Im Jahr 2025 sind im Kreis Euskirchen weniger Verbrechen begangen worden. Außerdem ist die Aufklärungsquote gestiegen.
KriminalitätsstatistikKreispolizei Euskirchen hat die drittbeste Aufklärungsquote in NRW

Gemeinsam auf Streife: Die Sicherheitsoffensive am Euskirchener Bahnhof zeigt Wirkung.
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Es waren gute Nachrichten, die Ulrich Linden, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Kreispolizeibehörde, und Landrat Markus Ramers zu verkünden hatten: Die Zahl der Verbrechen im Kreis Euskirchen ist gesunken, die Aufklärungsquote im Gegenzug gestiegen. Ein Trend, der dem Kreis jetzt die drittbeste Aufklärungsquote im landesweiten Ranking der Polizeibehörden einbringt. Ramers sieht darin das Ergebnis konsequenter Polizeiarbeit. „Die Sicherheitslage im Kreis verbessert sich, aber wir bleiben wachsam“, sagte er.
Damit sich die Statistik so positiv entwickele, brauche es zwar auch eine Menge Glück, erklärte Linden, aber vor allem viel Arbeit. Schwerpunkteinsätze, strategische Fahndung und Messerverbot zählte er als Faktoren auf, die sich in der Statistik niederschlagen. Als gutes Beispiel nannten beide die Sicherheitsoffensive am Euskirchener Bahnhof, wo Stadt, Polizei, Bundespolizei und Deutsche Bahn an einem Strang ziehen und Kräfte gemeinsam auf Streife schicken.
Die Zahl der Straftaten im Kreis ist um 8,4 Prozent gesunken
Die Zahl der Straftaten im Kreis ist um 8,4 Prozent gesunken und lag im vergangenen Jahr bei 11.132. Mit 6790 geklärten Fällen lag die Quote bei 61 Prozent und damit um 1,3 Prozent über der des Vorjahres. 5054 Tatverdächtige wurden ermittelt. Im Landesdurchschnitt ist die Zahl der Straftaten um knapp drei Prozent zurückgegangen, die Aufklärungsquote ist um 0,2 Prozent gestiegen. Die Kriminalität verteilt sich in den Kommunen des Kreises ungefähr entsprechend der Einwohnerzahlen.

Die Kriminalitätsstatistik stellten Gabriele Mälchers, Ulrich Linden (M.) und Landrat Markus Ramers vor.
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Euskirchen (4642 Fälle) und Mechernich (1387) sind Spitzenreiter im negativen Sinne, in Dahlem geschahen mit 140 Fällen die wenigsten Straftaten. Drei Viertel der 'Tatverdächtigen sind Männer. 28,7 Prozent sind Nichtdeutsche, haben also weder einen deutschen Pass noch eine doppelte Staatsbürgerschaft. Die Kinder- und Jugendkriminalität ist mit 1039 Fällen unverändert geblieben – auch damit liegt der Kreis unter dem Landesdurchschnitt. Es gab 892 Tatverdächtige unter 21 Jahren.
Bei Gewaltverbrechen beträgt die Aufklärungsquote 85 Prozent
447 Fälle von Gewaltkriminalität wurden verzeichnet, 44 und damit fast neun Prozent weniger als im Jahr zuvor. 380 Fälle wurden aufgeklärt, das sind 85 Prozent. Im Land ist die Zahl der Fälle um knapp drei Prozent gesunken, die Aufklärungsquote liegt bei 75 Prozent.
Die gute Nachricht: Kein Mensch ist 2025 im Kreis Euskirchen durch Mord oder Totschlag ums Leben gekommen. Dennoch ist die Zahl der Fälle um 50 Prozent gestiegen auf insgesamt neun.
Die Besonderheit der Statistik zu Mord und Totschlag
Das liege daran, dass sich Taten, die sich im Jahr zuvor ereignet haben, aber 2025 aufgeklärt wurden, in der Statistik niederschlagen, erklärte Linden. Sieben Fälle wurden aufgeklärt, sieben Tatverdächtige ermittelt. Es waren alles Männer, 57 Prozent waren Nichtdeutsche. „Wir tun etwas dafür, dass sich die Zahl der Fälle erhöht“, sagte Linden. Was paradox klingt, hat Logik: Die Polizei prüfe auch bei schwerer Körperverletzung, ob ein versuchtes Tötungsdelikt vorliege. Dann könnten nämlich alle Beschuldigten in Untersuchungshaft genommen werden.
Die Gefahr, dass Sie in Euskirchen nachts auf der Straße von einem Fremden ausgeraubt werden, ist äußerst gering.
