Die belgische Compagnie Be Flat verwandelt das Forum Studio mit „Double You“ in ein Zirkusprojekt.
„Double You“Viele Versionen eines Zirkusabends in Leverkusen

Die belgische Compagnie Be Flat verwandelt das Forum Studio mit „Double You“ in ein Experiment aus Akrobatik und Rhythmus
Copyright: Timon Brombach
Schon vor der ersten Bewegung beginnt der Abend im Forum Studio als Experiment. Das Publikum wird getrennt, von zwei Seiten in den Raum geführt und auf gegenüberliegenden Tribünen platziert, die sich zunächst nicht sehen können. Was folgt, ist eine Stunde zeitgenössischer Zirkuskunst.
Zwischen den beiden Tribünen erhebt sich ein rätselhafter Aufbau mit Schattenleinwand, Seilen, Stangen und Konstruktionen, deren Sinn sich erst im Laufe des Abends erschließt. Die Performer der belgischen Compagnie Be Flat beginnen scheinbar beiläufig: Sie laufen um den Aufbau, balancieren eine Trompete auf dem Kopf, stampfen erste Rhythmen in den Boden. Dann erklingt Gelächter von der anderen Seite, ein Raunen, ein Applaus – Ereignisse, die man selbst nicht sehen kann. Genau daraus entsteht die eigentliche Dramaturgie: Jede Zuschauerin und jeder Zuschauer erlebt eine andere Version desselben Abends. Die Inszenierung macht das Publikum zum Teil ihres Experiments über Wahrnehmung und Perspektive.
Virtuosität hinter spielerischem Chaos
Was zunächst wie ein anarchisches Spiel wirkt, entwickelt sich allmählich zu einer präzisen Choreografie aus Körpern, Geräuschen und Bewegungen. Die Schattenleinwand verwandelt sich plötzlich in ein Segel, an dem geklettert wird, ihre obere Schnur wird zum Drahtseil. Ein Darsteller rutscht auf dem Bauch darüber hinweg, während andere rhythmisch auf nackte Oberkörper schlagen und daraus einen pulsierenden Beat formen. In rasendem Tempo kreuzen sich Wege, springen Körper, fliegen kleine Requisiten durch den Raum. Das scheinbare Chaos entpuppt sich als fein abgestimmte Artistik, die Virtuosität hinter Humor und Leichtigkeit verbirgt.
Das Publikum reagiert mit ständigem Kichern, mit Staunen und Applaus – ein Zeichen dafür, dass dieses ungewöhnliche Format direkt zündet. „Double You“ zeigt, wie lebendig sich Theaterformen verändern können, wenn sie ihre eigenen Regeln infrage stellen. Zirkus, Performance, Musik und absurdes Spiel greifen ineinander wie Zahnräder einer großen Spielmaschine. Am Ende bleibt weniger eine einzelne Szene im Gedächtnis als das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Experiments gewesen zu sein – eines Abends, der beweist, dass Kunst immer dann am spannendsten wird, wenn sie das Publikum wirklich neugierig macht.


