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KanalisationGladbachs Abwasserkonzept geht ins Geld

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Die Kläranlage Beningsfeld ist auf dem Foto zu sehen

Die Kläranlage Beningsfeld in Refrath von oben

Im Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt Bergisch Gladbach sind über 200 Maßnahmen in den kommenden Jahren gelistet. Die Kosten belaufen sich auf über 420 Millionen Euro

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bergisch Gladbach spüren es schon jetzt im Portemonnaie. Zum Jahreswechsel 2025/2026 sind in der Kreisstadt die Gebühren für Abwasser kräftig in die Höhe geschossen, von 3,24 auf 3,93 Euro je Kubikmeter Schmutzwasser, das gereinigt werden muss (plus 21 Prozent). Im Geldbeutel kann dies bei einer vierköpfigen Familie je nach Situation mehrere hundert Euro an Mehrausgaben ausmachen.

Und es sind weitere Anstiege in den kommenden Jahren absehbar. Für das Anziehen der Gebührenschrauben war in den vergangenen Jahren das Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt verantwortlich. Und dies wird so bleiben: Für den Zeitraum bis 2038 hat die Stadt 243 Maßnahmen mit einem Volumen von 427 Millionen Euro anzugehen.

Gebührensteigerungen offen

Die Kosten müssen über die Gebühren aufgefangen werden. Dass in den kommenden Beratungen des Infrastrukturausschusses das Thema Finanzen nach vorne rücken wird, deuteten der Erste Beigeordnete Ragnar Migenda (Grüne) und Geschäftsbereichsleiter Martin Wagner an.

Noch seien die internen Berechnungen dazu aber nicht abgeschlossen. Was ihre Aussagen vertieften: Zum Nulltarif wird es die Maßnahmen nicht geben können. Und da Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) und die Seinen noch keine Gelddruckmaschine im Keller des Rathauses stehen haben, scheinen weitere Gebührensteigerungen unausweichlich.

Wir bauen keine vergoldeten Kathedralen im Untergrund
Ragnar Migenda, Erster Beigeordneter der Stadt Bergisch Gladbach

Das Konzept fürs Abwasser ist der dritte große Posten für Gladbachs Zukunft, neben den Schulsanierungen und dem Umbau der alten Papierfabrik in der Stadtmitte. Dass es ein aktualisiertes Konzept für die Jahre von 2027 bis 2032 geben wird, ist seit Mittwochabend im Infrastrukturausschuss wahrscheinlich. Einstimmig votierten die Mitglieder der Fraktionen und Gruppen für das Maßnahmenpaket, es wird im März zur finalen Abstimmung kommen.

Eine Zustimmung gilt nach dem Ausschussvotum als sicher. Die Stadt ist in der Pflicht: Ohne ein gültiges Konzept könnten Bauvorhaben ausgebremst werden. Was neu im Paket ist: Nach einem Antrag der CDU-Fraktion wird die Stadt stets die wirtschaftlichste und rechtssicherste Variante angehen, die für die Bürger die geringstmögliche Gebührenbelastung mit sich bringt.

Glauben Sie ernsthaft, dass es in Deutschland einen Bereich gibt, für den  keine Gesetze und Vorschriften gelten?
Martin Wagner, Geschäftsbereichsleiter der Stadt, auf eine Nachfrage im Ausschuss zum Abwasserkonzept

CDU-Ratsmitglied Max Kindervater brachte den Antrag ein und erläuterte, dass die Gebührenentwicklung ein entscheidender Aspekt für seine Fraktion sei. Auch Jörg Laschet von der Fraktion Volt/Freie Wählergemeinschaft insistierte bei den Gebühren. Es sei zu erwarten, dass weitere deutliche Erhöhungen kommen würden. Von den Grünen hakten Dr. Friedrich Bacmeister und Markus Bollen zum Schwammstadt-Prinzip nach.

Hierbei geht es darum, das Regenwasser nicht in Gänze ins Abwassernetz laufen zu lassen, sondern anderweitig zu behandeln oder aufzufangen, zum Wohle der Stadt. Dieses Konzept spare Kosten für die Bürger. Die Stadt baue nach den gesetzlichen Standards aus, berichtete Ragnar Migenda. „Gesetz ist Gesetz“, sagte er, „da müssen wir uns dran halten.“ Migenda weiter: „Wir bauen keine vergoldeten Kathedralen im Untergrund.“

Abstimmung mit dem Kreis

Für die städtischen Gewässer strebe die Stadt in Abstimmung mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis und der Bezirksregierung den bestmöglichen, den maximalen Schutz. Dieser Begriff sorgte in den Beratungen kurzzeitig für Irritationen. „Das heißt nicht, dass wir über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen“, beruhigte Migenda. Vielmehr seien etwa Spülstöße gemeint, die in die Gewässer gingen. Je weniger Spülstöße, umso günstiger für die Ökologie der Gewässer.

Aufgestockt wird beim Personal. Von 14 Stellen derzeit will die Stadt auf 20 springen. Dies muss bei den laufenden Haushaltsberatungen in den Personalbestand der Verwaltung aufgenommen werden. Im Ausschuss warb der Erste Beigeordnete um Zustimmung. Auch die Infrastruktur- und Projektgesellschaft der Stadt sei bereits testweise eingebunden. Dies solle weiter ausgebaut werden.

Da es sich um eine städtische Tochter handelt, sei die Personalfindung hier günstiger als bei städtischen Stellen, deutete Migenda an. Wie bei der Schulbau-GmbH kann diese städtische GmbH ihren Mitarbeitenden ein höheres Gehalt zahlen als die tariflich gebundene Verwaltung. In der Konkurrenz zur freien Wirtschaft bringt dieser Schritt Vorteile für die Personalsuche.


Die Abwasserentsorgung gilt als wesentlicher Grundstein der Daseinsvorsorge. Weil sich die Anforderungen stetig verändern, zuletzt mit dem Fokus auf Starkregen, sind die Kommunen in der Pflicht, alle sechs Jahre eine Anpassung vorzubereiten. Eine erste Fassung des Abwasserbeseitigungskonzeptes für die Stadt Bergisch Gladbach wurde im Jahr 1985 aufgestellt. Die bisherigen Fortschreibungen und Ergänzungen erfolgten in den Jahren 1990, 1997, 2002, 2008, 2015 und 2021. Im Konzept 2027-2032 beschreibt die Stadt die Maßnahmen, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. Dies sind unter anderem die Sanierung der Kanalisation, Neubau von Rohren, Reparaturen, der Bau von Rückhaltebecken und vielfältige technische Anpassungen. (cbt)