In Lindlar führt in dieser Karnevalssession erstmals ein weibliches Dreigestirn das Regiment. Wir stellen die drei jecken Frauen an Weiberfastnacht vor.
WeiberfastnachtIn Lindlar ist in dieser Session jecke Frauenpower im Dreierpack im Einsatz

Frauenpower: Prinz Sandra (Pajak), Bauer Manu (Exel) und Jungfrau Gabi (Emler) bilden das Lindlarer Dreigestirn.
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Erstmals wird Lindlar in dieser Session von einem weiblichen Dreigestirn regiert. Damit geht das Komitee Lenkelner Karneval, zu dem sich die KG Rot-Weiß Lindlar, der KV Rot-Weiß Fenke und die KG Sünger Butzen zusammengeschlossen haben, neue Wege. Die Frauenpower kommt an: Prinz Sandra (Pajak), Bauer Manu (Exel) und Jungfrau Gabi (Emler) sind nicht nur gut anzuschauen, sie sorgen mit viel Temperament für tolle Auftritte. 2019 versprachen sich Sandra und Gabi, einmal die Tollitäten zu stellen, unterschrieben wurde der Vertrag auf einem Bierdeckel. Dann kam Corona und 2023 Manu – das Dreigestirn war perfekt.

Prinz Sandra (Pajak) kommt aus Bechen, wo sie von klein an Karneval gefeiert hat.
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Prinz Sandra hat eine Weile überlegt, als was sie durch die Säle ziehen möchte. Prinzessin hätte nicht gepasst und mit Prinzin konnte sie sich nicht anfreunden. So wurde die von den Kunden in Schmitzhöhe titulierte „lustige Verkäuferin“ zum Prinz. Die 50-Jährige kommt aus Bechen, wo sie von klein an Karneval gefeiert hat.
Im Oktober 2013 zog Sandra Pajak mit ihrer Familie nach Lindlar und trat ein Jahr später über ihre Nachbarin Sandra König in die KG ein. Da hat sie mittlerweile die Küchenleitung bei den großen Veranstaltungen im Zelt, wo die Künstler und die ehrenamtlichen Helfer versorgt werden. Jetzt freut sie sich mit ihren beiden Mitstreiterinnen auf die letzten tollen Tage mit dem Karnevalszug als Schlusspunkt.
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Jungfrau Gabi (Emler) war schon beim Karneval in der Grundschule in Kapellensüng als Prinzessin verkleidet.
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Jungfrau Gabi hat den Auftritt schon früh geübt: Sie war Kinderprinzessin in der Grundschule in Kapellensüng, die unter der Leitung von Rosalinde Wiemann stand. Mit dem Musikverein Süng war sie unterwegs, später dann wie die Prinz im Elferrat. Karnevalistisches Treiben ist für sie nicht so einfach. Die Jungfrau ist gelernte Bäckerin und muss dementsprechend früh aus den Federn.
Mit 1,60 Meter ist sie nur etwas größer als die Prinz (1,58 Meter). Als sie bei einem männlichen Dreigestirn in Bonn ihre Kostüme gebraucht kauften, sorgte das für ein großes Aha-Erlebnis. Die Bonner Kollegen waren 1,97 und 2,01 Meter lang. Die Ornate wurden passend geschneidert. Bei Jungfrau Gabi gibt es einen festen Gürtel und Prinz Sandra seufzt schon mal: „Die Hose bringt mich um!“ Dafür glitzert es überall, denn die Frauen haben 3500 Strasssteine auf ihr Ornat geklebt. Bauer Manu hat sich aus dem dem Lindlarer Fundus bedient.

