Zu ihrer Westeuropa-Jahrestagung trafen sich rund 140 junge Geographinnen und Studierende diese Woche in Gemünd.
Westeuropa-Jahrestagung140 Nachwuchs-Geographen trafen sich zum Netzwerken in Gemünd

Die Möglichkeiten der 3D-Kartographie demonstrierte Johann Neugebauer (r.) bei einem Workshop des EGEA-Treffens in Gemünd.
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„Kulturerbe und Abenteuer: Der einzigartige touristische Reiz der Eifel“ – unter dieses Motto hatte die EGEA, die „European Geography Association (for students and young geographers)“, also die Europäische Geographische Gesellschaft (für Studierende und junge Geographen), ihr Jahrestreffen der Region Westeuropa gestellt. Rund 140 Studierende aus ganz Mitteleuropa nahmen an dem fünftägigen Treffen teil, das bis zum Freitag im Haus „Auszeit Eifel“ in Gemünd stattfand.
„Ich studiere zwar im hessischen Marburg, habe die Eifel in meiner Kindheit aber bei zahlreichen Wandertouren mit meinem Vater erkundet“, verriet Luca Schweitzer, der die Tagung maßgeblich mitorganisiert hatte, warum der Verband sich für die Eifel als Veranstaltungsort entschieden hatte. „Außerdem haben wir uns hier im Tagungshaus wunderbar aufgenommen gefühlt. Und es war dann nicht schließlich schwer, viele interessanten Themen mit Bezug zur Eifel für das wissenschaftliche Fachprogramm zu finden“, so der angehende Geograph.
Das „Cola-Mentos-Experiment“ verlief enttäuschend
Teilnehmer der Tagung kamen von verschiedenen Unis in Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Estland, Polen, Tschechien, Slowenien und aus der Ukraine.
Dabei gab es für die jungen Geographiestudierenden auch Berührungspunkte zu einem benachbarten Studienfach, der Geologie: Ein Professor der Uni Marburg hatte am „Wissenschaftstag“ des Treffens einen Workshop zum Vulkanismus in der Eifel angeboten. Nach dem theoretischen Teil am Vormittag stand dann nach der Mittagspause die Praxis auf dem Programm. „Aber wie das in der Wissenschaft manchmal ist“, so der Vulkan-Experte, „verlaufen Experimente manchmal enttäuschend.“ Die Reaktion von Cola und Mentos-Bonbons, die eine Vulkaneruption simulieren sollte, war weit weniger überschäumend als erwartet.
Apfelwein wird auch in der Eifel getrunken
Eine andere Gruppe erkundete in einem Workshop die Vielfalt deutscher Apfelweine, deren Produktion und Vermarktung ein wichtiges wirtschaftliches Standbein zahlreicher Obstbauern darstellt – durchaus ein Thema für den Fachbereich der Wirtschaftsgeographie. „Durch die Vielfalt der Produkte kann so ein Getränk eine wichtige Rolle für die Identität einer ganzen Region einnehmen“, so die Sprecherin der Arbeitsgruppe: „Außerdem haben wir im praktischen Teil des Workshops 14 verschiedene Sorten probiert.“ Wie der aus der Südeifel und dem Trierer Raum stammende „Viez“ bei der Verkostung abgeschnitten hatte, konnte die Studentin jedoch nicht mehr mit Gewissheit sagen.
Das EGEA-Treffen bietet den jungen Geographen aber auch zahlreiche Möglichkeiten zum „Netzwerken“ und zum Austausch mit Vertretern der „angewandten“ Geographie: „Wir kooperieren hier in Gemünd etwa mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, dem Unternehmen ESRI, welches ein weltweit führendes Unternehmen zur Entwicklung von Geoinformationssystemen ist, oder etwa mit der Firma Skyandgroup, die uns einen Einblick geben wird, wie Drohen in verschiedenen Bereichen der Geographie eingesetzt werden können“, so Schweitzer.
Exkursionen führten die Tagungs-Teuílnehmer in die nähere Umgebung
Während die Rehkitz-Rettung als Beispiel für den Einsatz von Wärmebilddrohnen diente, beschäftigte sich eine andere Gruppe von Studenten mit den Möglichkeiten der 3D-Kartographie. Johann Neugebauer, der in Euskirchen aufgewachsen ist und nach seinem Geographiestudium einen Job bei der Firma ESRI annahm, demonstrierte, wie mit der Software der Firma 3D-Karten erstellt werden können.
„Wir haben das am Beispiel eines Vogelkunde-Wanderwegs im Bereich des Urftsees und der Burg Vogelsang im Nationalpark Eifel durchgespielt“, so Neugebauer: „Solche Anwendungen werden auch im touristischen Bereich genutzt, um Wanderrouten oder Mountainbikestrecken schon vor dem Tourenstart erlebbar zu machen.“
Und wie es sich für echte Geographen gehört, standen an den Folgetagen natürlich auch einige Exkursionen auf dem Programm. Die 3D-Eindrücke vom Bildschirm des Rechners konnten die Teilnehmer dann auch bei einer Tour zur Urfttalsperre vertiefen.

