Bei der Weiterbildungsmesse im Kreishaus nutzten viele die Chance, sich über berufliche Perspektiven und Qualifizierungsmöglichkeiten zu informieren.
18 UnternehmenWeiterbildungsmesse im Kreishaus in Euskrichen stößt auf großes Interesse

Auch das Berufsbildungszentrum informierte in der Kreisverwaltung in Euskirchen über die diversen Möglichkeiten zur Weiterbildung.
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Im Foyer der Kreisverwaltung passierte am Dienstagvormittag etwas, was vermeintlich gar nicht mehr in die Zeit passt: Es wurde miteinander gesprochen – nicht über das Smartphone kommuniziert, sondern wirklich miteinander gesprochen.
Unter dem Motto „Gestalten Sie mit uns Ihre berufliche Zukunft“ hatten die Agentur für Arbeit Brühl und das Jobcenter EU-aktiv zur kostenlosen Weiterbildungsmesse eingeladen – und das Interesse war groß: bei potenziellen neuen Arbeitgebern ebenso wie bei potenziellen Arbeitnehmern.
18 Unternehmen und Einrichtungen bei der Börse in Euskirchen dabei
18 Unternehmen hatten im Kreishaus ihre Informationsstände aufgebaut und tauschten sich mit den Interessierten aus. Da war beispielsweise Max Hoffmann. Der Mechernicher sog sämtliche Angebote förmlich auf. „Ich möchte etwas Neues in meinem Leben machen, ich suche eine neue Herausforderung“, sagte er. Seine privaten Umstände hätten sich in den vergangenen Monaten derart verändert, dass es nun Zeit für einen Neuanfang sei. „Und da Fachkräfte weiter gesucht werden, möchte ich nun eine solche Fachkraft werden“, so Hoffmann.
Bei Astrid Hahn, Geschäftsführerin des Jobcenters EU-aktiv, würde der Mechernicher offene Türen einrennen. „Gut ausgebildete Fachkräfte werden überall dringend gesucht. Die Chancen, nach einer erfolgreichen Weiterbildung eine gute Stelle zu finden, stehen hervorragend – mehr als 70 Prozent der gemeldeten offenen Stellen richten sich an Fachkräfte“, sagte die Expertin im Gespräch mit dieser Zeitung.
Viele Gründe sprechen für eine berufliche Weiterbildung
Es gibt viele gute Gründe, in die eigene Weiterbildung zu investieren. Fünf davon stechen laut Hahn besonders hervor: Das Risiko, erneut arbeitslos zu werden, sinkt deutlich. Gleichzeitig verbessern sich die Einkommenschancen. Wer sich weiterbildet, hat zudem bessere Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Auch die Konkurrenz bei Stellenbesetzungen – innerhalb und außerhalb des Unternehmens – wird geringer. Und nicht zuletzt bedeutet Qualifikation mehr Sicherheit und damit mehr Freiheit, das eigene Leben aktiv zu gestalten.
Wie man viele der genannten Punkte am besten realisiert, erläuterte Marita Schmacks von der Stiftung Bildung und Handwerk (SBH). Die SBH hat sich auf Weiterbildungen zum Lokführer spezialisiert – mit dem Vollgas-Spruch „Bock auf Lok“. „Jeder ist willkommen. Lokführer werden händeringend gesucht. Es ist nach wie vor ein Traumberuf, aber es gibt kaum noch Interessenten“, so Schmacks.

Führte viele Gespräche rund um das Thema „Betreuungskraft“: Rossella Vincenzino Timis von der Care Pro Akademie.
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Die Bundesagentur für Arbeit und das Jobcenter haben im Kreishaus eine Weiterbildungsmesse veranstaltet. 18 Anbieter waren vor Ort. Das Interesse war groß.
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Man müsse 21 Jahre alt sein und einen Hauptschulabschluss haben, erklärte Schmacks den Interessierten am Stand der SBH. Nach acht Monaten Theorie gehe es in den Praxisbereich. Dort könne man sich dann zwischen Personen- und Güterverkehr entscheiden. „Wir arbeiten mit 40 Eisenbahnverkehrsunternehmen zusammen. Der Bedarf ist einfach riesig“, sagte Schmacks. Auffällig sei jedoch auch in diesem Arbeitsbereich: Der Lokführerberuf ist eine Männerdomäne. Das dürfe sich aber gerne ändern, findet die Expertin, die mit der Messe im Kreishaus zufrieden ist. „Mir sind vier wirklich Interessierte lieber als 16 Menschen, die nur dabei sind, weil sie müssen.“
Auch Rossella Vincenzino Timis war bei der Weiterbildungsbörse mit Herzblut dabei. Sie ist Kundenberaterin bei der Care Pro Akademie, die Betreuungskräfte für den Alltag ausbildet. „Das müssen nicht immer Menschen sein, die einen Pflegegrad haben. Alltagshilfe kann viel umfassender sein“, berichtete Vincenzino Timis.
Im vergangenen Jahr hat mich eine Ukrainerin angesprochen. Sie ist gelernte Friseurin, und wir haben sie für den deutschen Markt weitergebildet. Die Prüfung hat sie als Innungsbeste abgeschlossen.
Simone Sundermann ist ein großer Fan der Weiterbildungsmesse. „Im vergangenen Jahr hat mich eine Ukrainerin angesprochen. Sie ist gelernte Friseurin, und wir haben sie für den deutschen Markt weitergebildet. Die Prüfung hat sie als Beste abgeschlossen“, erzählte Sundermann von der IB West GmbH, die in den Bereichen Bildung und soziale Dienste tätig ist.
Die Agentur für Arbeit unterstütze nicht nur arbeitslose Menschen beim Einstieg oder Wiedereinstieg in den Beruf, sondern fördere ausdrücklich auch Beschäftigte und Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden weiterqualifizieren möchten. „Genau darin liegt eine große Chance für unseren regionalen Arbeitsmarkt“, erklärte Nicole Cuvelier, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Brühl.
Ein zentraler Baustein dabei sei die enge Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und Jobcenter. Beide Einrichtungen setzten Cuvelier zufolge auf frühzeitige Förderung, um stabile Erwerbsbiografien zu ermöglichen. „Weiterbildung ist für uns ein zentrales Handlungsfeld, weil wir wissen: Prävention ist stärker als spätere Reparatur“, betont Cuvelier.
Angesichts der sich rasant wandelnden Arbeitswelt gewinne lebenslanges Lernen zunehmend an Bedeutung. Das gemeinsame Ziel sei klar formuliert: „Menschen sollen hier in der Region gute, sichere und entwicklungsfähige Arbeit finden und behalten können. Weiterbildung ist dafür kein Zusatz, sondern der Schlüssel.“
Hohes Interesse an Weiterbildungen
Allein im Februar haben nach Angaben von Nicole Cuvelier, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Brühl, 476 arbeitslose Menschen im Kreis Euskirchen die Chance genutzt, sich beruflich weiterzuqualifizieren. Doch Weiterbildung betreffe längst nicht nur diejenigen ohne Arbeit, betont die Pressesprecherin.
„Wenn wir über Weiterbildung sprechen, dann sprechen wir auch über die Pflegekraft, die sich spezialisieren will, über den Produktionsmitarbeiter, dessen Betrieb digitaler wird, oder über die kaufmännische Angestellte, die merkt, dass sich Anforderungen verändern“, so Cuvelier: „Weiterbildung ist kein Reparaturbetrieb für Arbeitslosigkeit – sie ist ein Entwicklungsangebot für alle, die beruflich nicht stehen bleiben wollen.“

