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Ehepaar schließt GaststätteIn Engelskirchen gibt’s ein ganzes Resturant im Räumungsverkauf

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Trennen sich von allem, was zum Hardter Hof gehört: Das Gastwirte-Paar Liberata und Kristijan Palić hat in der Engelskirchener Ortschaft Hardt ein Traditionsgasthaus aufgegeben. Jetzt ist Räumungsverkauf.

Trennen sich von allem, was zum Hardter Hof gehört: Das Gastwirte-Paar Liberata und Kristijan Palić hat in der Engelskirchener Ortschaft Hardt ein Traditionsgasthaus aufgegeben. Jetzt ist Räumungsverkauf.

Liberata Palić und ihr Ehemann Kristijan haben sich von (fast) allem getrennt, was zum 1904 errichteten Hardter Hof gehört. Alles ist raus.

Der Engel bleibt, er zieht um. Da gibts für Liberata Palić kein Verhandeln. So viele Jahre ist die Leuchtfigur am Hardter Hof im Engelskirchener Ortsteil Hardt in der Weihnachtszeit erstrahlt – und das wird der Engel auch weiterhin tun, allerdings an einem anderen Ort. Liberata Palić und ihr Ehemann Kristijan haben Ende September bereits das Traditionsgasthaus an der Olpener Straße geschlossen, jetzt wollen sie die Immobilie, Baujahr 1904, verkaufen. Doch bevor auch das Gebäude auf den Markt kommt, muss alles raus, was eben zur Gastronomie gehört.

Am Sonntag (22. Februar 2026) hat das Ehepaar zum ersten Mal zum Räumungsverkauf eingeladen – und spätestens am Montag sollte gehen, was noch da ist. Doch dazu kommt es heute nicht mehr: Ausverkauft! „Traurig sind wir nicht: Wir haben die Reißleine gezogen, bevor es richtig aussichtslos wird“, sagt die 47 Jahre Palić, die in Nümbrechter Parkhotel Restaurantfachfrau gelernt hat und seit vergangenem November nun als stellvertretende Serviceleiterin in einem Kölner Seniorenstift arbeitet.

Engelskirchener Ehepaar zieht die Reißleine, „bevor es richtig aussichtslos wird“

Die immens steigenden Kosten fürs Personal, zehn Mitarbeitende hatten dort ihren Arbeitsplatz, und für die Ware, zudem die harte Konkurrenz mit dem Brauhaus „Gleis 1“ in der Mitte Engelskirchens und bald auch durch die Gastronomie im Ründerother Bahnhof, hätten ihnen auch noch den letzten Mut genommen, schildert Liberata Palić.

In den Räumen ist ausgebreitet, was eben zu einem solchen Restaurant gehört: Tischwäsche stapelt sich, dazu Sonder-Speisekarten im Porzellanständer, der Bauernstutzen trifft auf den Rittmeister-Stamper. Gläser sind der größte Posten. „Das meiste aus der Küche war schon vorher weg, bis auf den Geschirrspüler“, sagt Kristijan Palić (44). Im Wiehler Hotel zur Post hat er den Beruf des Kochs erlernt, ab Mai arbeitet er in der Produktion von Imbiss Klotz in Gummersbach.

Allein die Muschelschalen sind bis zum Ausverkauf in Engelskirchen reserviert

Von seinen Eltern, Josip und Katica Palić, hat das Paar den Hardter Hof im März 2012 übernommen. Besonders bitter: Erst 2019 haben die Palićs kräftig in die Gaststätte investiert und saniert. „Allein der Thekenbereich hat 61.000 Euro gekostet“, verrät Kristijan Palić. So hofft er, dass er dafür noch ein gutes Drittel bekommt. „Notfalls hätten wir den Tresen auch alleine abgegeben.“ Doch sein Wunsch geht in Erfüllung.

Am Sonntagnachmittag finden bereits auch viele andere der großen Stücke neue Besitzer, darunter etwa die Wärmebrücken und die Kühlschränke. Immer wieder klingelt das Handy des Küchenchefs und Kollegen fragen nach, ob etwa die große Sitzbank noch da ist.

Reserviert sind bis dahin allein die Schalen in Muschelgestalt: „Die möchte ein Ehepaar haben, weil ihr Sohn so gerne unsere Gambas daraus gegessen hat“, sagt Liberata Palić. Ansonsten möchte die Familie, zu der auch Sohn Matteo (15) und Tochter Mayla (12) gehören – beide waren Kindertollitäten in Engelskirchen –, neben dem leuchtenden Engels nichts weiter behalten als einen gläsernen Syphon, in dem sich einst ein Mann sein Bier im Hardter Hof abgeholt hat für Zuhause. Graviert ist dieser Krug, der Name indes nicht mehr zu lesen.

Noch wohnen die vier Palićs im Obergeschoss, gerade suchen sie in Engelskirchen ein neues Heim. Anfragen zum anderthalb Meter großen Engel aber werden auch weiterhin rigoros abgelehnt.