Abo

Anti-K.o.-TropfenNetzwerk Oberberg verteilt Schutzabdeckungen für Gläser und Flaschen

4 min
10.02.2026: Getränkeschutzabdeckungen des Netzwerk Oberberg als Schutz gegen K.O.-Tropfen
Auf dem Foto: Baumhof-Inhaberin Anke Seltrecht

10.02.2026: Getränkeschutzabdeckungen des Netzwerk Oberberg als Schutz gegen K.O.-Tropfen Auf dem Foto: Baumhof-Inhaberin Anke Seltrecht

Weil an Karneval viel gefeiert wird und viele Menschen zusammenkommen, werden die Schutzabdeckungen in diesen Tagen kreisweit verteilt.

Die Karnevalsparty fängt gut an – kölsche Musik dröhnt aus den Boxen einer Musikanlage, es herrscht ausgelassene Stimmung unter den vielen kostümierten Feiernden, die auf engem Raum tanzen. Kühle Getränke stillen den Durst in der warmen Kneipe, auch das eine oder andere Bier wird bestellt – doch dann ist plötzlich alles schwarz. Blackout. Filmriss.

K.o.-Tropfen und das, was sie mit sich bringen, sind der Alptraum eines jeden Feiernden. Sie können nicht nur Erinnerungslücken auslösen und Betroffene sedieren – sie werden von Tätern nicht selten auch als Mittel für eine Vergewaltigung eingesetzt. Meist sind Frauen betroffen, aber nicht nur. Auch Männer können Opfer werden.

Präventiv auf die Gefahren von K.o.-Tropfen hinweisen

Die bevorstehenden Karnevalstage, an denen viele Menschen beim Straßenkarneval und auf Partys in Kneipen und Clubs zusammenkommen, möchte das Netzwerk Oberberg „no – gegen Gewalt“ nutzen, um präventiv auf die Gefahren von K.o.-Tropfen hinzuweisen und um den Feiernden auch gleich einen Schutz mit an die Hand zu geben.

Magdalena Tertel, Gleichstellungsbeauftragte des Oberbergischen Kreises und eine der Initiatorinnen der neuen Kampagne, hat bei ihrem Besuch in der Gummersbacher Kneipe Baumhof einen ganzen Karton voller Getränkeschutzabdeckungen mitgebracht. Sie bestehen aus hochwertigem Silikonkautschuk, sind wiederverwendbar und können über Gläser oder – in einer kronkorkenähnlichen Version – über offene Flaschen gestülpt werden, damit niemand in einem unbeobachteten Moment etwas ins Getränk tropft. Baumhof-Inhaberin Anke Seltrecht ist begeistert: „Ich habe am Wochenende schon ordentlich Werbung dafür gemacht und einige verteilt. Das Feedback der Frauen, aber auch der Männer war durchweg positiv.“ Über Plakate wird auf die Schutzdeckel hingewiesen.

Magdalena Tertel im Porträt.

Eine der Initiatorinnen der Kampagne ist Magdalena Tertel.

Die   Getränkeschutzabdeckungen sollen – neben der eigenen Aufmerksamkeit – einen zusätzlichen Schutz für offene Getränke bieten. „Ich bin in den vergangenen Jahren immer wieder auf das Thema angesprochen worden und habe überlegt, was man präventiv machen könnte. Ein Teststreifen, der K.o.-Tropfen in Getränken sichtbar macht, indem er sich verfärbt, erschien mir nicht geeignet genug, denn diese Streifen reagieren nicht auf alle Substanzen. Schließlich hatten wir die Idee für die Schutzdeckel“, berichtet Tertel. Ihr gehe es vor allem um die Vorbeugung, dass Menschen nicht K.o.-getropft werden und darum, Tätern solche Absichten zu erschweren.

Sollte trotz allen Schutzvorkehrungen der Ernstfall eintreten, finden Betroffene auf den Verpackungen der Schutzdeckel einen QR-Code, der sie auf eine Internetseite mit Hilfsangeboten führt.

Rund 3000 Silikonkapppen für Gläser und 2000 für Flaschen hat Magdalena Tertel bestellt. Hergestellt werden sie von einer Firma in Gelsenkirchen. Möglich war die Anschaffung nur deshalb, weil das Netzwerk „no – gegen Gewalt“ neben der Unterstützung des Landrats in Oberberg auch vom Land gefördert wird. An den Karnevalstagen sollen die Getränkeschutzabdeckungen an die Feiernden verteilt werden – kostenlos. Ausgegeben werden sie unter anderem an Weiberfastnacht bei den Rathausstürmen des Kreises und der Städte Gummersbach, Bergneustadt, Wipperfürth und Radevormwald. Darüber hinaus sind sie in der Suppenküche des Jugendzentrums am Busbahnhof Wipperfürth, im Jugendzentrum Marienheide, in Kaspers Sportpark in Nümbrecht und – wie bereits erwähnt – im Baumhof in Gummersbach erhältlich.

„Wir finden die Aktion großartig und unterstützen das gerne. Prävention ist wichtig“, zeigt sich Bianca Berghaus von der Narrenzunft Neye begeistert. Auch in der Wipperfürther Karnevalsgesellschaft sei man für das Thema K.o.-Tropfen sensibilisiert und gebe bestmöglich aufeinander Acht.

Die Aktion an Karneval ist nur der Anfang. Kampagnen bei weiteren Festen und an Schulen sind für Magdalena Tertel, die selbst zwei Töchter hat, denkbar. „Mit meiner Ältesten habe ich zu Hause schon über das   Thema gesprochen“, sagt sie. Auch Anke Seltrecht ist Mutter einer Tochter. „Deswegen ist mir das auch so wichtig“, sagt auch sie und fügt ernst hinzu: „Sollte ich jemals einen in meiner Gaststätte dabei erwischen, wie er etwas in ein Getränk tropft, dann kann er was erleben.“


Schwieriger Nachweis von K.o.-Tropfen

In der Polizeidatenbank sind in den vergangenen drei Jahren nur zwei Anzeigen (2023 und 2025) zu den Stichworten „K.o.-Tropfen“ und „Karneval“ zu finden, teilt Lara Schultz, Pressesprecherin der oberbergischen Kreispolizeibehörde, mit. Dabei handelte es sich um Taten in Radevormwald und in Morsbach. In beiden Fällen hätten die Betroffenen Anzeige gegen Unbekannt erstattet, so Schultz.

Ob es zuletzt tatsächlich nur so wenige Vorfälle mit K.o.-Tropfen an Karneval in Oberberg gab, oder andere nicht zur Anzeige gebracht wurden – auch, weil die Substanzen so schwer nachweisbar sind – kann Schultz nicht sagen. Sollte jemand jedoch den Verdacht haben, K.o.-getropft worden zu sein, sollte er oder sie sich nicht scheuen, dies bei der Polizei anzuzeigen, appelliert die Polizeisprecherin.

Betroffene, die den Verdacht haben, dass sie K.o.-Tropfen verabreicht bekommen haben, finden in der Notaufnahme des Kreiskrankenhauses in Gummersbach die passende Hilfe, heißt es vonseiten des Klinikums. Sie sollten sich, wenn möglich, zeitnah melden, da der Nachweis der Substanzen schwierig und zeitlich begrenzt ist.