Bauer Manu (Exel) kommt aus einer karnevalsverrückten Familie.
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Bauer Manu kommt aus einer karnevalsverrückten Familie. Ihre Mutter war Tanzmariechen bei den Sünger Butzen, ihr Opa einer der Gründer der KG Rot-Weiß Lindlar. „Sobald die Musik lief, war ich dabei “, sagt sie. Als Mariechen stand sie auf der Bühne, ging im Karnevalszug mit, ist seit 2012 Mitglied im Elferrat und seit 2017 in der KG Rot-Weiß Lindlar, deren Vize-Präsidentin sie ist.
Im KLK ist sie die Geschäftsführerin. An ihre Kinder hat sie das jecke Virus weitergegeben. Wie an Tochter Aylin, die eine ihrer Adjutantinnen ist. Das gilt auch für Jungfrau Gabi, deren Tochter Denise sie begleitet. Bei Prinz Sandra ist es Ehemann Klaus, der sie unterstützt.

Das Lindlarer Damen-Dreigestirn ist auch digital unterwegs.
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Der Blick ins Handy hat in Zeiten der digitalen Medien für die Tollitäten keinen Schrecken. Im Gegenteil, es gibt auch Nachrichten von Karnevalisten, die zunächst ihre Probleme mit einem weiblichen Dreigestirn hatten, von denen die drei Frauen über die Sozialen Medien dann aber ein Lob bekamen. Doch die Aufregung vor dem ersten Auftritt war riesig: „Ich war nervös und hatte Pudding in den Knien“, sagt Prinz Sandra lachend. Da half der Tipp von Prinzenführer Markus Scherer, der in der vergangenen Session als Prinz alleine unterwegs war. „Wenn Du nicht mehr aufgeregt bist, dann gehörst Du nicht in den KLK“, gibt Jungfrau Gabi das Zitat wieder.
Das Komitee Lenkelner Karneval hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tollitäten nicht nur zu suchen, sondern sie auch zu unterstützen. „Es braucht zwei Jahre Vorlaufzeit“, sagt Markus Scherer, um sich vorzubereiten und sich mit allen Aufgaben vertraut zu machen. Rund 80 Termine haben die drei lustigen Wiever bis zum Aschermittwoch absolviert.

Vor zwei Jahren haben sich Sandra, Gabi und Manuela als Dreigestirn der Gemeinde Lindlar beworben. Sie verstehen sich auch privat gut.
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Vor zwei Jahren haben sich Sandra, Gabi und Manuela als Dreigestirn der Gemeinde Lindlar beworben. Aus dem eher losen Kontakt wurde vor gut einem Jahr ein festerer. „Wir mussten ja wissen, ob wir es über einen langen Zeitraum gut miteinander aushalten.“ Also wurde sich regelmäßig getroffen.
Dazu kam ein größes Schmölzchen mit 27 Personen, das nicht nur ein gutes Bild abgibt, sondern auch Krankheitsfälle ausgleicht. Die Frauen sind auf einer Wellenlänge, und dass es ihnen immer gut geht, dazu trägt auch die Hofburg „Restaurant Lindenhof“ bei, wo sie zu jeder Zeit um sorgt werden.

In Lindlar gibt es in dieser Session nicht nur erstmals ein weibliches Dreigestirn, sondern auch Kindertollitäten.
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In Lindlar gibt es in dieser Session nicht nur erstmals ein weibliches Dreigestirn, sondern die Kindertollitäten sind unter dem Dach des KLK offiziell proklamiert worden. „Wir möchten neue Weg gehen“, sagt Markus Scherer, Präsident des KLK. Damit könne man zwar nicht garantieren, dass wieder jede Session Tollitäten da sind, aber die, die kommen, hätten Spaß, wissen, dass sie unterstützt werden und es wenig Hindernisse gebe. „Es ist ein guter Weg“, sagt denn auch Prinz Sandra. Wichtig sei, dass man für Lindlar sei. „Wir waren gut vorbereitet.“
So gab es die größten Diskussionen eigentlich nur um die Musik, bei der die Geschmäcker der drei jecken Wiever doch weit auseinandergehen. Jungfrau Gabi liebt Techno, was bei ihren Mitstreiterinnen nicht der Fall ist. „Die Resonanz ist der Hammer, unser Einmarsch ist anders, viel flotter, denn wir wollten Party machen“, beschreibt es Prinz Sandra. „Wir wollten einfach authentisch sein und die Resonanz zeigt, dass es ankommt.“
