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Freund im IranWiehler Eheleute sind in großer Sorge

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Ein älteres Ehepaar steht vor seinem Haus, sie hält eine Schachtel.

Eine Schachtel mit Gebäck ist eines der wenigen Erinnerungsstücke. Seit Dezember haben Vera und Rüdiger Boy keine Nachricht von Rasoul E..  

Vera und Rüdiger Boy glauben, dass Rasoul E. in einem iranischen Gefängnis eingekerkert ist. Und sie erneuern ihre Vorwürfe an die Asylbürokratie.

Mehr als ein Jahr ist es her, dass Rasoul E. aus Deutschland abgeschoben wurde. Im August berichtete unsere Zeitung von dem Fall und von E.s Hoffnung, zurückkommen zu können. Kurz vor Weihnachten sah es dann so aus, als wäre der Weg frei. Mit einem Arbeitsvisum in der Tasche wollte der Iraner sich auf den Weg nach Wiehl machen – und wurde verhaftet. Vermutlich erst im letzten Augenblick am Flughafen in Teheran, vermuten Vera (82) und Rüdiger Boy (85).

Genaueres wissen sie nicht. Wie so viele Menschen bewegt die Wiehler Eheleute die Hoffnung, dass die Luftangriffe das Mullah-Regime zu Fall bringen. Noch mehr treibt sie aber die Sorge um, dass ihr iranischer Freund in Gefahr ist.

Wiehler Eheleute sind zermürbt

Die letzte Mitteilung aus dem Iran erreichte sie am 28. Dezember. E.s Ehefrau Neyda schrieb auf Englisch, dass sie keine Neuigkeiten bezüglich Rasouls Freilassung habe. „Bei der Untersuchung von Rasouls Handy hat die Polizei entdeckt, dass er dem YouTube-Kanal des Sohnes des ehemaligen Schahs von Iran folgte und Beiträge von Reza Pahlavi mit ,Gefällt mir markiert hat. Nun wird ermittelt, ob Rasoul Verbindungen zur Pahlavi-Opposition hat.“

Rüdiger Boy rechnet derzeit nicht mit neuen Informationen, weil der Internetkontakt in den Iran sehr schwierig geworden ist. Die Ungewissheit hat die Wiehler Eheleute zermürbt.

Wir hatten ein freundschaftliches, fast familiäres Verhältnis. Die ganze Geschichte belastet uns sehr.
Vera Boy über ihren Untermieter Rasoul E.

Die beiden waren einst selbst Flüchtlinge. Sie ist im polnischen Lodz geboren, er kam mit seiner Familie nach dem Krieg aus Berlin in den Westen. Seit der Flüchtlingskrise von 2015 nehmen die Boys Asylsuchende auf. 2020 zog dann der heute 42-jährige Iraner E. als Untermieter in ihre Wiehler Einliegerwohnung ein. Wegen seiner liebenswerten Art und Tüchtigkeit nahmen sie ihn gern unter die Fittiche.

E.s Ehefrau und Kinder sollten nachkommen, zweimal waren sie in Wiehl zu Besuch. Vera Boy sagt: „Wir hatten ein freundschaftliches, fast familiäres Verhältnis. Die ganze Geschichte belastet uns sehr. Wir würden das gern abschließen.“

Feste Stelle bei Reichshofer Firma

Rüdiger Boy ist überzeugt: Dass dieser so gut integrierte Flüchtling mit Festanstellung bei der Reichshofer Firma Bahama abgeschoben wurde, „geschah aufgrund einer eklatanten Fehleinschätzung der Strafverfolgung im Iran durch das Verwaltungsgericht in Köln und einer Missachtung des Ermessensspielraums durch das Ausländeramt des Oberbergischen Kreises“. Rasoul E.s nicht anerkannter Fluchtgrund sei ihm jetzt zum Verhängnis geworden.

Das Ausländeramt des Oberbergischen Kreises bleibt auf Nachfrage unserer Zeitung bei seiner Haltung: Man sei an die vom Bundesamt und vom Verwaltungsgericht getroffenen Entscheidungen im Asylverfahren gebunden gewesen. Einen Ermessensspielraum zugunsten des Betroffenen hinsichtlich etwaiger Abschiebungshindernisse habe es nicht gegeben. „Letztlich ist hier aber auch noch einmal darauf hinzuweisen, dass die hiesige Ausländerbehörde dem Betroffenen nach dessen Abschiebung bereits mehrfach die rechtlichen Möglichkeiten einer Wiedereinreise zur Erwerbstätigkeit erläutert hat.“

Die Wiedereinreise wurde dann vom iranischen Regime vereitelt und endete im Gefängnis. Rüdiger Boy hat sich in seiner Sorge sogar an Außenminister Johann Wadephul gewandt mit der Bitte, sich für E. einzusetzen. Doch das Ministerium bittet in seiner Antwort um Verständnis dafür, dass es sich nur um die Entlassung von deutschen Staatsangehörigen aus der Haft kümmern könne. „Das Regime verwehrt uns bedauerlicherweise den Zugang selbst zu Doppelstaatlern.“

Die Einliegerwohnung habe sie für Rasoul E. freigehalten, sagt Vera Boy. „Das haben wir ihm versprochen.“ Nur zeitweise nahmen sie einen Syrer auf. Die Besitztümer von Rasoul E. wie ein Fitnessgerät und einen Fernseher verstauten sie so lange in einem Nebenraum. Rüdiger Boy sagt: „Wir hoffen, dass der Regimewechsel im Iran gelingt. Und dass Rasoul dann noch lebt.“