Der Bonner Wissenschaftler Uli Klein erklärte seiner Zuhörerschar das „James Webb Space Telescope“ und welche wertvollen Bilder dieses liefert.
AstronomieIn Waldbröl-Schnörringen führte die Reise in die tiefsten Tiefen des Universums

In der Schülersternwarte lud der Bonner Professor Uli Klein ein zu einer spannenden Reise tief hinein in das Weltall. Solche Vorträge gehören fest zum Programm dieser Waldbröler Institution.
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Einen spannenden Einblick in die Tiefen des Universums gab es am Freitagabend im Waldbröler Weiler Schnörringen. Das Schnörringen Telescope Science Institute, die örtliche Schülersternwarte, hatte zu einem Vortrag von Professor Uli Klein vom Argelander-Institut für Astronomie an der Bonner Universität eingeladen – im Fokus: das „James Webb Space Telescope“.
Zunächst schilderte der Physiker Norbert Reinecke die Entwicklung der Sternwarte am Ringweg: „Vor 15 Jahren war hier noch eine wilde Wiese.“ Die Betonung liege vor allem auf dem Wort „Schüler“. Mit einem Schmunzeln erklärte Reinecke den gut 50 Zuhörenden: „Ziel ist, die jungen Leute von der Straße wegzuholen, damit sie etwas Vernünftiges machen.“
Wissenschaftler schildert in Waldbröler Sternwarte, dass zehn Milliarden Dollar auf dem Spiel standen
Dann beschrieb Uli Klein etwa die Akribie, mit der das Weltraumteleskop gefertigt und am zweiten Weihnachtstag 2021 mit Ariane 5 ins All geschossen worden war: „Jedes Stäubchen auf dem rund sieben Meter großen Spiegel hätte die Beobachtungen beeinträchtigt.“ Optimal sei die Entfaltung des in der Raketenspitze gelagerten Teleskops verlaufen: „Wäre nur eine Sache schiefgegangen, wären zehn Milliarden US-Dollar im Eimer gewesen.“
In beeindruckenden Bildern zeigte Klein einen Vergleich mit dem Hubble-Teleskop, das im für den Menschen sichtbaren Bereich arbeitet, während James Webb sich des infraroten Frequenzspektrums bedient habe: „Infrarotstrahlung ist in der Lage, Gase zu passieren, die das optische Licht nicht durchdringen kann.“
In Waldbröl sind grandiose Bilder vom Carina-Nebel zu sehen
Zudem liefere das neue Teleskop mit seiner Brennweite von gut 130 Metern Aufnahmen in einer bis dahin nicht möglichen Auflösung – zum Vergleich: Übliche Foto-Brennweiten von Teleobjektiven reichen bis etwa 500 Millimeter. Danach widmete sich der Wissenschaftler dem Sonnensystem: So sind etwa auf dem Jupiter Polarlichter besonders gut zu erkennen und der bislang strukturlose Uranus nun auf einmal Wolken und wie der Saturn ein Ringsystem zeige.
Grandios waren die Fotos vom Carina-Nebel im interstellaren Bereich. Klein schilderte die Entwicklung von Sterngeburten, aber auch bislang nicht erklärliche Phänomene bei sterbenden Sternen. Schließlich warf er einen Blick in die entferntesten Galaxien mit einer Lichtlaufzeit von knapp 13 Milliarden Jahren: „Die sind nur rund 290 Millionen Jahre nach dem Big Bang entstanden.“
Um diese gewaltigen Entfernungen zu verdeutlichen, führte Norbert Reinecke aus, dass eine Reise zum nur vier Lichtjahre entfernten Erd-Nachbarn Proxima Centauri rund 20.000 Jahre dauere. Darauf Uli Klein: „Wir bleiben besser hier und sehen zu, dass wir die Erde in Ordnung halten.“
Dennis Falkenbach aus Bornheim war für den Vortrag mit seiner Kölner Freundin Anna Taggenbrock angereist: „Wir haben zwar nicht alles verstanden, aber insgesamt einen besseren Blick aufs Universum bekommen.“ Und die Wiehlerin Sanja Kirchner bekannte, dass sie eigentlich nur wegen ihrer Eltern nach Schnörringen gekommen sei. Doch: „Das war ein sehr interessanter Vortrag – so etwas könne man öfter machen.“

