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„Ab 100 wird neu gezählt“Urgestein der Veterinärmedizin feiert seinen 102. Geburtstag

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Von links stehen Manfred Heindl (Vorstand KJS) mit einer Neuauflage vom Heiligen Hubertus in der Hand, Arne von Boetticher (Landrat RBK), Dr. Günter Schlieker und Dr. Michel Metten nebeneinander.

Zum 102. Geburtstag erhielt Dr. Günter Schlieker (3.v.l.) gestern eine Neuauflage des von ihm verfassten Standardwerks über den Heiligen Hubertus von dem Kreisjägerschaftsvorsitzenden Manfred Heindl (l.). Auch Landrat Arne von Boetticher (2.v.l.) und Dr. Michel Metten (r.) gratulierten.

Günter Schlieker begann 1957 seine Laufbahn im Dienst des Rheinisch-Bergischen Kreises. Eines seiner Bücher bekommt eine weitere Auflage.

Mit Familie, Freunden und Weggefährten feierte Dr. Günter Schlieker bei guter Gesundheit am 22. Februar seinen 102. Geburtstag, auch wenn der Ehrentag eigentlich auf den 23. fällt. Der Sonntag passte einfach besser, zumal ein großer Familienkreis zusammengekommen war. „Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Geburtstag“, hieß es von einem Enkel, der beschlossen hatte: „Ab dem Einhundertsten wird neu gezählt!“

Gleich dreifach gratulierte „Enkel“ Dr. Thomas Mönig im Auftrag von 3500 Tierärzten im Kreis, für das Veterinäramt und als „Dritte Generation“ der Veterinäramtsleitung. Schließlich heiße es nach „unbelegten Nachrichten“ in der Behörde: „Du bist der Großvater im Veterinäramt, der Vater ist Dr. Wissing und ich bin der Enkelsohn.“

Landrat Arne von Boetticher gratulierte Schlieker herzlich

Als Sohn eines Tierarztes aus Engelskirchen legte Dr. Schlieker 1942 in Wipperfürth sein Abitur ab, schlug, vom Elternhaus geprägt, eine tiermedizinische Laufbahn an der Universität Gießen ein und promovierte 1950 in Hannover. 1957 begann seine erfolgreiche Laufbahn als Veterinärmediziner im Dienst des Rheinisch-Bergischen Kreises, wo er von 1973 bis zu seinem Ruhestand 1987 die Leitung des Veterinäramts der Kreisverwaltung innehatte.

Landrat Arne von Boetticher gratulierte herzlich und hob die großen Verdienste Dr. Schliekers in den 1970er und 1980er Jahren hervor. Mit der von ihm erfolgreich vorangetriebenen Bekämpfung der Tollwut bei den Rotfüchsen, insbesondere durch Impfaktionen, bekämpfte man diese Seuche sehr erfolgreich. Dabei baute Dr. Schlieker weitsichtig auf eine Allianz von Kreis- und Veterinärverwaltung, Land- und Forstwirtschaft und der Jägerschaft. „Dieses Miteinander wird bis heute im Koalitionsvertrag der Bundesregierung betont“, so der Landrat.

Schlieker veröffentlichte Bücher, die sich großer Beliebtheit erfreuten

Damals ging die Zahl infizierter Nutztiere und in der weiteren Folge der Menschen in Kreis und Land drastisch zurück. Dafür erhielt der Veterinär 1978 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Von Boetticher betonte: „Sie hatten wesentlichen Anteil daran, dass im Jahr 2008 die Bundesrepublik Deutschland als tollwutfrei erklärt werden konnte und man die Tollwut heute nur noch aus Geschichten kennt.“ Als passionierter Jäger legte Dr. Schlieker seine Jagdprüfung bereits 1942 ab und ist seit 83 Jahren Mitglied im Hegering Bergisch Gladbach. Bis zum 100. Geburtstag nahm das „Urgestein“ in der Jagdgemeinschaft noch regelmäßig ziel- und treffsicher an Drückjagden und Fuchsansitz teil.

In jahrzehntelanger Arbeit und bei europaweiten Reisen verfasste der große Verehrer des heiligen Hubertus eine sehr umfangreiche Dokumentation zum Schutzpatron der Jagd, die 2016 erschien. 2018 folgte ein weiteres Buch zur Jagd in Nordrhein-Westfalen nach Ende des Zweiten Weltkrieges ab 1945, in einer „offiziell waffenlosen Zeit“. Spannend wie amüsant zu lesen, erfreute es sich ebenfalls nicht nur in Jägerkreisen großer Beliebtheit und war ähnlich schnell vergriffen wie die Erstauflage des prächtigen Hubertus-Buches mit 700 Seiten, 4000 Bildern und rund vier Kilo Gewicht.

Eines seiner Bücher erhält nun eine zweite Auflage

Zum Geburtstag hielten Kreisjägerschaft und Hegering nun eine besondere Überraschung für den Jubilar bereit. Die KJS präsentierte mithilfe vieler Sponsoren eine zweite Auflage des Buches. Eigentlich hatte der Autor keine Neuauflage mehr gewollt. Als er das Buch aber in Händen hielt, lächelte er: „Ich freue mich jetzt doch sehr über die Initiative der KJS“, und signierte gerne das ein oder andere Exemplar, das sich Geburtstagsgäste gleich sicherten.

Auch über die Jagd hinaus engagierte sich Schlieker ehrenamtlich im Brauchtum, dokumentierte filmisch auf professionellem Niveau aussterbende landwirtschaftliche und handwerkliche Techniken, wofür er 1981 vom Landschaftsverband Rheinland mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet wurde. „Da habe ich mich eigentlich noch mehr drüber gefreut, als über die Auszeichnung von 1978“, verriet das Geburtstagskind augenzwinkernd.

„Mir geht es doch gut, meine Familie und Freunde sind da, ich kann noch prima laufen und meine Gäste haben heute viel Spaß.“
Günter Schlieker, feierte seinen 102. Geburtstag

Nach wie vor gefragter Gesprächspartner zu aktuellen, kulturellen wie politischen Themen, ist der Senior und Urgroßvater mit 102 Jahren täglich am PC aktiv und verfolgt Nachrichtenmagazine im TV und in Printmedien. Ein langjähriger Weggefährte bestätigt: „Überall liegen Zeitungen in seiner Wohnung, wenn man ihn besucht“. Sein jüngster Sohn räumte ein: „Nach einem mit Schachspiel ausgefüllten Abend kann es gut sein, dass Vater mich um 2.00 Uhr nachts mit sieben Zügen schachmatt setzt.“

Schachmatt ist der Jubilar, der sich besonders über die „tollen Darbietungen“ der Jagdbläser Bergisch Gladbach-Odenthal zu seinem Geburtstag freute, in keinem Fall: „Mir geht es doch gut, meine Familie und Freunde sind da, ich kann noch prima laufen und meine Gäste haben heute viel Spaß.“