Die beiden Polizeibeamten zeigten viel Einfühlungsvermögen und gaben Tipps, was man tun kann, um besser geschützt zu sein.
Queer EuskirchenVerein lud zum offenen Austausch über Gewalt und Möglichkeiten, sie zu verhindern

Ein reger Austausch in wertschätzender Atmosphäre fand kürzlich zum Thema „Gewalt im Leben queerer Menschen“ in den Räumen von Simons Glück statt.
Copyright: Heike Nickel
Eigentlich sollte an diesem Abend eine Fachkraft des Kölner Vereins Rubicon zum Thema „Gewalt im Leben queerer Menschen“ referieren und über Gewaltprävention im Alltag informieren. Doch leider schlug die Grippewelle zu, und so mussten die Macherinnen und Macher des Vereins Queer Euskirchen improvisieren – eine Fähigkeit, die sie ganz offensichtlich gut beherrschen.
Die Gäste, die in den Begegnungs- und Kulturort Simons Glück auf der Kapellenstraße gekommen waren, durften sich dafür über zwei andere Experten freuen, die spontan übernommen hatten und sich in der Thematik ebenfalls bestens auskennen: der Queer-Beauftragte Polizeihauptkommissar Thomas Claßen und Kriminalhauptkommissarin Yvonne Dederichs, zuständig für Kriminalprävention und Opferschutz bei der Polizeibehörde Euskirchen.
Einige Gäste erzählten sehr persönliche Geschichten
Versprochen wurde ein offener Austausch in geschütztem Raum, in dem jeder „willkommen, geschätzt, gehört und gewollt“ sein sollte. Gemessen an den teils sehr persönlichen Geschichten, die einzelne Personen im Laufe des Abends erzählten, gelang dies auf ganzer Linie.
Viele der Anwesenden berichteten von Unsicherheitsgefühlen im öffentlichen Raum. Nachts allein durch Euskirchen zu gehen, würde man lieber vermeiden. Andere hatten Erfahrungen mit Beleidigungen, Drohbriefen und sexualisierter Gewalt machen müssen.
Wir verstehen uns auch als Brückenbauer, als Beamte, die man bei Bedarf auf Augenhöhe ansprechen kann, denn wir wissen selber, worum es geht.
Yvonne Dederichs und Thomas Claßen zeigten großes Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Sorgen und Ängste der Betroffenen. Auch sprachen sie sich für Hilfsmittel wie Trillerpfeifen oder Taschenalarme aus, mit denen man im Notfall auf sich aufmerksam machen könne und die Täter bestenfalls sogar in die Flucht schlage. Von Pfefferspray, so wirksam es sicherlich sei, rieten sie jedoch ab. Es könne schnell in die Hände des Angreifers geraten und dann gegen einen selber eingesetzt werden, gab Yvonne Dederichs zu bedenken.
Auch die große Wirksamkeit von Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungstrainings wurde besprochen und von den Queer-Euskirchen-Verantwortlichen interessiert aufgegriffen. „Wir hören uns mal um, vielleicht können wir so etwas bei uns anbieten“, sagte der Vorstandsvorsitzende Winfried Kubitza-Simons.
Nachts kann man die Ehrenamtler des Heimwegtelefons anrufen
Eine Person berichtete von ihren positiven Erfahrungen mit dem Heimwegtelefon: Unter Tel. 030/12074182 kann man nachts anrufen, wenn man sich auf dem Heimweg unwohl fühlt. Am anderen Ende sitzt eine ehrenamtlich arbeitende Person, die den Anrufer oder die Anruferin bis nach Hause begleitet.
Die beiden Mitarbeitenden der Polizeibehörde beantworteten an diesem Abend zugewandt und geduldig viele Fragen und gaben fundierte Ratschläge. „Wir verstehen uns auch als Brückenbauer, als Beamte, die man bei Bedarf auf Augenhöhe ansprechen kann, denn wir wissen selber, worum es geht“, sagte Thomas Claßen über seine Aufgabe als Queer-Beauftragter, die ihn in erster Linie zum Ansprechpartner innerhalb der Behörde macht, gleichzeitig aber auch für queere Menschen aus der Bürgerschaft qualifiziert.
Und auch am 16. Mai wird die Polizei wieder mit dabei sein – als Ordnungshüter wie auch als Ansprechpartner für alle Interessierten. Unter dem Motto „Wir kommen in Frieden und wir bleiben!“ findet dann nämlich die CSD-Parade in Euskirchen statt, in deren Vorfeld sich der Klosterplatz in einen Ort der queeren Sichtbarkeit, Solidarität und Vielfalt verwandeln wird. Mit Bühnenprogramm und zahlreichen Infoständen, darunter auch dem der Polizei.

