Mit Thomas Müther vom ADAC Nordrhein sprach Udo Beißel über den Anstieg der Benzinpreise.
Anstieg der BenzinpreiseADAC: Kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht

Die Benzinpreise sind stark gestiegen.
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Wie bewerten Sie den aktuellen Anstieg der Benzinpreise im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten – ist er aus Ihrer Sicht sachlich begründet oder überzogen?
Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge der Straße von Hormus. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern – so wie wir es aktuell am deutlich höheren Ölpreis sehen. Das macht sich auch an den Tankstellen stark bemerkbar. Vergleicht man den Freitagmorgen mit dem Dienstagmorgen (jeweils 8.30 Uhr) ist Super E10 im Schnitt um knapp 10 Cent pro Liter teurer geworden, Diesel sogar um 12 Cent. Einige Tankstellen haben sogar schon Spritpreise um die 2 Euro aufgerufen. Das ist aus unserer Sicht in der Höhe nicht gerechtfertigt.
Müssen die Autofahrer damit rechnen, dass die Preise an den Zapfsäulen noch weiter steigen?
Es ist zu befürchten, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Tagen noch fortsetzt, wenn der Ölpreis nicht bald wieder nachgibt.
Wie lange dauert es Ihrer Meinung nach, bis sich die Preise wieder normalisieren?
Mittelfristig gibt es - sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte - Hoffnung auf gemäßigtere Spritpreise. Die Staaten des Ölkartells Opec+ haben beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern. Allerdings ist kurzfristige Besserung nicht in Sicht, denn während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger.

Thomas Müther, Leiter Kommunikation beim ADAC Nordrhein
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Welche Möglichkeiten haben Autofahrerinnen und Autofahrer aktuell, um die Mehrbelastung durch die gestiegenen Kraftstoffpreise zu reduzieren?
Wir empfehlen Autofahrerinnen und Autofahrern, vor der Fahrt zur Tankstelle die Kraftstoffpreise zu vergleichen, zum Beispiel mit Hilfe von Spritpreis-Apps, und konsequent dort zu tanken, wo es am günstigsten ist. Die Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen können im Moment noch größer ausfallen als sonst. Autobahntankstellen sollten grundsätzlich gemieden werden. Eine wesentliche Rolle bei der Höhe der Spritpreise spielt normalerweise die Tageszeit, nach 18 Uhr tankt man in der Regel deutlich günstiger als morgens. In der momentanen Ausnahmesituation ist allerdings davon auszugehen, dass das Sparpotenzial am Abend geringer ausfällt als sonst. Die Morgenspitze zwischen 7 und 8 Uhr gibt es aber nach wie vor. Diese Zeit sollten Autofahrerinnen und Autofahrer nach Möglichkeit meiden.
Welche politischen oder marktregulatorischen Maßnahmen wären aus Sicht des ADAC sinnvoll, um Verbraucher in Zeiten geopolitischer Krisen besser vor starken Preisschwankungen zu schützen?
Aus Sicht des ADAC sollte sich das Kartellamt den Kraftstoffgroßhandel genauer ansehen und prüfen, ob eine strukturelle Störung des Wettbewerbs vorliegt. Es herrscht nach wie vor eine große Intransparenz in punkto Kosten und Gewinn der Mineralölkonzerne.
