Laut den Zahlen des LVR-Landesjugendamts wurden etwa die Hälfte der körperlichen und psychischen Übergriffe vom Personal begonnen.
Rhein-BergIn den Kitas haben sich die Gewalttätigkeiten verdoppelt

In den Kitas insgesamt im Rheinisch-Bergischen Kreis haben sich die Gewalttätigkeiten 2025 verdoppelt, in Bergisch Gladbach sogar verdreifacht.
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Angriffe, Mobbing, gewaltvolles Auftreten von Fachkräften: Auch in Bergisch Gladbach sowie insgesamt im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Gewalt in den Kindertagesstätten dramatisch gestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2024 haben sich die Übergriffe in den Einrichtungen im vergangenen Jahr insgesamt in Rhein-Berg verdoppelt, in den Kitas in Bergisch Gladbach sogar verdreifacht.
2025 haben die Kindertageseinrichtungen insgesamt im Rheinisch-Bergischen Kreis 143 Gewalttätigkeiten gemeldet. Im Jahr 2024 waren es noch 63 gewesen. Für Bergisch Gladbach weisen die Zahlen des LVR-Landesjugendamts für das vergangene Jahr 50 Meldungen zu gewaltvollem Verhalten aus. In 2024 wurden 16 gemeldet. In der Kreisstadt gibt es 70 Kindertageseinrichtungen, alle unter freier Trägerschaft.
Statistik unterscheidet zwischen körperlicher und psychischer Gewalt
Die steigenden Meldungen zu Gewalt und pädagogischem Fehlverhalten in Kitas zeigten, „dass Fachkräfte und Träger heute sensibler hinschauen und ihrer Verantwortung im Kinderschutz stärker nachkommen“, kommentiert Sandra Clauß, Fachbereichsleitung Kinder und Familien im LVR-Landesjugendamt, auf Anfrage dieser Zeitung die alarmierende Entwicklung. „Zugleich verdeutlichen die Zahlen den wachsenden Handlungsdruck im System der frühkindlichen Bildung,“ führt Clauß weiter aus .
In der Statistik wird zwischen körperlicher und psychischer Gewalt unterschieden. In den Kindertagesstätten im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden demnach 43 der 100 körperlichen und psychischen Übergriffe vom Personal begangen.
In Bergisch Gladbach können diesen beiden Kategorien zehn von 16 Vorfällen zugeordnet werden. Den Rest haben sich Kinder untereinander angetan. „Sexuelle Gewalt“ wird extra erfasst. Hier wurden im vergangenen Jahr insgesamt neun Fälle im Rheinisch-Bergischen Kreis erfasst, davon sechs in Bergisch Gladbach.
Der Landschaftsverband sieht die geplante Kibiz-Reform in Teilen sicher
Den Anstieg der Meldedaten führt Clauß auf zwei Gründe zurück. Träger würden heute Ereignisse verlässlicher zurückmelden als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig berichteten viele Einrichtungen von einem Zusammenhang zwischen einer angespannten Personalsituation, hoher Belastung im Kita-Alltag und einer Zunahme meldepflichtiger Vorfälle. Diese Einschätzung bestätige sich in der Beratungspraxis der Aufsicht des LVR-Landesjugendamts.
„Vor diesem Hintergrund sieht der Landschaftsverband Rheinland die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes in Teilen kritisch“, betont Clauß, „angesichts der steigenden Meldungen zu Gewalt und Fehlverhalten ist es fachlich nicht der richtige Weg, mit einer Absenkung von Qualitäts- und Personalstandards zu reagieren.“
Kinderschutzbund Rhein-Berg gibt keine Stellungnahme ab
Der von der NRW-Landesregierung eingebrachte Gesetzesentwurf zur Änderung des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) sieht unter anderem vor, die Kernzeiten der Betreuung durch Fachkräfte auf fünf Stunden zu konzentrieren und die restlichen Zeiten mit sogenannten Ergänzungskräften abzudecken. Zudem sollen die Gruppen in den Kindertagestätten vergrößert werden.
Der Kinderschutzbund Rheinisch-Bergischer Kreis gibt keine Stellungnahme ab zum Anstieg der Meldezahlen. „Das Meldeverfahren hat sich geändert. Deshalb müssen wir erst prüfen, ob die beiden Statistiken aus dem Jahr 2024 und 2025 überhaupt vergleichbar sind“, sagt Vorsitzende Christine Leveling auf Anfrage.
Der NRW-Landesverband des Kinderschutzbundes ist da schon einen ganzen Schritt weiter. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet hat, führt der Landesgeschäftsführer Michael Kutz „die zunehmende Gefährdungslage für das Wohl der Kinder auf eine unzureichende Personalausstattung und den Abbau von Standards zur Ausbildung und Qualifikation“ zurück. Im Lichte dieser Entwicklung solle die Landesregierung ihren aktuellen Gesetzesentwurf für die Kitas sofort anhalten und nicht weiterverfolgen, forderte er.

