1,8 Millionen Euro zur Verfügung, um lokale Klimaprojekte zu unterstützen. Maßnahmen können zu 100 Prozent aus dem Topf finanziert werden, wenn natürliche Maßnahmen, etwa zur Abkühlung durch Bepflanzungen, durchgeführt werden. An Kitas sind solche Projekte beispielsweise denkbar. Blindert: „Schatten unter Bäumen macht die Hitze erträglicher.“
Der Kreis Euskirchen setzt die L4C-Fördermittel auch für neue Bäumen an Kreisstraßen oder am Kreishaus ein. Nach Angaben von Blindert fließt mehr als eine Million Euro aus dem Fördertopf jedoch in Maßnahmen auf Privatflächen, zum Beispiel für Entsiegelungspartnerschaften.

Vorgärten können mithilfe von Fördermitteln entsiegelt werden.
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Begrünung beschränkt sich nicht auf den Boden, sondern kann, wie beim AWZ in Strempt, an Fassaden angebracht werden.
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Dazu können sich Bürger und Bürgerinnen über das Service-Portal des Kreises um eine Partnerschaft bewerben. Dafür müssen die Interessierten einen Eigentumsnachweis (Grundbucheintrag) erbringen, die Daten des Flurstücks angeben und ein Foto der zu entsiegelnden Fläche anfügen. Nach einer Zusage durch den Kreis haben die Eigentümer zwei Monate Zeit – oder so lange, bis ein beauftragtes Gärtnereiunternehmen anrückt –, um die Fläche zu entsiegeln. Die Kosten für den Gärtner, die Bepflanzung und die Pflanzen übernimmt der Kreis.
In seinem jüngsten Aufruf appellierte der Kreis im Rahmen des Projekts „Von Grau zu Grün“ auch an Firmen, sich an den Entsiegelungen zu beteiligen. Teilnehmen können Unternehmen mit geeigneten Flächen ab etwa 200 Quadratmetern. Interessierte können sich bis zum 1. August über das Beteiligungsportal des Kreises bewerben.
Tiny Forests und chinesisches Schilfgras bereichern Biodiversität
Weitere von der EU geförderte Projekte im Kreis sind Klimaparks und Klimawälder, auch Tiny Forests genannt. Durch die dichte Bepflanzung kann die Biodiversität aufgrund einer Vielfalt an Pflanzen gefördert werden. Zwei solcher Mini-Wälder sind an der Zülpicher Straße in Euskirchen angelegt worden.
Auch das chinesische Schilfgras Miscanthus wird als landwirtschaftliche Nutzpflanze zwecks verbesserter Biodiversität eingesetzt. Die Nutzpflanze erhöht zudem die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens und trägt zur Humusbildung bei. Bei diesem organischen Prozess wird die Qualität des Bodens verbessert, dieser wird dadurch fruchtbarer und nährstoffreicher. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Uni Bonn ist im vergangenen Jahr auf einem Feld an der L194 bei Ottenheim Miscanthus gepflanzt worden. Mehr als 10.500 Rhizome wurden unter die Erde gebracht. Laut Blindert ist die Kooperation mit der regionalen Landwirtschaft unverzichtbar.
Förderantrag für „Grünes Klassenzimmer“ in Kall gestellt
In den Orten sind die Kommunen für die Bepflanzung zuständig, so Schmitz. Als Orientierungshilfe habe man für diese einen Leitfaden mit Empfehlungen erstellt. Die Hinweise seien zwar nicht bindend, aber enthielten Anhaltspunkte für das weitere Vorgehen. Eine vergleichbare Unterstützung sollen auch Privatpersonen erhalten. Daher suchen die Experten beim Kreis geeignete klimaresistente Pflanzen, die laut Schmitz aktuell in einer Liste zusammengefasst werden. Geplant ist, im Herbst resiliente Bäume an Privatpersonen zu verteilen, damit diese sie im Garten einpflanzen können. „Im Spätherbst ist die beste Pflanzzeit“, fügt Schmitz an.

Natürliche Schattenspender sind die Bäume am Kreishaus.
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Man habe zudem den Förderantrag „Grünes Klassenzimmer“ für die St.-Nikolaus-Schule in Kall gestellt. Das Projekt sieht vor, den Schülern einen Lernbereich in der Natur zu schaffen. Ein weiteres Projekt, das in absehbarer Zeit gestartet werden soll, sind Versickerungsmulden, um die Kanalisation bei Starkregen zu entlasten.
Laut Katja Ziemann werden Niederschläge generell eher seltener, aber dafür heftiger. Der Hochwassergefahr soll durch zahlreiche Maßnahmen begegnet werden, unter anderem durch die Installation von Rückhaltebecken oder einer hochwasserbeständigen Bauweise an Gewässern.
Auch in der Gefahrenabwehr wird einiges getan
Gerade im Bereich der Gefahrenabwehr hat sich seit der Flutkatastrophe viel getan. Kreisbrandmeister Peter Jonas: „Die Feuerwehr beschäftigt sich mit den direkten Folgen des Klimawandels, aber einen verallgemeinerbaren Katastrophenschutzplan gibt es nicht.“ Zu unterschiedlich sei jede Lage. Jedoch haben der Kreis und die Kommunen Pläne ausgearbeitet, um bestimmten Szenarien zu begegnen, etwa ein Notstromkonzept oder zur Versorgung der Rettungskräfte mit Treibstoff.
Eine wichtige Komponente neben den Konzepten sind die Schulungen. So führen die Einsatzkräfte etwa in regelmäßigen Abständen Katastrophenschutzübungen durch. Ebenso ist die Information der Bevölkerung wesentlich. Im Bevölkerungsschutz können im Ernstfall unter anderem rund 175 Notfallmeldestellen im Kreis besetzt werden. Zudem wird das Sirenennetz kontinuierlich ausgebaut, aktuell sind laut Schmitz 220 Sirenen betriebsbereit.
Sanierungstreffs
Tipps für die Energiewende und das Energiesparen gibt der Sanierungstreff Kreis Euskirchen. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Eigenheimbesitzer und Mieter über Fördermittel, Einsparmöglichkeiten und Technologien zu informieren.
Kommende Veranstaltungen sind „Klimarobust im Haus und im Garten“ am 12. Mai, „Balkonsolar und Energie sparen zu Hause“ am 23. Juni und „Die Sonne nutzen: Photovoltaik, Solarthermie und Speichertechnik“ am 14. Juli.
Organisiert wird die Reihe durch das interkommunale Klimaschutzteam des Kreises. Eine Anmeldung ist online möglich.
Hitzeinformationen
Mehrere Veranstaltungen werden angeboten, um auf die Gefahren durch Hitze und entsprechende Schutzmaßnahmen aufmerksam zu machen.
Die nächsten Termine: Am 19. April bietet die Untere Naturschutzbehörde (UNB) im Rahmen des Narzissenfestes in Hollerath eine Infoveranstaltung zu Hitze und invasiven Arten an. Bei der Kaller Frühlingsschau am 31. Mai und im Literaturhaus Nettersheim am 1. Juni wird ebenfalls die Hitze thematisiert. Im Zuge der Aktion „Grenzenlos Kyllradweg“ am 9. August kann man sich an der Station am Kronenburger See zu Hitzeschutz informieren.
Einen Flyer mit Hitze-Infos hat der Kreis veröffentlicht.

