Das Wasser von Holpe ist gut: Der neue Geschichtspfad des Morsbacher Dorfs macht den Spaziergänger mit einer legendären Quelle bekannt.
HeimatkundeNeuer Geschichtspfad führt durch die Holper Historie

Zwischenstopp am Marienbrunnen (v.l.): Heike Brand, Sabine Stamp-Eschrig, Johannes Klüser, Jutta Ramackers und Jan Schumacher.
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Heimatgeschichte ist ein Publikumsrenner. Mehr als 80 Gäste sind am Samstagnachmittag der Einladung des Heimatvereins Holpe zur Einweihung des neuen „Geschichtspfads Holpe und Oberholpe“ auf den Fritz-Wingen-Platz gefolgt. „Als Holpe nicht mehr richtig tickte“, zitierte Vereinsvorsitzende Sabine Stamp-Eschrig die Titelzeile dieser Zeitung von Anfang dieses Monats aus einem Bericht über den Lehrpfad. Diese Formulierung habe bei vielen Bürgern ein bestätigendes Nicken hervorgerufen, denn: „Anders Ticken bedeutet nicht nur Originalität, Charakter und manchmal auch Eigensinn, sondern auch kräftig anzupacken.“
Stamp-Eschrig betonte, dass es der erste Geschichtspfad in der Gemeinde sei und fügte schmunzelnd hinzu: „Der Hauptort Morsbach zieht bestimmt noch nach.“ Für die Recherche seien gut zwei Jahre Archivarbeit nötig gewesen. Der Grund, diese Arbeit auf sich zu nehmen, sei ganz einfach: „Es gibt viel zu erzählen, denn Geschichte findet überall statt – mit Menschen, Orten und Ereignissen.“ Und der Geschichtspfad mit seinen 14 Stationen auf rund 2,5 Kilometern Länge könne einiges davon erlebbar machen, gerade für Jüngere.
Holper Grundschüler haben Quiz entwickelt
Die Vorsitzende berichtete, dass die Grundschüler den Pfad kürzlich bei einer Projektwoche bereits in den Fokus genommen haben. Sie hätten ein paar Stationen ausgewählt und daraus dann das „Holper Quiz“ gebastelt: „So eine Aktion zeigt, dass wir auch bei den ganz Jungen den richtigen Nerv getroffen haben.“
Sabine Stamp-Eschrig dankte den vielen Unterstützern, besonders aber Jutta Ramackers, Johannes Klüser und Christoph Buchen für ihren Beitrag zur Erstellung des Geschichtspfads. Stamp-Eschrig kündigte mehrere Führungen im Laufe des Jahres an, die erste findet am 3. Mai im Rahmen der Bergischen Wanderwochen statt.
Morsbacher Bürgermeister ist beeindruckt
Bürgermeister Jan Schumacher berichtete, dass ihm Jutta Ramackers bei einem Türchen-Termin des „Lebendigen Adventskalenders“ von diesem Projekt erzählt hat: „Ich war gespannt, aber von dem Potenzial überzeugt.“ Nun habe er das Ergebnis gesehen: „Es ist absolut großartig, was Ihr hier auf die Beine gestellt habt.“ Besonders gut gefällt ihm neben den klassischen Infotafeln die Audiountermalung mit Geräuschen und Erzählungen: „Geschichte wird hier nicht nur dargestellt, sondern kann gleichzeitig erlebt werden.“ Er bezeichnete den Geschichtspfad als wichtigen Baustein für die Identität der Gemeinde Morsbach: „Ich hoffe, dass das Projekt kopiert wird – einfach, weil es so großartig ist.“
Vor dem Beginn eines Rundgangs zu den ersten Stationen erläuterte Jutta Ramackers an der Übersichtstafel auf dem Fritz-Wingen-Platz, dass es sich schon seit vielen Jahrhunderten lohne, nach Holpe zu kommen. Bereits im 13. Jahrhundert habe ein Pilgerweg zur Wallfahrtskapelle am Ort der heutigen evangelischen Kirche geführt.
Im 16. Jahrhundert habe die Lage an der Handelsstraße Köln-Siegen viele Menschen nach Holpe geleitet, heutzutage sei es der Fernwanderweg X11, der bei Freudenberg auf den E1 trifft: „Wer Lust auf einen längeren Spaziergang nach Sizilien oder zum Nordkap hat, kann in Holpe starten.“
Bei der ersten Station am Marienbrunnen, auch „Börnchen“ genannt, erzählte Johannes Klüser, dass das kühle Nass nicht nur Heilwasser für das Nonnenkloster im 14. Jahrhundert war, sondern auch sehr schmackhaft ist und bei Augenleiden und Magenbeschwerden geholfen haben soll. Seine Großkusine aus Köln, die nach der Bombardierung der Domstadt in Holpe gelebt hatte, schwärme noch heute von „frischer Butter, die mit dem Wasser vom Börnchen gewaschen wurde.“
Leader-Förderung
Für die Kosten von knapp 8000 Euro hat der Heimatverein eine Leader-Förderung bekommen. Heike Brand, Regionalmanagerin der Leader-Region Oberberg „1000 Dörfer – eine Zukunft“, schildert, dass seit 2021 mehr als 100 Kleinprojekte mit 80 Prozent gefördert wurden. Der Geschichtspfad haben großen Organisationsaufwand und viel ehrenamtliches Engagement gefordert. Das Ergebnis sei überzeugend: „Ich finde es klasse, wenn Geschichte so eindrücklich vermittelt wird.“

