Tausende feiern den Lichterzug in Mechernich-Eiserfey. Die jecke Mission zur Verbreitung der Karnevalsmagie geht nächstes Jahr weiter.
Die Bilder vom LichterzugDer Stäänedanz in Eiserfey ist ein eigener Planet Fastelovend

Der Lichterzug in Eiserfey war ein Stäänedanz der ganz besonderen Art.
Copyright: Tom Steinicke
Der Fastelovend – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2026. Dies sind die Abenteuer des Stäänedanz in Eiserfey, in dem Tausende Jecke seit zehn Jahren unterwegs sind, um das Spiel von Licht und Farben zu erforschen und dem Karneval im Kreis Euskirchen ein strahlend schönes Funkeln zu verleihen. Frei nach Raumschiff Enterprise ist der Lichterzoch schon sein eigener Planet Fastlovend, zu dem sich am Karnevalsfreitag die Jecken aus allen Himmelsrichtungen aufmachen.
Über seinen Planeten wacht auch Petrus aufmerksam. Ist das Wetter auch noch so fies und usselich, verpasst er auch den angesagten Regenstopp um 18 Uhr knapp, ist's pünktlich zum Beginn des Stäänedanzes trocken. Das bisschen Gefissels zwischendurch stört nun wirklich keinen Jeck. Sie strömen in Scharen in den kleinen Ort, wenn sich mit einsetzender Dunkelheit das magische Flirren und die Spannung ausbreiten.
Karneval in Rio und Karneval in Venedig vereinen sich im Feytal
Dass der Planet Lichterzoch nicht mehr nur das eine Zentrum an der Kirchenkurve hat und es sich stattdessen auch auf dem Alten Weg und am Start ganz schön knubbelt, macht den Job auf der Kommandobrücke nicht einfacher. Die ist mitten auf der Straße am Abzweig nach Vollem, wo Zugleiter Heinz Heimersheim und sein Team die Wagen und Gruppen sortieren und auf die Reise schicken. Sie, die Treckerfahrer und die Wagenengel agieren umsichtig und mit großer Vorsicht, damit keinem etwas passiert.
Auf dem Planet Fastelovend ist die Wagenengel-Dienstkleidung oft viel schöner als nur eine Warnweste. Leuchtende Schmetterlingsflügel, die sich prima zum Einweisen eignen, haben die Engel der griechischen Götter um Pierre Schruff an, die von ihrem „Pappnas mit Pegel“-Olymp ins Zentrum des jecken Sternensystems gekommen sind. Nein, geflügelte Sandalen haben diese Götter nicht für die Reise zum Planet Fastelovend.
Dabei ist ein Raumschiff nicht mal das Fortbewegungsmittel der Wahl. Formel-1-Autos und Rennanzüge vielleicht schon eher – so düsten gleich mehrere Gruppen ins Stäänevergnügen. Oder doch eher per Schiff wie die Äzebälleg aus Glehn? Oder auf einer Eisscholle wie die Breddemänn aus Nöthen und die Firmenich-Obergartzemer Ice-Age-Freunde?
Ein paar Zwischenstopps haben definitiv die Eiserfeyer Ladys um Beate Heimersheim eingelegt: Im Weltall waren sie vergangenes Jahr unterwegs, müssen zwischendurch kurz in Rio und Venedig gewesen sein – was zu ihrem Hingucker-Kostüm führt, das ihnen zwar Überbreite beschert, aber der Hingucker im Zusammenspiel von Licht und Farben ist. Dem können auch die kleinen Karnevalsmäuse nicht widerstehen: Dank Leonie (8), Leni (11) und Lotta (8), die zum ersten Mal in der Truppe mitmachen dürfen, muss man sich auch hier um den Nachwuchs keine Sorgen machen.
Jecke sind nachhaltig und passen auf den Planet Fastelovend auf
Wie bei den Feytaler Mädels wird über viele Wochen, oft Monate im Orbit der Scheunen und Keller an Wagen und Kostümen gewerkelt. Dabei passen viele gut auf den Planet Fastelovend auf, immer wieder kommt der Hinweis auf die Nachhaltigkeit und was wie jeck wiederverwendet ist. Bei den neun Regenbögen etwa: Bunt soll's sein, nah am Körper getragen werden und – keine Frage – toll leuchten. Die Vorhang-Kleider und Tragegestelle vom letzten Jahr eignen sich, die Poolnudel-Regenbogenkonstruktion haben sie fertig ergattert und dann jede Menge Lämpchen drangebastelt .
Das magische Funkeln des Planet Stäänedanz erlischt irgendwann in der Nacht zum Samstag, die Erinnerung hallt lange nach, und das längst nicht nur durch die unzähligen Fotos und Videos. Die Jecken haben zur Freude der Organisatoren sicher und friedlich gefeiert. Nun ziehen sie aus in all die Zöch quer durch den Kreis. Manche in vier Orten, andere in sechs, vielleicht absolvieren sie noch mehr an so einem Wochenende. Aber der Lichterzug ist schon besonders mit seinem Funkeln und der Karnevalsmagie. Was es genau ist, kann keiner so recht in Worte fassen. Wie Jenny Breuer von den Firmenich-Obergartzemer Ica-Ages versuchen es viele: „Es ist einfach der Geilste.“
Eines steht fest: Die Mission Stäänedanz ist noch nicht erfüllt. Auch im nächsten Jahr werden sie sich alle wieder auf dem Planet Fastelovend treffen, wenn der zehnte Lichterzug durchs Feytal zieht.
Leo und Theo: Ihr seid Fastelovend
Ein kleiner, tapferer Kämpfer, sein Kumpel, de Morreköpp und die Feytaler Jecken sorgen für die wohl berührendste Geschichte des Lichterzochs. Leo und Theo, acht und elf Jahre sind, sind beste Freunde – eigentlich schon immer.
Leo hatte Leukämie und war auf eine Stammzellenspende angewiesen. Beim jecken Bürgermeisterempfang im November 2024 in Mechernich schnappte sich Theo das Mikrofon, machte darauf aufmerksam und rührte kräftig die Werbetrommel für die Typisierungsaktion der Hilfsgruppe Eifel wenig später.
Für die Feytaler Jecken war die Sache klar: Wenn Leo wieder gesund ist, sind er, seine Familie und die Floisdorfer Morreköpp-Freunde eingeladen, auf dem Bobbycar-Wagen im Lichterzoch mitzufahren. Für Leo wurde ein Spender gefunden, die Transplantation gelang. Ein Jahr später konnte er sich beim Bürgermeisterempfang für die Unterstützung bedanken. Logisch: Die Einladung der Eiserfeyer stand.

