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KabarettIngrid Kühne im Euskirchener Stadttheater – Witze über festmontierte Deckel

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Ingrid Kühne bei ihrer Darbietung auf der Bühne.

Erfreute das Publikum im Euskirchener Stadttheater mit ihrer speziellen Sicht auf die Dinge: die Kabarettistin Ingrid Kühne

Die Kabarettistin Ingrid Kühne nahm das Publikum im Stadttheater mit zu einer humorvollen Betrachtung der kleinen Ärgernisse des Alltags.

Ein Blick auf das aktuelle Weltgeschehen bietet derzeit häufig nur wenig Anlass zur Freude. „Man muss nur die Nachrichten einschalten und fragt sich dann: Darf man in so einer Zeit überhaupt lachen“, richtete sich Kabarettistin Ingrid Kühne an ihr Publikum im voll besetzten Euskirchener Stadttheater. Die Antwort lieferte sie gleich darauf selbst: „Ganz besonders jetzt müssen wir uns ab und zu Zeit für Humor nehmen. Denn ich bin immer noch der Meinung, dass Humor die beste Medizin ist.“ Diesem Motto folgend sollten die Zuschauer für einen Abend ihre Sorgen hinter sich lassen und in vergnüglichen Alltagsgeschichten abtauchen.

Seit Dezember des vergangenen Jahres hat Ingrid Kühne nicht mehr mit ihrem aktuellen Programm „Ja, aber ohne mich“ auf der Bühne gestanden. „Nach so langer Pause bin ich sehr glücklich, hier in Euskirchen wieder anfangen zu können“, schwärmte die Kabarettistin. Schließlich habe ihr erst wenige Tage zuvor ein Bühnenkollege bestätigt, dass in der Kreisstadt mit das beste Publikum Europas zu finden sei. Nach so viel Lob war das Wohlwollen der Gäste schnell bei der Frau vom Niederrhein. Aufgewachsen in einem Haushalt, in dem bereits ihre Eltern dem Humor einen sehr hohen Stellenwert eingeräumt hätten, habe sie früh die unterschiedlichen Feinheiten schätzen gelernt.

Mutter von Ingrid Kühne war Büttenrednerin

„Meine Mutter war selbst Büttenrednerin und hat mich immer dazu motiviert, auf die Bühne zu gehen.“ Ihr Vater hingegen habe eine deutlich subtilere Form des Frohsinns an den Tag gelegt. Er habe auf die Frage, ob er eher Optimist oder Pessimist sei, also ob das Glas aus seiner Sicht eher halb voll oder halb leer sei, sehr überraschend geantwortet. „Er meinte nur ganz trocken: Ich frage mich, warum unter dem Glas kein Untersetzer ist.“

Selbst kleinste Dinge im alltäglichen Leben können auch für Ingrid Kühne Anstoß für Ärger sein. Schon die Aufteilung des Jahres in 365 Tage und unterschiedlich lange Monate bietet der Kabarettistin Grundlage zur Diskussion. „Wer hat sich das nur ausgedacht?“ Das habe sie sich auch bei der Einführung der an der Trinkflasche befestigten Deckel gefragt: „Ich bin mittlerweile der Meinung, in dem Deckel sind kleine Sensoren versteckt. Die prüfen dann, was man die letzten 14 Tage gegessen hat, und machen Zahnpasta daraus.“

Nicht verlernen, über sich selbst zu lachen

Auch der ökologische Aspekt, bei dem sichergestellt werden soll, dass der Deckel nicht verloren geht und als Müll endet, sondern mit der Flasche recycelt wird, verliere schnell seinen Sinn angesichts der Unmenge an zusätzlichen Waschmaschinenladungen, die bei der durch den festen Deckel verursachten Kleckerei entstünden.

„Ich sehe aus wie ein Schwein“, habe sie beim letzten Missgeschick geschimpft und daraufhin von ihrem Mann zusätzlich den augenzwinkernden Kommentar geerntet: „Ja, und bekleckert hast du dich auch noch.“

Auch der gut gemeinte Rat, sich nicht ständig über Dinge aufzuregen, die man doch nicht ändern könne, habe ihr eher das Gegenteil und dem Gatten den schlagfertigen Konter „Hast du dich schon mal Fußball schauen gesehen?“ eingebracht.

Mit Situationen, wie  eine in der Küche fehlende Zutat holen zu wollen und schon auf dem Weg in den Keller vergessen zu haben, welches Gericht man gerade überhaupt koche, gab Ingrid Kühne einen humorvollen Einblick in ihren Alltag, in dem sich auch viele Anwesende häufig selbst wiederzuerkennen schienen. Bei all dem Ärger, den solche alltäglichen Ereignisse mit sich bringen, sei es daher umso wichtiger, niemals zu verlernen, über sich selbst lachen zu können. Und sich immer wieder Zeit für ein wenig Heiterkeit zu nehmen. Ganz so, wie es den Zuschauern im Euskirchener Stadttheater bei dem Bühnenprogramm „Ja, aber ohne mich“ für zwei Stunden gelang.