Auf dem Klepperhof in Zülpich-Langendorf gehen an manchen Tagen bis zu 50 Anfragen ein, ob der Hof noch Pferde aufnehmen kann.
Hohe KostenImmer mehr Halter geben Pferde ab – Zülpicher Klepperhof ist an seinen Grenzen

Gut versorgt sind die Pferde im Klepperstall. Doch dort ist der Platz knapp geworden.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Wer sich umhört unter Pferdehaltern, kennt die Klagen. Alles wird teurer: Stallmiete, Futter, Schmied, Reitstunden, Tierarzt. Vor allem der Tierarzt. Seit 2022 die Gebührenordnung (GOT) geändert wurde, sind die Kosten für Untersuchungen und Behandlungen drastisch gestiegen. Für manchen sind die Folgen dramatisch. Viele Besitzer oder Besitzerinnen können sich ihr Pferd einfach nicht mehr leisten.
Nina Aschoff bekommt die Not hautnah mit. Die 37-Jährige ist Gründerin des Klepperstalls in Zülpich-Langendorf – einem Tierheim für Pferde, das von einem Verein getragen wird. „An manchen Tagen bekomme ich telefonisch oder per Mail 50 Anfragen, ob ich ein Pferd aufnehmen kann“, erzählt sie: „Es reißt nicht ab, es wird immer mehr. Und die Menschen sind immer verzweifelter.“
Steigende Lebenshaltungskosten betreffen auch Futter und Haltung
Niemand wisse eine Lösung, sagt Nina Aschoff. Die Lebenshaltungskosten stiegen insgesamt, das schlage sich dann eben auch in Futter- und Haltungskosten nieder. Die erhöhten Tierarztrechnungen seien nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe.
Zum Thema Tierarztkosten hat Dr. Holger Wurthmann naturgemäß eine andere Meinung. Die Gebührenordnung sei über Jahrzehnte nicht an Inflation und steigende Kosten angepasst worden, sagt der Kommerner Tierarzt. Insofern seien die neuen Sätze überfällig gewesen. Und immer noch nicht so hoch, wie sie eigentlich sein müssten.

Nina Aschoff kümmert sich um Pferde, deren Besitzer sie nicht behalten können.
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30 bis 40 Pferde und Ponys stehen auf den Paddocks des Klepperstalls am Ortsrand von Langendorf, weitere sind in Pflegestellen untergebracht. 50 bis 60 Tiere seien es insgesamt, für die Nina Aschoff neue Besitzer sucht, darunter auch solche, die der Kreisveterinär aus schlechter Haltung beschlagnahmt hat. Aschoff stellt klar, dass der Klepperstall kein Gnadenhof ist, sondern wie andere Tierheime funktioniert: mit Vermittlungen an neue Halter.
Und es sind durchaus nicht nur alte oder chronisch kranke Pferde, die bei ihr landen, sondern auch solche, die durchaus noch geritten werden können. Derzeit sei beispielsweise ein Fünfjähriger auf dem Hof, aber auch eine 13-jährige Stute, die voll reitbar sei. Am leichtesten zu vermitteln seien allerdings Beistellpferde, also solche, die nur angeschafft werden, damit ein anderes Pferd nicht allein ist.
Ohne ehrenamtliche Unterstützung geht es nicht
Dass sie viele Pferde nicht aufnehmen kann, macht Nina Aschoff zu schaffen. „Die Menschen dahinter tun mir leid“, sagt sie. Doch die Kapazität des Hofs sei ausgeschöpft: „Ich kann die Pferde ja nicht auf den Dächern stapeln.“
Möglich sei das Tierschutzprojekt ohnehin nur durch den ehrenamtlichen Einsatz der Vereinsmitglieder – rund 150 sind das derzeit – und durch Spenden, auch Zuwendungen von Stiftungen. Allerdings vermisse sie Unterstützung von größeren Vereinigungen oder auch von Prominenten, beklagt die Tierschützerin.
Tierarzt sieht die aktuelle Situation mit Sorge
Die Auswirkungen der Kostenexplosion sieht auch der Tierarzt mit Sorge. Viele Pferdebesitzer – zum überwiegenden Teil sind es Besitzerinnen – sparten an der Vorsorge oder ließen ihre Tiere zu spät behandeln. Wenn ein Pferd am Freitagabend Krankheitssymptome zeige, werde oft erst montags der Arzt gerufen, um die Wochenendzuschläge zu sparen. „Dann hat das Tier drei Tage lang gelitten“, sagt Wurthmann. Wer Wurmkuren oder Impfungen ausfallen lasse oder auch die jährliche Zahnkontrolle, müsse mit höheren Folgekosten rechnen.
Es bedarf einer Berechtigung, um ein Tier zu euthanasieren. Rein wirtschaftliche Argumente reichen da nicht.
Wohin aber mit dem Pferd, wenn man es sich schlicht nicht mehrleisten kann? Und wenn der Klepperstall keinen Platz hat? Einschläfern ist jedenfalls keine Option, erklärt der Tierarz:. „Es bedarf einer Berechtigung, um ein Tier zu euthanasieren. Rein wirtschaftliche Argumente reichen da nicht.“ Ein großer Teil der Reitpferde könne auch nicht geschlachtet werden, weil das im Equidenpass eingetragen ist. Nur dann können sie bestimmte Medikamente bekommen, die aber die spätere Nutzung als Lebensmittel ausschließen.
Dass die Reiterwelt sich grundlegend wandelt, sehen beide, der Tierarzt wie die Tierschützerin. Und beide blicken pragmatisch darauf. „Seit dem Zweiten Weltkrieg waren Pferde eigentlich ein Luxusgut“, konstatiert Holger Wurthmann. Es gebe viel zu viele Pferde, findet Nina Aschoff. Aber die, die da seien, müssten die Chance auf ein artgerechtes Leben haben.
Dass sie selbst ihr Leben dem Projekt Klepperstall widmen würde, sei ihr anfangs nicht klar gewesen, erzählt sie. Vor 15 Jahren hat sie den Hof gekauft, um einen ganz normalen Reitstall zu betreiben. „Da habe ich die Kehrseite des Pferdesports kennengelernt“, sagt Aschoff. Die Gründung des Vereins sei eine Idee in geselliger Runde gewesen. „Manchmal frage ich mich schon, warum ich das angefangen habe“, sinniert die 37-Jährige. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Weil es ihr Lebens- und Herzensprojekt ist.
