Gegen die Tollitäten aus Mechernich, Vussem, Bergheim, Lorbach, Weyer und Kommern hatte Bürgermeister Michael Fingel keine Chance.
Rathaussturm in MechernichEine jecke Übermacht regiert jetzt am Bleiberg

Da ist das Ding: Prinz Torsten I. nahm von Bürgermeister Michael Fingel, der als Zirkusdirektor in Frack und Zylinder angetreten war, den Stadtschlüssel in Empfang.
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Mit Zugriff auf ein karnevalistisches Sondervermögen ist der Mechernicher Bürgermeister Michael Fingel offenbar in die tollen Tage gestartet: „Im Tresor sind keine Kohlen zu holen“, legte er bei der Übergabe des Stadtschlüssels an den Mechernicher Prinz Torsten I. (Krieg) einen finanzpolitischen Offenbarungseid ab: „Denn die Kassen sind leer, das sag ich frei heraus – ich geb nachher trotzdem einen aus!“
Woher das Geld für Mettbrötchen, Kölsch und andere Leckereien kam? Den Karnevalisten war's egal, denn sie nahmen die Einladung in den bunt geschmückten Ratssaal dankend an. Der neue Hausherr Torsten, der nun bis zum Aschermittwoch die Macht am Bleiberg übernommen hat, konnte sich beim Sturm auf das Rathaus über die Unterstützung zahlreicher jecker Untertanen und der anderen Tollitäten aus dem gesamten Mechernicher Stadtgebiet freuen.
Tollitäten aus dem Stadtgebiet unterstützten Prinz Torsten I.
Aus Vussem war „Party-Prinz“ Stefan I. (Schmitz) angereist, die Bergheimer Seilbahnjecken waren mit Prinz Philipp (Koch) und Prinzessin Christina (Arndt) vertreten. Für jede Menge Frauenpower standen die Damendreigestirne der Weyerer Blömche mit Jungfrau Larissa (Stolze), Prinz Annika (Meier) und Bauer Jenni (Höller) sowie aus Lorbach mit Bauer Elena I., Jungfrau Vivien und Prinz Kathrin. Und als in Kommern der Kinderzug sein Ziel erreicht hatte, stieß auch noch das „Familienfünfgestirn“ der KG Greesberger in Mechernich dazu.
Da hatte Fingel („Noch nicht mal richtig angekommen, wird mir das Rathaus schon wieder genommen“) in seiner ersten Session als Bürgermeister allerdings schon längst die Waffen gestreckt und die weiße Fahne vom Rathausbalkon geschwenkt. Als Zirkusdirektor in Frack und Zylinder hatte er sich zuvor vergeblich der jecken Übermacht entgegengestellt.
Eine bunte Musikantentruppe spielte kölsche Evergreens
Bei soviel jecker Lebensfreude hatte dann schließlich auch das Wetter ein Einsehen: Als der Regen aufgehört hatte, schunkelte das Narrenvolk ausgelassen zu kölschen Evergreens, die eine bunt zusammengewürfelte Musikantentruppe im Repertoire hatte. „Wie lange habe ich den ,Treuen Husar' schon nicht mehr gehört? Das macht richtig Spaß heute, und da ist mir auch das Wetter egal“, freute sich eine Besucherin.
Organisiert hatten die Mechernicher Karnevalsvereine das jecke Treiben zu Beginn des Straßenkarnevals wieder gemeinsam, wobei erstmals Prinzengarde-Chef Michael Hammer die Begrüßung der Gäste und die Moderation der Veranstaltung übernommen hatte. Vertreten waren zudem der Festausschuss Mechernicher Karneval (FMK), der Karnevalsclub Bleifööss sowie erstmals die Karnevalsfreunde Mechernich, die sich erst in der vergangenen Session gegründet hatten.
Sorgen um das Wetter beim Mechernicher Karnevalszug am Tulpensonntag müssen sich die Jecken am Bleiberg übrigens nicht machen, denn in seiner Regierungserklärung verkündete Prinz Torsten in Paragraf 10: „Tiefdruckgebiete und Schlechtwetter werden während der Umzüge an den Karnevalstagen ausgeschlossen!“

