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„Abos“ für HäftlingeBeamte der JVA Euskirchen sollen Warnungen verkauft haben

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Das Bild zeigt zeigt zahlreiche Einsatzfahrzeuge am Erlenhof in Euskirchen.

Durchsuchungen und Ermittlungen an der JVA Euskirchen: 210 Einkräfte waren im Einsatz. Im Verdacht stehen mindestens sieben männliche Justizvollzugsbeamte, Vorteile als Gegenleistung angenommen zu haben.

In der JVA Euskirchen sollen Beamte Häftlingen Abos für Warnungen vor Razzien und fiktive Wohnsitze angeboten haben.

Die Anschuldigungen gegen Bedienstete der Justizvollzugsanstalt Euskirchen nehmen zu. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, Gefangenen neben Vorwarnungen auch fiktive Wohnsitze verschafft zu haben.

Neue Einzelheiten kommen im Bestechungsskandal um die Justizvollzugsanstalt (JVA) Euskirchen ans Licht. Informationen der dpa zufolge wird den verdächtigen Beamten zur Last gelegt, Insassen förmliche Abonnements für Vorwarnungen bei Durchsuchungen unterbreitet zu haben. Darüber hinaus wird vermutet, dass sie Gefangene unter Verwendung fiktiver Adressen gezielt in ihre Einrichtung schleusten.

Laut den Untersuchungen sollen die Bediensteten den Inhaftierten Anmeldeadressen sowie fingierte Arbeitsplätze im Umkreis von Euskirchen verschafft haben. Dadurch wurde es den betreffenden Personen möglich, ihre Haft in der lokalen JVA zu verbüßen. Die Ermittlungsbehörden sehen darin einen Beweis für die organisierte Struktur des vermuteten Korruptionsnetzwerks. Dies ist relevant, da die JVA Euskirchen hauptsächlich Gefangene im offenen Vollzug aufnimmt, was einen Wohnsitz oder eine Arbeitsstelle in der Umgebung als wesentliche Voraussetzung erfordert.

Monatliche Zahlungen für „Abonnements“

Zu diesen neuen Erkenntnissen gab die Staatsanwaltschaft Bonn vorerst keine Stellungnahme ab. Allerdings beabsichtigt Justizminister Benjamin Limbach (Grüne), am Dienstag den Rechtsausschuss des Landtags im Rahmen einer Sondersitzung über den derzeitigen Ermittlungsstand in Kenntnis zu setzen.

Dabei werden voraussichtlich auch die erwähnten „Abos“ zur Sprache kommen. Laut den Vorwürfen wurde den Insassen für einen geringen dreistelligen monatlichen Betrag versprochen, sie etwa vor Razzien in ihren Zellen zu benachrichtigen. Derartige Kontrollen werden routinemäßig durchgeführt, um beispielsweise Betäubungsmittel aufzuspüren.

Acht Justizbeamte im Fokus der Ermittler

Aufgrund des Korruptionsverdachts gegen Anstaltsmitarbeiter durchkämmte ein großes Polizeikontingent am Mittwochmorgen Bereiche der JVA Euskirchen und diverse Wohnobjekte. Im Zentrum der Untersuchungen stehen vor allem sieben männliche Bedienstete der Justizvollzugsanstalt im Alter von 37 bis 58 Jahren.

Darüber hinaus wird laut Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft auch gegen eine 39 Jahre alte Beamtin und drei frühere Insassen der JVA im Alter von 30, 35 sowie 49 Jahren investigiert. Die beschuldigten Beamten sollen für die Gewährung von Vollzugslockerungen Vergünstigungen erhalten haben.

Fund eines Mobiltelefons löste Ermittlungen aus

Vorangegangen waren den Durchsuchungen mehrmonatige Untersuchungen durch die Ermittlungsgruppe „Anstalt“ der Polizei in Bonn. Der Auslöser war nach Aussage eines Sprechers der Anklagebehörde ein Handy, welches Ende 2022 im Zuge eines Verfahrens zu Drogenvergehen konfisziert worden war. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.