„Ich bin mir nicht zu schade für die Mistgabel“, sagt Melanie Müller. Wir haben sie in ihrem Büro in Lindlar besucht und mit ihr gesprochen.
VorstellungMelanie Müller ist neue Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Bergisches Land

Ungefähr 2000 bergische Höfe betreut Melanie Müller mit ihrer Mannschaft aus den Büros der Landwirtschaftskammer in Lindlar.
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Die Landwirtschaftskammer NRW hat in der Region ein neues Gesicht: Melanie Müller (40) hat als Geschäftsführerin die Kreisstellen Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis und Mettmann übernommen. Florian Sauer hat sie in ihrem Lindlarer Büro besucht.
Frau Müller, dass Sie die Arbeit im Stall nur von der Theorie her kennen, kann man Ihnen nun wirklich nicht vorwerfen. Neben Ihrem Job bei der Kammer führen Sie noch einen kleinen Hof in Kürten.
Ich bin auf einem Milchviehbetrieb in Odenthal aufgewachsen, meine Eltern haben drei Töchter, wir haben immer geholfen. Und tatsächlich habe ich heute mit meinem Mann einen Nebenerwerbsbetrieb, mit ein paar Mutterkühen und einigen Pensionspferden. Ich bin mir jedenfalls nicht zu schade für die Arbeit mit der Mistgabel, das kann man schon so sagen.
Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag in Lindlar?
Ich kannte die Geschäftsstelle in Lindlar ja schon aus meiner Ausbildungszeit. Nach dem Abi habe ich in Bonn Agrarwissenschaften studiert und bin dann anschließend als Ingenieurin ins Agrarreferendariat eingestiegen. Eine meiner Ausbildungsstationen war damals Lindlar.
In der Zwischenzeit haben Sie auch eine Zeit lang am Standort in Köln-Auweiler gearbeitet, nun kehren Sie nach Lindlar zurück. Wo ist es denn schöner?
(lacht) Auf jeden Fall bin ich jetzt wieder näher an den Betrieben. Für mich ist das ein Schritt, der sich richtig anfühlt. Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben.
Aufgaben sind ein gutes Stichwort. Was beschäftigt die Landwirtschaftskammer in Lindlar denn aktuell besonders?
Das sind die Auswirkungen der Grundsteuerreform. Der breiten Öffentlichkeit ist wahrscheinlich gar nicht bekannt, dass Höfe nicht mehr nach einem Einheitswert, sondern mithilfe des Grundsteuerwertes bewertet werden. Dazu laufen etliche Verfahren vor den Landwirtschaftsgerichten, für die wir fachliche Stellungnahmen abgeben, allein im Rheinisch-Bergischen sprechen wir da von ungefähr 1000 Fällen.
Sie sind aber nicht nur für den Rheinisch-Bergischen Kreis zuständig.
Nein, nein, auch für Oberberg und Mettmann. Insgesamt sind das sehr unterschiedliche Gebiete mit etwa 2000 Betrieben. In Oberberg dominiert das Milchvieh, im Rheinisch-Bergischen spielt die Pferdehaltung eine große Rolle und in Mettmann sind Ackerbau und Direktvermarktung große Themen.
Welche Schwerpunkte möchten Sie im Dialog mit den Landwirten setzen?
Da gibt es eine ganze Reihe von Themen. Die Begleitung einer Hofnachfolge ist mir zum Beispiel wichtig. Momentan hat nicht einmal die Hälfte unserer Landwirte, die über 45 Jahre alt sind, einen Nachfolger. Das muss auch für die Landwirtschaftskammer ein Thema sein. Dann wollen wir das Interesse für Robotik und Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft wecken, aber ebenso das Bewusstsein, dass die Betriebe von außen technisch angreifbar werden könnten. Ohnehin werden die Aufgaben der Landwirtschaft immer komplexer – vom Umweltschutz über den Tier- und den Klimaschutz bis hin zur Energiegewinnung. Manches widerspricht sich sogar. Und nicht selten mischen sich Außenstehende ein, die meinen, es besser zu wissen. Aber die allermeisten Landwirte wägen ihre Entscheidungen ganz genau ab.
In der oberbergischen Kreispolitik war neulich die „Ökomodellregion Bergisches Rheinland“ Gesprächsthema, an der ja auch die Landwirtschaftskammer beteiligt. Das Fazit fiel nüchtern aus. Der Wechsel hin zur Biomilch war nur verhalten erfolgreich und für die Vermarktung von Rindfleisch gab es keine Förderzuschüsse.
Die Entwicklung kann uns nicht zufriedenstellen. Aber: Wenn ein Betrieb zum Biomilch-Produzent wird, müssen die Verantwortlichen voll und ganz hinter dieser Entscheidung stehen. Es bringt nichts, sich nur des höheren Milchpreises wegen für Bio zu entscheiden. Wir haben ja in der Vergangenheit gesehen, dass sich die Milchpreise fast annähern. Ob jemand so oder so wirtschaftet, bleibt ihm überlassen. Für mich ist aber ganz entscheidend, dass er überzeugt hinter seinem Modell steht.
Landwirten wird ja nachgesagt, dass sie sich gerne und lautstark beklagen. Die Flächenförderung ist so ein Beispiel – wie man hört, soll es ja immer komplizierter werden.
Da ist auch schon etwas dran. Mitte März beginnt die Antragstellung für das laufende Jahr. Für uns bedeutet das eine Menge Publikumsverkehr. Das Verfahren ist durchaus kompliziert, aber meine Kolleginnen und Kollegen helfen auch regelmäßig beim Antrag. Und schließlich geht es um eine Menge Steuergeld, da sind strenge Kontrollen angemessen, finde ich.
Letzte Frage: Wie reagieren Menschen, die Sie kennenlernen, wenn sie mitbekommen, dass Sie für die Landwirtschaft arbeiten?
Auf dem Land ist das überhaupt kein Problem. Schwieriger wird es tatsächlich, wenn man sich den Ballungszentren nähert...
... es gibt also tatsächlich die Menschen, die davon überzeugt sind, dass es lilafarbene Kühe gibt?
Das weiß ich wirklich nicht (lacht). Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass die Landwirtschaft in den großen Städten nicht den Stellenwert bekommt, den sie verdient hat. Und das finde ich ausgesprochen schade.
Zur Person
Melanie Müller (40) ist in Odenthal aufgewachsen. Nach dem Abitur Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Bonn mit dem Abschluss Diplom-Agraringenieurin. Anschließend zweijähriges Agrarreferendariat bei der Landwirtschaftskammer NRW. Am Kölner Standort der Landwirtschaftskammer beschäftigte sie sich mit verschiedenen Projekten, u.a. zum Klimaschutz.
Seit dem 1. November 2025 ist Melanie Müller Geschäftsführerin der Kreisstellen Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis und Mettmann und damit Chefin von 30 Mitarbeitenden. Sie ist mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Kürten zu Hause.

