Unterdessen hat die Telekom in aller Eile in der Marktstadt begonnen, ihr oberirdisch geführtes Glasfasernetz auf Vordermann zu bringen.
BreitbandMissstände in Waldbröl sind in Berlin angekommen und beschäftigen die Politik

An der vielbefahrenen Straße zwischen der Stadt Waldbröl und ihrer Nachbargemeinde Windeck, der Bundesstraße 256 (Siegstraße, auch Schladernring), hat die Deutsche Telekom gerade einen neuen Internetmast in den Boden gebracht. Der Vorgänger war umgekippt.
Copyright: Wastl Roth-Seefrid
Nach Jahren des Stillstands hat es die Deutsche Telekom offenbar plötzlich eilig: Am mehreren Stellen im Süden der Stadt Waldbröl ist das Unternehmen unterwegs und bringt ihre oberirdisch geführten Glasfaserleitungen auf Vordermann, die immer abgerissen waren, zu tief hingen oder aus anderen Gründen zu einer Gefahr für den Verkehr geworden waren. Zuletzt war an der stark befahrenen Siegstraße (Bundesstraße 256) in Höhe der Ortschaft Grunewald ein hölzerner Mast umgekippt – ins Grüne am Fahrbahnrand und nicht auf die Straße. „Dieser ist inzwischen durch einen neuen ersetzt worden“, berichtet der Waldbröler SPD-Ratsherr Wastl Roth-Seefrid.
Er ist nicht müde geworden, immer wieder auf das mangelhafte Netz der Telekom hinzuweisen, das diese 2019 mit Fördermitteln aus dem „Weiße Flecken“-Programm und damit aus der Bundeskasse ausgebaut hatte. Zuletzt habe ihn ein Forstunternehmen kontaktiert und ihn darauf hinweisen, dass es nicht möglich sei, mit Lastwagen das Holz aus einem Waldstück an der Siegstraße abzufahren, weil dort ebenfalls ein Kabelstrang zu dicht über der Zufahrt baumelt. An anderer Stelle habe ein Lastwagen ein solches Kabel derweil abgerissen.

Wastl Roth-Seefrid im Mai 2025 an genau derselben Stelle neben der Bundesstraße 256 (Siegstraße), an der nun ein neuer Mast der Telekom steht. Der Vorgänger war schon vor längerer Zeit umgestürzt, auch hing ein Flatterband der Polizei daran.
Copyright: Dennis Börsch (Archivfoto)
„Solche Stellen kenne ich noch und nöcher, und nicht nur in Waldbröl“, schildert der Schönenbacher Roth-Seefrid. Unter Berufung auf eine ausführliche Mängel- und Schadensliste aus dem Rathaus der Marktstadt beziffert er die Kosten der bisher verursachten Schäden, zum Beispiel an Straßen, auf 300.000 bis 400.000 Euro.
Ein Grund für die Eile der Telekom könnte sein, dass die Waldbröler Missstände offenbar inzwischen Berlin und dort das zuständige Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung erreicht haben. Denn Roth-Seefrid hat mit Johannes Schätzl, Bundestagsabgeordneter aus Passau, den digitalpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion seiner Partei eingeschaltet. Und der habe sich in einer Video-Konferenz „entsetzt“ gezeigt über die Zustände in Waldbröl.
Bei ihm ist Roth-Seefrid auf ein offenes Ohr gestoßen: „Wir haben das Anliegen an unsere Ansprechpartner bei der Deutschen Telekom weitergegeben und um eine Prüfung gebeten“, bestätigt Schätzl auf Anfrage dieser Zeitung. Er betont: „Ein leistungsfähiger Breitbandanschluss ist gerade im ländlichen Raum eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität.“ Daher dränge er zur Klärung auf eine kurzfristige Kommunikation zwischen der Kommune und dem Unternehmen.
Bundesministerium erinnert die Telekom daran, dass auch in Waldbröl Leitungen nur in Einzelfällen oberirdisch geführt werden dürfen
Ähnliches berichtet ein Sprecher des Digital-Ministeriums unter der Leitung von Karsten Wildberger (CDU) auf Nachfrage: „Nach Kenntnisnahme des Sachverhalts hat das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung den für die Umsetzung des Bundesförderprogramms zuständigen Projektträger angewiesen, den Zuwendungsempfänger zu kontaktieren und auf die Verpflichtung zur Einhaltung der technischen Vorgaben hinzuweisen.“ Es sei bekannt, dass die Stadt Waldbröl das zuständige Unternehmen, also die Telekom, bereits mehrmals auf bestehende Mängel hingewiesen und etwa zu Reparaturen aufgefordert habe.
Zudem, so führt der Sprecher aus, gehörten Breitbandleitungen in Rohre und müssten unter die Erde gebracht werden. Das sei eine der Vorgaben, die mit der Förderung für den Bau der Infrastruktur einhergehe. Solche Trasse oberirdisch und an Masten zu führen, sei nur in Einzelfällen erlaubt, „wenn die Kosten dafür im Verhältnis zur herkömmlichen Bauweise geringer ausfallen“.
Von der Telekom selbst gibt es wenig Konkretes zum aktuellen Geschehen in Waldbröl
Wenig Konkretes zu den Vorgängen in Waldbröl kommt dagegen von der Telekom selbst: „Unser Netz ist das Rückgrat der Telekom – selbstverständlich halten wir es permanent – Tag für Tag und rund um die Uhr – instand“, teilt Sprecherin Katja Kunicke mit. Orte in der Marktstadt, an denen gerade gearbeitet werde, könne sie indes nicht benennen.
Der Waldbröler Roth-Seefrid dagegen hat digitale Post der Telekom aus Leipzig erhalten: Darin setzt ihn die Abteilung „Fiber Networks & Services – Region Ost“ über den Stand in Kenntnis: So sei etwa in der Ortschaft Helzen ein Internetkabel „auf die richtige Höhe gebracht“ worden sei, auch die Mängelstellen entlang der Siegstraße, die mehrmals Gegenstand von Berichterstattungen dieser Zeitung gewesen sind, werden in der E-Mail aufgezählt und als erledigt benannt.
Im Waldbröler Rathaus war der Ärger groß, dass die Telekom seit 2019 wenig unternommen habe, um ihre Leitungen instandzusetzen. So hatte Stadtsprecher Felix Becher mitgeteilt, dass die Verwaltung zuletzt im Dezember 2024 Mängel benannt habe – und erneut habe das Bonner Unternehmen nicht reagiert.
Bürgermeisterin Larissa Weber kritisierte zudem, dass für die Stadt niemand mit Zuständigkeit zu erreichen sei. Heute freut sie sich über diesen Fortschritt: „Mein Dank gilt auch dem engagierten Ratsmitglied Wastl Roth-Seefrid: Er hat sich über einen langen Zeitraum hinweg mit großem Einsatz für dieses Anliegen stark gemacht und maßgeblich dazu beigetragen, dass nun eine Lösung umgesetzt wird.“

