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„Zu verkaufen“Schloss in der Eifel existiert überhaupt nicht – Auch „Luxusvilla“ gibt es nicht

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Eine Frau steht auf einem Pfad über den Dächern der Altstadt von Monschau in der Eifel (Symbolfoto).

Eine Frau steht auf einem Pfad über den Dächern der Altstadt von Monschau in der Eifel (Symbolfoto).

Auch Burg „Falkenruh“ bei Cochem oder eine verlassene Luxusvilla bei Aachen werden zum Verkauf angeboten – dabei gibt es sie nicht.

Ein „verlassenes Märchenschloss“ in der Eifel, eine Burg, die „verwunschen über der Mosel thront“, oder eine „verlassene Luxusvilla mit geheimem Bodenfach“ in Aachen: Es sind nur einige der angeblichen Schnäppchen aus der Region im Großraum Köln, die derzeit in den sozialen Netzwerken angepriesen werden. Doch die angeblichen Schnäppchen entpuppen sich als dreister KI-Fake.

Das verlassene Märchenschloss in Monschau in der Eifel sei demnach bereits im 16. Jahrhundert erbaut worden. Eine Luftaufnahme zeigt eine imposante Anlage mit mehreren Türmen und einem Festungswall. Das täuschend echt wirkende Video führt sogar ins Innere der Burg. Zu träumerischer Klaviermusik schwebt die Kamera durch die hohen Räume. Weinfässer stehen herum, auf einem Tisch liegen alte Papiere um einen Kerzenleuchter. Sogar eine eigene Kirche scheint das Schloss zu haben. Die Bänke sind verstaubt, doch durch die bunten Fenster strömt das Licht freundlich herein.

„Verlassenes Märchenschloss“ bei Monschau in der Eifel ist ein Fake

Das verlassene Märchenschloss mit über 2800 Quadratmetern in der Eifel wird demnach für schlappe 49.000 Euro angeboten. Das klingt zu schön, um wahr zu sein – und ist es leider auch. Denn das Video ist nicht nur KI-generiert, das Schloss existiert überhaupt nicht.

Ein anderes Instagram-Reel zeigt Burg Falkenruh, die angeblich bei Cochem in Rheinland-Pfalz „verwunschen über der Mosel thront“. Wieder führt ein Video exklusiv durch den verlassenen Ort „zwischen Romantik und Verfall“. Türme, Säle und ein geheimer Tunnel warten angeblich darauf, wiederentdeckt zu werden.

In Aachen steht unterdessen eine „verlassene Luxusvilla“ zum Verkauf – zumindest, wenn man dem Video in den sozialen Netzwerken traut. Für schlappe 90.000 Euro stehen hier demnach 1350 Quadratmeter zur Verfügung. Das prunkvolle Anwesen aus dem 19. Jahrhundert hat sogar einen eigenen Brunnen, einen Tanzsaal sowie eine Bibliothek. Der Clou: Unter einer Bodendiele ist ein Geheimversteck mit einer kleinen Schatztruhe verborgen.

Burg „Falkenruh“ bei Cochem existiert überhaupt nicht

Doch nicht nur die Verkaufsanzeigen für diese und weitere Inserate sind nicht echt, die Burgen, Schlösser, Boote oder Leuchttürme, die hier angeboten werden, existieren allesamt überhaupt nicht. Von Burg „Falkenruh“ bei Cochem etwa hat weder der amtierende Bürgermeister noch die Deutsche Burgenvereinigung jemals etwas gehört.

Doch nicht nur die völlig unrealistischen Kaufpreise für die herrschaftlichen Immobilien machen stutzig, auch in den Videos sind einige Ungereimtheiten zu erkennen. Wenn die Burg schon so lange verlassen ist, warum hängt im Tanzsaal immer noch ein großer Spiegel? Warum ist das Bett im Schlafgemach zerwühlt, als habe hier gerade noch jemand geschlafen?

Auch bei dem Schloss in der Eifel sind merkwürdige Details zu sehen, wie etwa die Einbauküche aus Furnierholz. Zudem fällt auf: Trotz der dicken Staubschicht sind alle Fenster offenbar noch tadellos. Nicht zuletzt fragt man sich, wer wohl der oder die Verkäufer der Immobilien sein soll, sind diese doch verlassen. Nach einem Link oder einem Hinweis sucht man jedoch vergebens.

Videos mit Skepsis konsumieren – „Kann das echt sein, ja oder nein?“

Fake-Videos wie solche sind allerdings nicht gleich automatisch verboten. „Sie werden erst problematisch, sobald sie Rechte anderer verletzen“, sagt Marvin Pawelczyk vom Digital-Branchenverband Bitkom in Berlin. Kommt eine Täuschungsabsicht hinzu, etwa auch bei gefälschten Sprachnachrichten, um Geld zu erschleichen, oder bei erfundenen, ehrverletzenden Zitaten von Politikerinnen und Politikern, kann das auch strafbar sein – etwa als Beleidigung, Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre oder Betrug.

In den vorliegenden KI-Videos geht es womöglich gar nicht darum, Kaufpreise von Userinnen und Usern abzukassieren. „Es geht darum, Leute auf der Plattform zu halten, neugierig zu machen, die Verweildauer und Klickraten zu erhöhen, das ist da eher im Fokus“, erklärt Bernd Zimmermann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Koblenz, gegenüber dem SWR.

„Man muss sich immer fragen: Ist das realistisch, was dort angeboten wird? Kann das echt sein, ja oder nein?“, meint Zimmermann. Angesichts von immer besser werdender Technik appelliert er beim Konsum von Internetvideos zur Skepsis: „Das muss ein natürlicher Reflex sein. Das hab' ich ja auch, wenn ich mit meiner Nachbarin spreche und denke: Das kann eigentlich nicht stimmen.“