Abo

Keine FurchenWipperfürther Landwirt testet bodenschonende Methode der Gülle-Verteilung

2 min
Foto eines Traktors, der mit speziellen Schläuchen Gülle auf einer Wiese verteilt

Ohne schweres Güllefass fährt der Traktor auf die Wiese. Insgesamt wiegt das gesamte Vehikel zehn Tonnen – das sind 28 weniger als mit Fass. 

Güllefass war gestern. Angesichts klitschnasser Wiesen hat der Wipperfürther Wegerhof die „Verschlauchung“ getestet. Die Idee ist clever.

Der Dauerregen vom vergangenen Wochenende kam für die oberbergischen Landwirte zur Unzeit: Eigentlich endete am 1. Februar die Sperrfrist für das Ausbringen von Gülle. Doch erst war der Boden noch schneebedeckt und gefroren. Und als es dann wärmer wurde, schüttete es aus Kübeln. Das Problem: Zusammen mit einem geeigneten Traktor bringt ein volles Güllefass heutzutage locker 38 Tonnen auf die Waage. Wer mit diesem Gespann auf die Wiese fährt, riskiert tiefe Furchen und eine enorme Verdichtung der Erdschichten.

Pflanzen brauchen die Starthilfe jetzt

Auf dem Wipperfürther Wegerhof, Oberbergs größtem Milchviehbetrieb, probierte man deshalb am Donnerstag neue Ideen aus. „Unser Grünland ist uns heilig. Zerstörungen, die wir jetzt anrichten, würden uns noch auf Jahre beschäftigen“, erläutert Wegerhof-Betriebsleiter Christopher Steinbach. Andererseits: „Länger warten können wir auch nicht, die Pflanze braucht die Gülle jetzt.“

Im Westerwald hat Steinbach ein Lohnunternehmen aufgetan, das die Gülle „verschlaucht“. Darunter verstehen Landwirte den Verzicht auf das schwere Güllefass. Stattdessen wird die Brühe in einen auf einem Anhänger montierten Bottich gepumpt, der am Eingang zur Wiese geparkt wird. Auf dem Grün selbst ist nur ein einziger Traktor mit angehängtem Schlauchgestänge unterwegs, das die Gülle an die Wurzel der Gräser spritzt.

Mit zwölf Bar auf die Wiese

Über einen dicken Schlauch, wie ihn auch die Feuerwehr verwendet, pumpt ein 400-PS-Traktor die Gülle mit zwölf Bar Druck vom Bottich zur Maschine auf der Wiese. Diese Leitung ist 850 Meter lang, entsprechend groß der maximale Aktionsradius des Wiesen-Traktors um den Bottich. Auf dem Wegerhof konnte das Verfahren sogar auf Wiesen getestet werden, die unmittelbar neben dem Hof liegen – der Bottich-Anhänger stand direkt neben dem Güllekeller.

Unser Grünland ist uns heilig. Zerstörungen, die wir jetzt anrichten, würden uns noch auf Jahre beschäftigen.
Christopher Steinbach, Betriebsleiter auf dem Wipperfürther Wegerhof

Nach getaner Arbeit am Nachmittag war der Betriebsleiter froh, dass die Westerwälder mit ihrem derzeit prall gefüllten Terminkalender überhaupt ins Oberbergische gekommen waren, und zog ein positives Fazit: Der Boden wurde geschont, der Güllekeller ist ein Stück leerer geworden und die Pflanzen haben ihren Dünger, können nun gestärkt in die Vegetationsphase starten.

Und sogar für die Wipperfürther Nachbarschaft hatte Christopher Steinbacher einen großen Vorteil der sogenannten Verschlauchung ausgemacht: Es gab keinen Schmutz, den der Traktor von der Wiese auf die Straßen und Wege in der Umgebung mitbrachte.