Der SV Concordia Weyer feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festkommers. Organisierten Ballsport gab es aber schon vorher im Ort.
VereinsjubiläumSportler des SV Concordia Weyer feiern den 100. Geburtstag

Beim Festkommers im Weyerer Bürgerhaus führte René Wassong durch das Programm.
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Immer wieder ist es ein großes Ereignis, das 100-jährige Bestehen eines Vereins mit einem großen Fest zu würdigen. Selbst wenn das wahre Gründungsdatum einige Jahre früher war. So beim SV Concordia Weyer, der am Samstagabend im Bürgerhaus in Weyer sein Vereinsjubiläum mit einem Festkommers feierte, bei dem immer wieder mit einem Augenzwinkern thematisiert wurde, dass sowohl der Anlass zur Gründung des Vereins als auch der genaue Tag im Dunkel der Geschichte liege. Rund 80 Personen waren beim Festkommers mit dabei. Für die musikalische Unterhaltung sorgte der Musikverein „Harmonie“ Weyer.
Im Jahr 1926, so berichtet die Vereinschronik, sei der Verein gegründet worden. Doch bereits vorher sei in Weyer mehr oder weniger organisiert Fußball gespielt worden. Seine Urzelle habe der Sportverein in der Sportabteilung des Jünglingsvereins, der von Pfarrer Julius Firmenich am 2. November 1920 gegründet worden sei. Vier Jahre später schlossen sich die Fußballer zum Sportverein Weyer in der Deutschen Jugendkraft-Familie (DJK) zusammen. Bereits 1924 seien die ersten Punktespiele ausgetragen worden. Seit 1950 trägt der Verein den Beinamen „Concordia“.
Im Winter trainierten die Fußballer im Weyerer Dorfsaal
Schwer sei der Anfang in den 1920er-Jahren gewesen, berichtet der Chronist. Da Fußballschuhe unerschwinglich gewesen seien, sei in hohen Schnürschuhen mit eisernen Hufeisen im Absatz, Eisennägeln in der Sohle und einem Stoßeisen an der Spitze gespielt worden.
Einen regelgerechten Sportplatz gab es nicht, stattdessen ein provisorisches Spielfeld auf dem Silberberg. Tore wurden aus Tannenstämmchen gezimmert, die dann mit Karren zu verschiedenen Wiesen gefahren wurden, die jeweils mit einer Sense freigeschnitten worden waren. Im Winter sei im Saal trainiert worden.
Wie der Fußball in der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Gang kam, bietet Stoff für viele Anekdoten. So habe, wie es in der Festschrift steht, in der Mitte des Sportplatzes in Alendorf ein Baum gestanden, der umspielt werden musste. Im Ausgleich habe der Baum aber immer wieder Sichtschutz vor dem Schiedsrichter geboten und damit Gelegenheit, Nickligkeiten mit dem Gegenspieler auszutauschen, ohne Bestrafung fürchten zu müssen.
In Dollendorf deckten sich die Weyerer Fans mit Wacholderreisig ein
Handfest wurde es, als Betreuer und Spieler bei einem Auswärtsspiel in Dollendorf Wacholdersträucher entdeckten, die sich hervorragend zum Räuchern eigneten. Als die Dollendorfer bemerkten, dass die Weyerer Gäste sich kräftig mit den Zweigen eingedeckt hatten, mussten die Spieler fluchtartig nach Spielende das Feld verlassen. „Noch immer geht die Meinung darüber auseinander, ob das ein Diebstahl oder organisierter Heimtransport regionaler Pflanzen war“, so der Vereinsvorsitzende Jürgen Wassong schmunzelnd im Rückblick.

Schirmherr des Concordia-Jubiläums ist Landrat Markus Ramers.
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Früher habe es auch keine Diskussionen über den Schiedsrichter gegeben, der das Spiel unterbrochen hatte, weil sein kleiner Sohn zur Toilette musste. Als das Geschäft erledigt gewesen sei, sei das Spiel einfach fortgesetzt worden. „Damals wurden die Regeln nicht ganz so streng ausgelegt, das war normaler Spielbetrieb in der Kreisklasse“, sagte er.
Bereits sein Großvater Heinrich sei bei der Gründung des Vereins dabei gewesen, sagte Jürgen Wassong. Sein Vater Peter sei 45 Jahre im Vorstand des Vereins gewesen und habe sogar die Feierlichkeiten zu seinem zweiten Hochzeitstag heimlich durch ein Fenster verlassen, um an einem Spiel teilzunehmen, berichtete er. „Meine Mutter nahm es gelassen hin, zumal das Spiel gewonnen wurde“, berichtete Wassong.
Kanadische Pioniere und Autobahnbauer packten am Sportplatz mit an
Eine wechselvolle Geschichte hatte auch der Sportplatz in Weyer. So sei das Spielfeld am Weyerstein, das beim Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt wurde, mehr Bolz- als Sportplatz gewesen, berichtet die Chronik. Mehrere Versuche, das Spielfeld zu sanieren, seien aus Kostengründen gescheitert, bis 1972 eine kanadische Pioniereinheit, die auf Vogelsang stationiert war, mit schwerem Räumgerät anrückte und den Platz ebnete. Auf das heutige Maß wurde der Platz von einer Firma gebracht, die gleichzeitig beim Bau der Autobahn wenige Kilometer weiter tätig war. Von einer Baracke entwickelte sich das Sportlerheim bis zum heutigen Zustand. Es soll in den nächsten Jahren noch einmal erweitert werden.
Auch Landrat Markus Ramers, der die Schirmherrschaft über das Jubiläum übernommen hatte, ist der Sportplatz nicht unbekannt und sogar Anlass für eine besondere Erinnerung. „Ich habe dort am Weyerstein am 8. Februar in der Kreisliga C, Staffel 3, eines meiner letzten aktiven Spiele für den FC DoRi gemacht“, sagte er. Das Spiel sei 0:5 verloren gegangen, vielleicht sei es ja gut, dass er nicht weitergemacht habe. Ihm sei aber die herzliche und kameradschaftliche Atmosphäre in Erinnerung geblieben.
Es sei beachtlich, dass der Verein mehr als 200 Mitglieder habe und die Kinder- und Jugendarbeit großgeschrieben werde, sagte Ramers. Auch gebe es Kooperationen mit umliegenden Vereinen. Besonders würdigte er die ehrenamtliche Arbeit der vielen Personen, die hinter den Kulissen dafür Sorge tragen würden, dass der Spielbetrieb stattfinden könne.
FC-Traditionself, Open-Air-Konzert und Weinwanderung in Weyer
Der SV Concordia begeht mit vielen verschiedenen Veranstaltungen sein 100-jähriges Bestehen. So kommt an Fronleichnam, Donnerstag, 4. Juni, die Traditionself des 1. FC Köln zu einem Benefizspiel zugunsten der Hilfsgruppe Eifel gegen die Landrat-Elf.
Am Samstag, 6. Juni, ab 19 Uhr findet ein Open-Air-Konzert im Sportpark am Weyerstein statt. Mit dabei sind „Die Lückenfüller“, „Wibbelstetz“ und als Headliner die „Bläck Fööss“.
Ebenfalls im Sportpark am Weyerstein wird am Wochenende 4./5. Juli ein Jugendsportfest veranstaltet. Rund um Weyer findet am Samstag, 19. September, eine Weinwanderung statt. Zu einem Kickerturnier und Quizabend lädt die Concordia für Freitag und Samstag, 6./7. November, ins Bürgerhaus in Weyer ein.