55 Fälle von Raub sind im Kreis aktenkundig geworden, gut ein Fünftel weniger als Jahr zuvor. Raubdelikte würden immer seltener, und meistens würden sich Täter und Opfer kennen. „Die Gefahr, dass Sie in Euskirchen nachts auf der Straße von einem Fremden ausgeraubt werden, ist äußerst gering“, so Ulrich Linden.
Auch die Zahl der Körperverletzungen, die bisher gestiegen war, ist zurückgegangen, und zwar um 13,6 Prozent (Landesdurschnitt 1,7 Prozent) auf 1481 Fälle. 1287 Tatverdächtige wurden ermittelt, davon waren 981 männlich und 306 weiblich. Von den 1698 Opfern waren 723 weiblich.
Häusliche Gewalt: Die Zahl der Delikte blieb gleich
„Wir hoffen, dass das Dunkelfeld weiter erhellt wurde“, sagt Ulrich Linden zum Thema häusliche Gewalt. Die Zahl der Delikte ist gleich geblieben bei 675. Von den 726 Opfern waren 527 weiblich, 199 männlich. 584 Tatverdächtige wurden ermittelt. Mit Wohnungsverweisen, Rückkehrverboten und Gefährderansprachen versuche die Polizei zu verhindern, dass häusliche Konflikte eskalierten.
„Die präventive Wirkung repressiver Maßnahmen“ nennt Linden das. Er erinnert an den Fall aus dem Jahr 2024, als eine Frau getötet wurde. Der Begriff Femizid – also die gezielte Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist – taucht in der Statistik nicht auf. Femizid ist bisher kein feststehender juristischer Begriff. „Es wäre wünschenswert, dass es dazu eine klare Definition gäbe“, findet Gabriele Mälchers, Abteilungsleiterin Polizei.
Weniger Fälle von Widerstand und Angriffen gegen Beamte
72 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt oder Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten stehen in der Statistik, das ist ein Rückgang um zehn Prozent. „Das sind immer noch zu viele“, erklärt Markus Ramers: „Aber offenbar wird den Beamten wieder etwas mehr Respekt entgegengebracht.“ Landesweit ist die Entwicklung eine andere, da ist die Zahl der Fälle um 6,4 Prozent gestiegen.
Zurückgegangen ist auch die Zahl Fälle, in denen mit einem Messer gedroht oder sogar zugestochen wurde. Wobei es meist beim Drohen geblieben ist. 266 Sexualstraftaten stehen in der Statistik, sechs Prozent weniger als Vorjahr. Um fast 29 Prozent ist die Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgegangen auf 178 Fälle. Häufig blieb es beim Versuch, die Täter gaben auf. „Die Bürger helfen, Straftaten zu verhindern“, lobte Linden und verwies auf die vielen Möglichkeiten, sein Haus besser zu sichern.
Die Zahl der Ladendiebstähle ist ungefähr konstant geblieben mit 616 Fällen. Der angerichtete Schaden ist erheblich, er wird mit mehr als 110.000 Euro beziffert. Die Bandbreite reicht vom stibitzten Schokoriegel bis zum Auftreten reisender Banden, die auf Elektromärkte und Parfümerien spezialisiert sind. Die Quote der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt hier bei 48,7 Prozent.
Das gute Abschneiden des Kreises Euskirchen sei erfreulich, sagte Linden: „Aber es setzt uns auch unter Druck.“ Natürlich wolle man im kommenden Jahr nicht schlechter dastehen. Im Moment sieht es gut aus: Die Zahlen für Januar 2026 befördern den Kreis auf Rang zwei.
Cannabis-Freigabe senkt Zahl der Drogendelikte
Dass die Zahl der Drogendelikte zurückgegangen ist, geht nicht auf das Konto guter Polizeiarbeit. Es ist schlicht eine Folge der geänderten Gesetzgebung zum Verkauf und Konsum von Cannabis. Besitz, Anbau und Gebrauch von Haschisch sind nicht mehr grundsätzlich verboten. Das schlägt sich in der Statistik nieder. Im Kreis Euskirchen wurden im vergangenen Jahr 184 Fälle festgestellt, in denen gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen wurde.
Das sind 98 Fälle und damit gut 34 Prozent weniger als im Jahr davor. Die Aufklärungsquote lag bei 85,6 Prozent. Welche Folgen die Haschisch-Freigabe im Straßenverkehr und auf das Unfallgeschehen im Kreis hat, wird die Verkehrsstatistik zeigen, die am Donnerstag vorgestellt wird. Landrat Markus Ramers erklärte, dass seit der neuen gesetzlichen Regelung – sie ist seit 2024 in Kraft – jedenfalls deutlich mehr Führerscheine eingezogen worden seien.