Auf dem Bobbycar-Wagen genossen die Morreköpp mit Leo und Theo die Fahrt im Lichterzoch, bei dem sie zum ersten Mal aktiv dabei waren.
Copyright: Tom Steinicke
Die Kindersitzung am Freitag war für die Morreköpp, die sich durch den familiären, ursprünglichen und kreativen Karneval auszeichnen, gar kein Problem. Ganz pragmatisch wurde die Sitzung eine Stunde vorverlegt, damit es zeitlich für Leo, Theo und die anderen passte, pünktlich in Eiserfey zu sein. Die beiden Jungs haben schließlich einiges an Fastelovends-Genen: Sie können tanzen, sie können in die Bütt gehen. Und sie sind die Präsidenten in der Kindersitzung. Leo hat das zum ersten Mal gemacht. „Ich war voll nervös“, gesteht er: „Aber es hat super geklappt. “ Theo unterstreicht das: „Leo und ich haben den Job für nächstes Jahr.“
Er hat das auch schon ein paarmal gemacht und genießt den Bühnenjob ganz offensichtlich. „Mama hat mir aufgeschrieben, welche Gruppen das sind und wer Trainer ist. Und manchmal ein paar Sätze dazu.“ Durchgelesen habe er sich das auch mal. Hat er es wirklich gebraucht? Nö, ein Profi wie er macht das anders: „Ich muss ja sehen, wie die Lage ist, und auf die Reaktionen im Publikum warten. Und dann eben einfallsreich sein.“ Leev Morreköpp: Bei solch tollen, jungen Jecken müsst ihr euch um die Zukunft eures Fastelovends keine Sorgen machen.
Wer Leo mit seinen Stammzellen geholfen hat, ist noch unbekannt. Frühstens nach zwei Jahren, erklärt Leos Vater Daniel, können sie dazu etwas erfahren. Er weiß aber, dass aus der Mechernicher Typisierung bereits ein Spender für einen anderen Erkrankten gefunden ist. Neben der Freude, dass Leo wieder dabei ist und Fastelovend feiern kann, zählt für seinen Vater auch etwas anderes, nämlich die große Hilfs- und Spendenbereitschaft: „Ich bin froh, dass so viele da sind – egal, ob für Leo oder jemand anders.“
Landrats-Premiere
Irgendwann ist immer das erste Mal, auch für Landrat Markus Ramers. Keine Chance hatte der Lichterzoch bislang, ist zeitgleich doch die Sitzung in seinem Heimatort Freilingen. Und als Tänzer im Männerballett kann er da nicht fehlen. Da die Gruppe dieses Jahr nicht zustande gekommen ist, war plötzlich Zeit für Eiserfey. Und als die Vussemer ihn gefragt hatten, ob er bei ihnen mitfahren wolle, war die Sache geritzt.

Mit den Vussemern tanzte Landrat Markus Ramers.
Copyright: Tom Steinicke
Dass ein paar Lämpchen an der Mütze kostümtechnisch ausbaufähig sind – geschenkt. Eine Menge Spaß hatte der tanzende Landrat mit den Vussemern und Partyprinz Stefan auf jeden Fall.
Ein guter Mix
Die Mischung macht's. Die haben die Eiserfeyer auch mit der Musik sauber hinbekommen. Partyprinz Stefan von Vussem darf als DJ natürlich Techno auflegen und passt mit der Lasershow prima an die Zoch-Spitze. Danach gibt's ganz viel kölsche Tön – laut, aber nirgends ohrenmordend.

Livemusik zum Stäänedanz boten die Eifelklänge-Musiker.
Copyright: Tom Steinicke
Da macht der Zoch auch den Eifelklänge-Musikern aus Herhahn-Morsbach Spaß, die tatsächlich gut zu hören waren. Die Wagen mit den jungen Jecken, die eher zu Partymusik feiern und fast alle eine Show dazu bieten, waren am Ende versammelt und passten da gut zusammen.

