Im Sommer macht der Sportartikelhändler Decathlon den Anfang in der 20.000 Quadratmeter großen Immobilie.
CityNur noch wenige Mieter fehlen für den Ex-Kaufhof in Leverkusen

Die Fassade des früheren Kaufhofs wird gedämmt und aufgearbeitet. Das war günstiger, sagt Björn Krischick von der städtischen Leverkusener Immobiliengesellschaft.
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Am Ende werden rund 26 Millionen Euro investiert sein: knapp elf für den Kauf, weitere 15 für Sanierung und Umbau. Der frühere Kaufhof ist einfach viel zu wichtig für Wiesdorfs ohnehin darbende City, als dass man die Immobilie sich selbst überlassen konnte. Oder dem Markt. Stattdessen wurde der städtischen Tochterfirma für knifflige Bauaufgaben, der Leverkusener Immobiliengesellschaft, eine Untergesellschaft spendiert, deren einzige Aufgabe darin besteht, den Bau mit seinen rund 20.000 Quadratmetern Fläche wieder zu einem Mittelpunkt für Handel und Wandel in Wiesdorf zu machen.
Ein Job, den sich Levi-Geschäftsführer Björn Krischick einfacher vorgestellt hatte: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir so viel Man- und Womenpower aufwenden müssen“, sagte er am Donnerstag auf einem Rundgang durch das Haus, das seit rund eineinhalb Jahren unter dem Namen „Corner 82“ vermarktet wird.
Denn es gab einerseits diverse Überraschungen bei der Renovierung des inzwischen rund 60 Jahre alten Gebäudes: Asbest wurde in den Aufzugsschächten gefunden, PCB in der früheren Kantine, im Dach drohten Risse, die Lüftung musste komplett und die Sprinkleranlage in Teilen ausgetauscht werden. Kurzum: „Die Technische Gebäudeausstattung ist praktisch neu.“ Das Dach mit seinen rund 3800 Quadratmetern Fläche hat jetzt erstmals überhaupt eine Dämmung, und die ist dann auch gleich auf dem neuesten Stand: doppelte Isolierung, darüber eine Schüttung, die begrünt werden kann. Das lädt zu Urban Gardening mitten in der City ein. Ob es dazu kommt, ist aus Krischicks Sicht indes ungewisser als die Vollvermietung der Immobilie.
Ende des Jahres wollen wir uns um andere Dinge kümmern
Damit soll die Levi in absehbarer Zeit fertig werden. „Ende des Jahres wollen wir uns um andere Dinge kümmern“, ist Krischicks Ansage. Tatsächlich sind große Teile vermietet, auch wenn Antonia Rolof, die sich bei der Levi derzeit hauptsächlich um das aufgegebene Kaufhaus kümmert, mit Namen vorsichtig sein muss. Im Erdgeschoss wird ein Lebensmitteldiscounter rund 1400 Quadratmeter anmieten, ein weiterer Einzelhändler rund 1200. Auch da ist der Mietvertrag noch nicht unterzeichnet, aber fest verabredet. Das Geschäft bekommt einen neuen Eingang in den Luminaden. Denn auch die Ladenpassage soll möglichst viel vom neuen Leben im Ex-Kaufhof haben. Sie kann es gebrauchen.
An der Ecke Wiesdorfer Platz/Nobelstraße stellen sich Rolof und Krischick eine Gastronomie vor. 850 Quadratmeter müssen aber auch erst einmal bespielt werden – dafür findet sich so schnell niemand aus der kriselnden Branche, mussten die Vermieter feststellen. Eine weitere Filetfläche an der Gebäudeflanke zu den Luminaden musste die Levi „opfern“: 265 Quadratmeter groß wird der Eingangsbereich von Cosmo Sports. Das Unternehmen wird auf 4500 Quadratmetern im Untergeschoss 16 Bowlingbahnen betreiben, außerdem eine kleine Indoor-Minigolfanlage, Dartscheiben aufhängen, Billardtische aufstellen und einen Bereich dem seltsamen Vergnügen Axtwerfen reservieren. Dass ein derart weitgefächertes Angebot ein attraktives Entrée braucht und das nur im Parterre sein kann, ist einsichtig.
Problemfall Kellergeschoss
Den dunklen Untergrund bis auf einen rund 1000 Quadratmeter großen Lagerbereich vermietet zu haben, hat man bei der Levi ziemlich gefeiert: So eine Fläche ist schon wegen der Lage problematisch. Und wenn dann noch alle paar Meter Betonstützen im Weg stehen, wird es erst recht schwierig.
Schwierig war es aber auch, nach dem Kaufhof-Aus und dem abrupt durch Insolvenz beendeten Intermezzo der Aachener Modekette einen Anfang zu finden. Die Expansionsoffensive des französischen Sportartikelhändlers Decathlon in deutsche Innenstädte hat der Levi sehr geholfen. Decathlon ist Ankermieter; die 3700 Quadratmeter nebst Terrasse im ersten Stock sollen auch den Neubeginn der „Corner 82“ markieren. Aber auch die Decathlon-Leute wussten um die Bedeutung ihrer Ansiedlung, lässt Levi-Chef Krischick anklingen. Am Donnerstag spricht er „von den härtesten Mietverhandlungen, die ich je hatte“.
Bleiben rund 1000 Quadratmeter neben Decathlon, die zur Wöhlerstraße orientiert sind. Da wird noch gesucht – immerhin gibt es dort ein Fensterband. Die gute Belichtung eine Etage drüber hat die Kette Fit-X überzeugt: 2500 weitere Quadratmeter sind somit vermietet. Und auch den Rest dieser Etage kann Antonia Rolof jetzt abhaken, berichtet sie. Eine republikweit aktive Fachschule für künftige Physio- und Ergotherapeuten wird sich dort ansiedeln – und unter anderem von einem architektonischen Kleinod profitieren, das in der Kaufhof-Ära versteckt war: ein kleines Atrium, in dem ein Bäumchen steht.
Am Gesicht des die City prägenden Gebäudes wird sich auf den ersten Blick nicht viel ändern: Die weißen Leichtmetallplatten werden lediglich aufgearbeitet, die neue Fassadendämmung verschwindet dahinter. Auf den ersten Blick erkennbar ist der gläserne Aufzug am Eingang der Luminaden. Er ergänzt die Freitreppe auf die künftige Decathlon-Terrasse. Die soll – so wünschen sich alle – eine besondere Attraktion werden. Die von immer mehr Leerstand geplagte Wiesdorfer City kann es gebrauchen. Dann wären die 26 Millionen doch gut angelegt.

