In die Sozialwohnungen der Gemeinde müsste viel Geld gesteckt werden. Doch das fehlt. Die Frage: „Sanierung oder Verkauf?“ steht an.
Sozialwohnungen mit SchädenGemeinde Odenthal hinkt dem Sanierungsstau hinterher

Der Sanierungsbedarf an dieser Immobilie der Gemeinde Odenthal ist unübersehbar.
Copyright: Hans-Josef Schmitz
Schon beim ersten Blick auf die Fenster ist es nicht zu übersehen: Die hölzernen Rahmen wirken aufgequollen und verwittert, die Farbe blättert ab. Das Gebäude an der Forststraße hat Sanierungsbedarf. Der Eigentümer ist gefordert. Und das ist das Problem. Bei dem Haus, in dem sich sechs Sozialwohnungen befinden, handelt es sich um eine Immobilie der Kommune Odenthal. Und die hat kein Geld, dafür erheblichen Sanierungsstau bei ihren Gebäuden.
Daher beschäftigte das Fensterproblem nun auch den Planungsausschuss. Die FDP hatte den Antrag gestellt, die Holzrahmen neu streichen zu lassen, „um das weitere Eindringen von Regenwasser in das Fensterholz zu verhindern und die Substanz der Außenhaut zu erhalten“. Ganz offensichtlich seien die Fenster seit vielen Jahren nicht instandgesetzt worden, kritisierte FDP-Fraktionsvorsitzende Alwine Hartwig. Sollte eine Sanierung nicht mehr möglich sein, müsse der Einbau neuer Fenster geprüft werden, forderten die Liberalen.
Sanieren oder verkaufen?
André Schade, Fachbereichsleiter Bauen und Technische Dienste, redete nicht lange drum herum: „Die Fenster sind desolat“, sagte er. Und dann kam ein großes Aber: „Anstreichen alleine hilft nicht, man müsste die Fenster austauschen.“ Das aber würde eine Kettenreaktion auslösen, erklärte Schade. Denn der Austausch der Fenster, die noch Einfachverglasung aufweisen, hätte negative Auswirkungen auf die Gebäudesubstanz. „Um Wärmebrücken und damit Schimmelbildung zu verhindern, müssen wir dann an die Fassade ran“, sagte er. „Und wegen des Dachüberstands dann auch an das Dach.“ Kurz gesagt, das Gebäude müsste umfassend saniert werden.
Doch dafür fehlt das Geld. 2026 seien jedenfalls keine Mittel dafür in den Haushalt eingestellt worden, so die Verwaltung. Schulgebäude, Verwaltungsbüros, Mietobjekte – überall herrsche ein großer Sanierungsstau, meinte Schade. Für das Haus in der Forststraße benötige die Verwaltung eine politische Grundsatzentscheidung, ob die Gemeinde die Immobilie erhalten und in ihrem Besitz behalten oder in absehbarer Zeit abstoßen wolle.
Versuche, moderne Sozialwohnungen zu bauen, scheiterten zuletzt 2020
In der Vergangenheit hatte es in Odenthal immer wieder einmal Versuche gegeben, mehr Sozialwohnungen in der Gemeinde anzubieten. Denn der Bestand ist bisher äußerst überschaubar: Derzeit gibt es im Ort 20 Sozialwohnungen: Das besagte Gebäude in der Forststraße mit sechs öffentlich geförderten Wohnungen, sechs Sozialwohnungen bietet ein Haus an der Michaelshöhe in Neschen. Zudem gibt es acht Sozialwohnungen an der St.-Engelbert-Straße. Hier, an der St.-Engelbert-Straße war 2020 sogar einmal ein größerer Neubau mit rund 20 sozial geförderten Wohneinheiten geplant, dann aber nie realisiert worden.
„Ich finde das erbärmlich“, ärgerte sich Hans-Josef Schmitz (FDP). „Wenn man Sozialwohnungen unterhält, dann ist man auch verpflichtet, sie zu unterhalten.“ Man habe hier eine soziale Verantwortung, sagte er, und wurde in dieser Sicht von Ansgar Osterkamp (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützt. „Ich habe mir eine Wohnung angesehen“, berichtete dieser. Mehrere Fenster seien noch einfachverglast, in einer Küche sei der Fensterkitt schwarz gewesen.
Allgemeine Kritik am Zustand des Hauses
Die Zustände seien nicht in Ordnung, meinte Osterkamp; ebenso Alwine Hartwig: „Die Mieter zahlen Miete und da ist der Vermieter verpflichtet einen ordentlichen Gegenwert zu bieten“, meinte sie. Da sei lange Jahre nichts getan worden, bestätigte CDU-Fraktionschefin Nicola Ciliax-Kindling, doch wenn man das ändern wolle, müsse man das im Herbst bei den Haushaltsberatungen besprechen.
Das aber brachte Schmitz wieder auf die Barrikaden: Fünf Jahre lang sei nichts gemacht worden, einige Mieter seien über 80 Jahre alt: „Soll ich denen sagen, in zehn Jahren wird etwas gemacht?“, fragte er in die Runde. Um eine Lösung zu forcieren, einigten sich die Fraktionen, das Thema in der ersten Sitzung des zuständigen Ausschusses nach den Sommerferien erneut zu beraten. Dann mit einer Übersicht der Verwaltung, was ganz dringend repariert werden muss und kann und welchen Weg man für die gemeindeeigenen Sozialwohnungen anschließend einschlagen will.

