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Vollsperrung?Krötenretter geraten in Nümbrecht immer wieder in Gefahr

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Das Foto zeigt eine Straßenszene von der L198 in Nümbrecht. Am Rand sieht man die Beschilderung, die mit verweis auf Amphibienwanderung die Höchstgeschwindigkeit im Zeitraum zwischen 18 und sechs Uhr auf 50 Stundenkilometer beschränkt.

Erst abends gilt auf der L198 in Nümbrecht während der Amphibienwanderung Tempo 50 – aber viele missachten das Limit dann.

Eine Mehrheit der Politik hat die Verwaltung beauftragt, eine temporäre Vollsperrung der L198 zu beantragen. 

Wenn es nach der Mehrheit der Nümbrechter Politik ginge, dann würde die L198 von abends bis morgens voll gesperrt – und zwar immer dann, wenn die Amphibien am Ölsbach wieder Wanderwochen   haben. Eine saisonale Beschilderung, die seit ein paar Jahren die Höchstgeschwindigkeit während der Amphibienwanderung von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens auf 50 beschränkt, scheint ihre Wirkung nämlich zu verfehlen.

Nicht ohne Grund war die Verwaltung mit dem Thema jetzt in den Bauausschuss des Gemeinderates gegangen. Bürgermeister Thomas Hellbusch teilte mit, dass sich ehrenamtliche Tierschützer, die dort während der Amphibienwanderung die Tiere retten, indem sie sie einsammeln und über die Straße tragen, gemeldet hätten. „Die sind da abends und nachts unterwegs. Obwohl dort von 18 bis 6 Uhr die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt ist, wird diese oft nicht eingehalten“, berichtete er.

Das sind relevante Gefahrensituationen für die Helfer. Und deren Schutz sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Bürgermeister Thomas Hellbusch

Trotz Ausstattung mit Warnwesten und Stirnlampen komme es laut den Tierschützern regelmäßig zu gefährlichen Situationen und bedrängendem Verhalten durch Autofahrer, die statt der Bremse lieber Lichthupe und Hupe betätigten. Hellbusch: „Das sind relevante Gefahrensituationen für die Helfer. Und deren Schutz sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Mit den beiden Landesstraßen L38 und L95 stünde bereits eine Umleitung zur Verfügung.

Karl-Josef Monjean   (GUD) erschien eine Vollsperrung hingegen übertrieben: „Die L198 wird auch von den Rettungsdiensten genutzt.“ Außerdem könnten die Helferinnen und Helfer herannahende Autos schon weit im Vorfeld hören, wenn sie nicht gerade mit Kopfhörern Musik hören würden. Monjean: „Ich würde die ganze Sache relativieren.“

Lieber Tempolimit erzwingen?

Keine Begeisterung löste der Gedanke an eine Vollsperrung auch beim Landesbetrieb Straßen NRW und bei der Kreispolizeibehörde in Gummersbach aus. Straßen NRW nannte eine temporäre Straßensperrung zum Zwecke des Amphibienschutzes „nicht angemessen“. Die Problematik bestehe u.a. auch darin, „dass sich erkorene Helfer am oder gar auf der Fahrbahn wissentlich der Gefahr durch den vorrangigen Verkehr ausgesetzt sehen“. Der Verfasser schreibt in der Stellungnahme an die Gemeinde weiter, er könne sich vorstellen, „dass sich einige Verkehrsteilnehmer bei aktiver Beeinflussung des Verkehrs provoziert fühlen“ und regt an, lieber die Einhaltung des Tempolimits zu erzwingen statt die ganze L198 temporär zu sperren.

Auch aus dem Schreiben der Kreispolizeibehörde geht hervor, dass man dort eine Sperrung unverhältnismäßig findet, „da die Gefahr für Personen ausschließlich durch die Personen selbst hervorgerufen wird“. Auch eine Geschwindigkeitsüberwachung sei dort nur schwierig in die Tat umzusetzen.

Bei drei Gegenstimmen beauftragte der Ausschuss die Verwaltung schließlich, die temporäre Sperrung der L198 offiziell bei den Straßenverkehrsbehörden zu beantragen.

Erst im Februar hatte der Nabu öffentlich nach weiteren Helferinnen und Helfern gesucht, die sich den Amphibienrettern anschließen wollten.