Der Architekt Mirsad Mujanovic ist verantwortlich für die Entwürfe, mit denen das Rathaus die neue Mitte plant. Diese sehen auch ein Restaurant vor.
Pläne für Merkur-Gelände„Himmlisch“ speisen über den Dächern der Marktstadt Waldbröl

Drei neue Gebäude, auch mit einem Restaurant und einem Café am Waldbrölbach (Bild), sind für das frühere Merkur-Gelände in Waldbröl geplant. Verantwortlich dafür ist der Architekt Mirsad Mujanovic aus Herzogenrath.
Copyright: Mirsad Mujanovic/MX Architektur (Grafik)
Ein Restaurant über den Dächern der Marktstadt mit gläserner Fassade und einem Glasdach, das den Blick freigibt in den Himmel über dem Süden Oberbergs: Das ist für Architekt Mirsad Mujanović das Highlight in seinen Entwürfen für das frühere Merkur-Gelände in der Mitte von Waldbröl. „Ein zuletzt gläserner Aufzug wird die Gäste auf eine Höhe von gut zwölf Metern bringen“, ergänzt Mujanović, der sein Büro MX Architektur in Herzogenrath (bei Aachen) hat – ein echtes und vor allem junges Familienunternehmen, betont der 47-Jährige: „Mein Sohn und meine Tochter haben an den Plänen für Waldbröl mitgearbeitet.“ Für die Umsetzung hat ihm die Stadtpolitik Ende März grünes Licht gegeben.
Mit diesem einstimmigen Votum hat die Politik aber nicht nur über neue Gebäude entschieden, sondern auch beschlossen, das Großprojekt in eine einzige Hand, in eine Waldbröler Hand, zu geben: Nachdem sich die Investorengruppe Roci vor fast zwei Jahren bereits das Grundstück an der Bahnhofstraße gesichert hat und dort den Wohnkomplex „Merkur-Zeile“ errichten will, darf sie nun auch auf den übrigen, insgesamt rund 3100 Quadratmeter großen Flächen zwischen Nümbrechter Straße, Kaiserstraße und Waldbrölbach bauen.

So sieht die neue Bebauung auf dem Merkur-Gelände in Waldbröl aus, blickt man vom neuen Eventplatz aus in Richtung der Kaiserstraße.
Copyright: Mirsad Mujanovic/MX Architektur (Grafik)
Architekt ist in beiden Fällen Mirsad Mujanović. „Nachdem die Bahnhofstraße klar war, wussten wir: Wir wollen auch den Rest, wir möchten auch die große Lücke zur Kaiserstraße schließen.“ Für seinen sechsköpfigen Betrieb sei es eine Riesen-Chance, ein solches Zentrum bauen zu dürfen, sagt der Chefplaner. „Und es hat geklappt, zum Glück.“ Seinen Skizzen unter dem Arbeitstitel „Vom Park zur Stadt“ zufolge sollen gegenüber der Merkur-Zeile drei Gebäude mit jeweils vier Geschossen und begrünten Fassaden entstehen. Laubengänge rundherum sollen nicht nur der Erschließung dienen, sondern auch als Orte der Begegnung und der Kommunikation.
Unter den Dächern der neuen Gebäude sollen insgesamt 54 Wohnungen eingerichtet werden, allesamt barrierefrei oder zumindest rollstuhlgerecht gestaltet. Für die Erdgeschosse mit einer Größe von jeweils rund 1000 Quadratmetern vorgesehen sind Geschäfte, Räume für Büros jeglicher Art, für Dienstleister sowie Arztpraxen und für eine Apotheke.

Der Architekt Mirsad Mujanovic (47) aus Herzogenrath ist verantwortlich für die Planung des neuen Merkur-Geländes in Waldbröl.
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Mujanović: „Aber da sind wir flexibel, wir können aus einem großen Laden drei kleine Läden machen.“ Auch ein zusätzliches Eiscafé könne er noch unterbringen. Neben dem luftigen Restaurant mit Sky-Lounge wartet am Ufer des Waldbrölbachs zudem ein Café auf Gäste. Und eine Tiefgarage soll den ruhenden Verkehr in der Stadt entlasten.
Das Gesamtkonzept lobt Bürgermeisterin Larissa Weber als zukunftweisend, als gelungene Kombination aus architektonischer Qualität, durchdachter Infrastruktur und lebendigen Begegnungsräumen: „Der Entwurf setzt sowohl gestalterisch als auch funktional neue Maßstäbe.“ Dass beide Merkur-Projekte nun aus einer Hand kommen, sieht die Rathauschefin als Vorteil, „etwa bei der Abstimmung der Entwicklungen“. Bis Ende dieses Jahres will das Rathaus die Anträge auf Mittel aus der Städtebauförderung abschicken.
Auf dem etwa 1000 Quadratmeter großen Grundstück an der Bahnhofstraße will die Roci-Gruppe ebenfalls Wohnraum schaffen, die Rede ist von etwa 20 Wohnungen mit Größen von 60 bis 80 Quadratmetern. Vorgestellt haben die Investoren dieses Vorhaben im November 2024. Eine Baugenehmigung liegt bis heute nicht vor, werde aber in zwei bis drei Wochen erwartet, sagt Mirsad Mujanović. „Uns fehlte ein Gutachten.“ Hinter der Roci-Gruppe stehen die Waldbröler Mirdi Roci und sein Neffe Bleron. Mehrmalige Kontaktanfragen dieser Zeitung zu ihren Projekten ließen die beiden Unternehmer allesamt unbeantwortet.
Blick in die Geschichte des Waldbröler Merkur-Komplexes
Der Abbruch des sogenannten Merkur-Komplexes begann im Frühjahr 2020. Auf sieben Etagen waren 1971 die ersten der 70 Wohnungen in der Riesen-Immobilie bezugsfertig geworden, hinzukamen Geschäfte und ein Automaten-Casino. 2007 gingen die letzten Mieter, es waren etwa 20. Danach stand der Betonkoloss leer. Alt-Bürgermeister Peter Koester sprach von einem „Schandfleck“ und „städtebaulichen Fanal“.

Mirdi Roci (links) und sein Neffe Bleron sind die Investoren, die auf dem früheren Merkur-Gelände in Waldbröl bauen wollen. Jüngst haben die Unternehmer aus den Zuschlag für die restlichen Flächen in der Stadtmitte erhalten.
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Bis zum Sommer 2023 sollte die Bebauung durch die Gummersbacher Investorengemeinschaft KPBAG um Geschäftsführer Volker Müller erfolgen. Doch dieser teilte dem Rathaus mit, dass ein Projekt dieser Größe in jenem Jahr nicht zu stemmen sei. Ende April 2021 hatte er den Zuschlag erhalten und auch ein Hotel auf dem Gelände geplant, für das Müller bereits einen Pächter im Schlepptau hatte.

