Bei einer Projektwoche lernen Schülerinnen und Schüler in Zülpich, sich gegen die Beeinflussung durch soziale Netzwerke zu behaupten.
Vorbild Donald TrumpZülpicher Jugendliche setzen sich mit Gefahren auf Social Media auseinander

Was ist KI und was nicht? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler während der Projektwoche.
Copyright: Julia Reuß
Es klingelt zum Ende der Pause, der Klassenraum füllt sich langsam. Kaum sitzen die Jugendlichen an ihren Plätzen, ziehen sie Handys und Tablets hervor, scrollen, wischen und tippen. „Die Jugendlichen konsumieren Social Media ganz anders als wir“, sagt Inga Hülshoff vom Verein „music4everybody!“, der in dieser Woche eine Projektwoche in der Jahrgangsstufe 8 an der Hauptschule Zülpich durchführt. Thema: Social Media und wie die Inhalte Nutzerinnen und Nutzer beeinflussen.
Die Jugendlichen zappten oftmals in schneller Geschwindigkeit durch das Angebot an Videos und Reels auf TikTok, Instagram, Snapchat und Youtube, berichtet Hülshoff weiter. Sie leitet die Mediengruppe der Projektwoche und schaut sich gemeinsam mit den Jugendlichen etwas genauer an, was das eigentlich für Videos und Bilder sind, die sie täglich sehen und auch welche Strategien sich dahinter verbergen können.
Jugendliche bekommen von Gags bis Propaganda alles angezeigt
Und da sei wirklich alles dabei: Harmlose Gags und Werbefilmchen, aber auch rassistische Inhalte, politische Propaganda, Witze über sexualisierte Gewalt, Bilder und Videos aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. All das prassele tagtäglich auf die 14- bis 15-Jährigen ein, sagt Hülshoff. Ungefiltert. „Und das wird einfach nirgendwo eingefangen.“ Sowohl zu Hause als auch in der Schule mangele es dafür an Zeit und Medienkompetenz.
Die Projektwoche soll da Abhilfe schaffen. Auch wenn eine Woche alleine dafür nicht ausreiche, betont die Projektleiterin Nadine Cherubini. „Es geht darum, die Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden“, formuliert sie den eigenen Anspruch an die Projektwoche.

Wollen Jugendliche im Umgang mit sozialen Netzwerken stärken: Nadine Cherubini (links) und Inga Hülshoff.
Copyright: Julia Reuß
Konkret erarbeiten die etwa 50 Jugendlichen eine gemeinsame Aufführung. Ein Theaterstück mit Gesang und Tanz, indem eine Regierung die eigene Bevölkerung mithilfe einer speziellen Droge gefügig macht, die als Produkt von Influencerinnen angepriesen und verkauft wird. Die Influencerinnen kommen dem Spiel der bösen Machthaberin allerdings auf die Schliche, und gemeinsam mit einer Erfinderin gelingt es ihnen, sie zu stürzen und das manipulative System abzuschaffen.
Dnald Trump als Vorbild für die böse Herscherin
Die Jugendlichen haben sich für die Erarbeitung dieser Aufführung in vier Gruppen eingeteilt: Tanz, Gesang, Schauspiel und Medien. Für die Hauptrollen Bösewichtin und Erfinderin haben sich Annalena und Joelina gemeldet. Beide lieben das Schauspiel und finden es toll, dass sie bei der Projektwoche auch das Stück selbst gestalten dürfen. Annalena hat sich für ihre Rolle dabei eine sehr aktuelle Vorlage gesucht: Donald Trump. „Weil er immer so tut, als ob er Frieden will, aber am Ende fängt er Kriege an“, erklärt sie.
Die beiden Mädchen wissen um die Scheinheiligkeit in den Sozialen Netzwerken. So kennen sie Beispiele von online angepriesenen Pflegeprodukten, die von sehr schlechter Qualität waren. Ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche halten sie trotzdem für falsch, besser wäre es, die Inhalte stärker zu regulieren. Für die 14-jährige Emily hingegen wäre ein Verbot kein Problem – sie hat schon jetzt keine eigenen Accounts. Sie vermisst das nicht. „Nur manchmal, weil dann alle an ihren Handys hängen und ich gar nichts machen kann“, sagt sie.
Politischer Subtext auf Social Media ist nicht immer eindeutig
In der Projektwoche hat sie nun Gelegenheit, einmal in die Rolle der Influencerin zu schlüpfen. Als Teilnehmerin der Mediengruppe bei Inga Hülshoff erstellt sie gemeinsam mit den anderen in ihrer Gruppe Videos und Social-Media-Inhalte, die dann bei der Aufführung ins Theaterstück eingeflochten werden.
Die Videos zu drehen, mache den Jugendlichen viel Spaß, berichtet Hülshoff. „Und sie machen das wirklich gut“, betont sie. Mit zur Gruppe gehören auch Dominik und Michael. Den beiden 14-Jährigen hat vor allem die Aufgabe gefallen, bei der sie herausfinden mussten, ob Videos mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz hergestellt wurden. Sie wussten schon vorher, dass online nicht immer alles ist, wie es scheint, sagen sie. Doch durch die Projektwoche haben sie noch mehr dazugelernt.
„Alles, was politisch ist, ist für die Jugendlichen noch schwer zu greifen“, sagt Hülshoff. Schließlich gehe es bei vielen Videos um den Sub- und Kontext und der sei den 14- bis 15-Jährigen oft nicht bekannt. „Und gleichzeitig ist da eine große Unsicherheit“, so Hülshoff weiter. Eine Schülerin habe beispielsweise gesagt, sie werde später nicht wählen gehen. Schließlich könne man ja gar nicht genau sagen, was wahr und was gelogen sei und welche Parteien demokratisch agierten.
Hülshoff versucht, ihr und den anderen Jugendlichen mehr Sicherheit im Umgang mit Social-Media-Inhalten zu geben. Auch wenn es nur eine Projektwoche ist.
Aufführung am Ende der Woche
Die Projektwoche an der Hauptschule in Zülpich findet im Rahmen des Projekts „Youth4Change – Celebrating Diversity “ statt, ein dreijähriges, integratives Medien- und Kulturprojekt für Toleranz und Vielfalt in der Zülpicher Börde. Es wird gefördert vom Land und der Europäischen Union. Zudem unterstützen die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, die Marga und Walter Boll-Stiftung, die Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen sowie die Sozialstiftung der Kreissparkasse Köln durch weitere Fördermittel.
„Nie genug – wer zahlt den Preis?“ lautet der Titel der Abschlussperformance zur Projektwoche der Jahrgangsstufe 8 der Hauptschule Zülpich. Die Aufführung findet am Freitag, 6. März, im Forum statt. Los geht es um 11.45 Uhr, der Eintritt ist frei, aber es wird um eine Online-Anmeldung gebeten.

