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Tote Äste, PilzbefallWarum die Nationalparkverwaltung in der Eifel Bäume fällen lässt

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Christian Düll ist Baumkontrolleur im Nationalpark Eifel und zeigt Schäden an einer Buche, die mit gelber Sprühfarbe markiert ist und gefällt werden muss.

Auch diese Buche muss weichen: Baumkontrolleur Christian Düll hat einen Pilzbefall infolge der Buchenkomplexerkrankung festgestellt.

Aus Gründen den Verkehrssicherungspflicht werden in diesen Tagen Bäume entlang der Straßen im Nationalpark Eifel gefällt.

Knapp 28 Kilometer öffentlicher Straßen verlaufen durch das Gebiet des Nationalparks Eifel – der überwiegende Teil führt direkt durch Wälder. Und in diesem Grenzbereich zwischen Wildnis und Zivilisation muss die Nationalparkverwaltung die Verkehrssicherheit garantieren. „Aus diesem Grund überprüfen wir regelmäßig, ob entlang der Straßen oder an Wanderparkplätzen im Nationalparkgebiet Gefahren durch tote Äste oder gar ganze Bäume bestehen, die auf die Straßen stürzen könnten“, erklärt Fachbereichsleiter Florian Krumpen.

Am Montag haben nun – wie bereits berichtet – entsprechende Baumfällarbeiten entlang der Bundesstraße 265 zwischen Gemünd und dem Parkplatz Thönnishäuschen begonnen. Arbeiter einer Spezialfirma aus dem Bergischen Land sind mit einem Teleskoplader angerückt, mit dessen Hilfe Bäume gefällt werden, deren tote Äste auf die Straße fallen könnten oder deren Standsicherheit gefährdet ist. „Diese Gefahr besteht speziell bei Bäumen, die nahe an der Hangkante stehen“, erklärt Krumpen: „Die Erosion tut dort ihr Übriges.“

Holz bleibt im Wald: Maschine legt Äste und Bäume auf dem Boden ab

Vorteil des Maschineneinsatzes in dem steilen Gelände entlang der Bundesstraße ist, dass die abgeschnittenen Äste oder Bäume gezielt auf dem Boden abgelegt werden können: Das gesamte Totholz soll nämlich im Wald verbleiben, wo es zu einem neuen Lebensraum für verschiedene Tierarten und Pilze werden kann. „Das gelingt durch den Harvesterkopf mit Säge und Greifer, der an dem Teleskoplader montiert ist“, ergänzt Christian Düll.

Mit einem Teleskoplader, an dem ein Harvesterkopf montiert ist, werden an einem Hang Eichen gefällt.

Mittels eines Teleskopladers, an dem ein Harvesterkopf montiert ist, wurden am Montag im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht entlang der B265 zwischen Gemünd und dem Parkplatz Thönnishäuschen Eichen gefällt. Das Holz wird von der Maschine abgelegt und bleibt im Wald.

Florian Krumpen und Tobias Wiesen tragen gelbe Warnwesten und schauen den Fällarbeiten zu. Krumpen deutet mit dem ausgestreckten Arm in Blickrichtung der beiden Männer.

Machten sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten: Die Fachbereichsleiter Florian Krumpen (l.) und Tobias Wiesen von der Nationalparkverwaltung.

Düll ist Bezirksleiter im Kermeter und außerdem als Baumkontrolleur für die Nationalparkverwaltung im Einsatz. Im Vorfeld der Fällaktion hat er alle Bäume entlang der Straßen begutachtet und die Exemplare markiert, die in den kommenden Tagen im Bereich des Kermeters gefällt werden sollen. „Da, wo es möglich ist, werden nur einzelne Äste entfernt“, so Düll weiter. Auch dies sei durch den Einsatz des Teleskopladers selbst in größeren Höhen möglich.

„Dadurch ergibt sich auch die Möglichkeit, stehendes Totholz im Wald zu belassen, was als Lebensraum nochmals für weitere Arten interessant ist“, erklärt Tobias Wiesen, Leiter des Fachgebiets Besuchermanagement und Kommunikation in der Nationalparkverwaltung.

Bäume entlang der Straßen werden im Sommer und im Winter kontrolliert

Die Kontrollen der Bäume entlang der vier Landes- und drei Bundesstraßen, die durch das Nationalparkgebiet verlaufen, werden abwechselnd im belaubten und unbelaubten Zustand durchgeführt. „Dadurch können verschiedene Schadensbilder besser festgestellt werden“, so Wiesen.

An der L15 oberhalb von Schwammenauel müssen jetzt auch einige größere Buchen gefällt werden. „Diese Bäume sind zum Beispiel von der Buchenkomplexerkrankung befallen“, hat Düll festgestellt. Äußeres Zeichen dafür ist der Schleimfluss, der an Narben, schwarzen Flecken sowie austretender Flüssigkeit erkennbar ist. „Im Inneren schreitet dann die Holzzerstörung voran, wozu Pilzbefall ebenfalls beitragen kann“, so der Experte: „Spätestens dann ist es auch mit der Stabilität vorbei.“

Wozu das führen kann, sei vor einigen Jahren im Bereich des Gemünder Wohnmobilstellplatzes deutlich geworden. „Obwohl wir auch dort   kontrolliert haben, ist damals ein größerer Baum umgestürzt“, erinnert Wiesen an den einzigen ihm bekannten Fall. Dort seien die Schäden von außen nicht erkennbar gewesen. „Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen“, so Wiesen. Umso wichtiger sei es, jetzt im Kermeter die betroffenen Bäume zu fällen. „Obwohl das natürlich niemanden aus dem Nationalpark-Team freut, wenn wir einen groß gewachsenen Laubbaum fällen müssen“, betont Wiesen.