Leicht sei es nicht gewesen, jedes Pflegekind sei ein Überraschungspäckchen, da keiner wisse, was während der Schwangerschaft passiert sei.
GeborgenheitYvonne und Dirk Jansen aus Bedburg sind leidenschaftliche Pflegeeltern

Sie gehen gemeinsam mit viel Liebe durch das Leben: Yvonne und Dirk Jansen sind verlässliche Anker für Elena und Isabella.
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„Wir hatten von Anfang an die Hoffnung, dass es gut wird“, sagt Yvonne Jansen und nimmt die elfjährige Isabella liebevoll in den Arm. Die Hoffnung und ihr unerschütterliches Vertrauen wird auch heute noch täglich belohnt. Im Hause Jansen in Bedburg geht es liebevoll und turbulent zu. Mutter, Vater, zwei lebhafte Töchter und zwei verspielte Katzen – dass sie nicht die leiblichen Eltern der Kinder sind, spielt für sie keine Rolle.
Bedburg: Ein großes Glück
„Aus einem anderen Bauch direkt in unser Herz, so empfinde ich es“, gesteht Yvonne Jansen. Als sie Ehemann Dirk 2013 kennenlernte, war für die beiden Steuerberater schnell klar, statt eigener Kinder wollten sie lieber Kindern in Not helfen. Sie nahmen Kontakt zum Jugendamt auf, informierten sich und belegten Seminare. Dann ging alles ganz schnell.
Drei Tage vor ihrer Hochzeit konnte bereits ein Jahr später die damals eineinhalbjährige Elena bei ihnen einziehen. Ein großes Glück für die junge Familie, Elena lebte sich schnell ein. Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag kam dann die überraschende Nachricht des Pflegekinderdienstes, Elenas leibliche Mutter sei wieder schwanger. „Da haben wir gar nicht lange überlegt“, erklärt Yvonne Jansen. „Ein Neugeborenes erschien uns wie ein Jackpot.“
Es fühlte sich von Anfang an nicht wie Pflegeeltern an
Wenige Monate später konnten sie Elena mit deren Halbschwester, dem Baby Isabella auf dem Arm vom Kindergarten abholen. Die Familie zog in einen Bungalow mit Garten und war glücklich. „Es fühlte sich von Anfang an nicht wie Pflegeeltern an“, sind sich Yvonne und Dirk Jansen einig. Doch leicht war es trotzdem nicht. Jedes Pflegekind sei ein Überraschungspäckchen, denken sie heute. Keiner wisse genau, was während der Schwangerschaft passiert sei.
„Isabella war ein Schreibaby, wir sind auf dem Zahnfleisch gekrochen“, erinnern sie sich. Bei Elena wurde zur Einschulung das FASD-Syndrom, eine fetale Alkohol-Spektrumstörung, festgestellt, die Entwicklungsprozesse erschwert. Hinzu kamen immer wieder Forderungen der leiblichen Mutter, die in den ersten Jahren das Sorgerecht für Elena und Isabella hatte.

Markus Kietzmann vom Pflegekinderdienst der Stadt Bedburg.
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Später, als sie sich kaum noch meldete und ein Vormund vom Jugendamt bestellt wurde, kam die Familie zur Ruhe. Inzwischen konnten Yvonne und Dirk Jansen selbst die Vormundschaft für die Kinder übernehmen. „Die Mitarbeiter des Jugendamtes sind sehr hilfsbereit und empathisch. Wirklich ein Volltreffer“, erklären die Pflegeeltern erleichtert. „Wir gehen alle sehr offen und ehrlich miteinander um.“
Ein Gewinn auch für Markus Kietzmann vom Pflegekinderdienst der Stadt Bedburg. Zur Zeit werden in Bedburg und Umgebung circa 30 Pflegekinder betreut. Deutschlandweit sind es laut dem Statistischen Bundesamt rund 87.000 Kinder und Jugendliche, die in Pflegefamilien leben. Die Gründe für eine Herausnahme aus den Ursprungsfamilien sind vielfältig. Tod der Eltern oder eines Elternteils, Drogenmissbrauch der Eltern, psychische Erkrankungen, Erziehungsunfähigkeit oder Gewalt.
Die Zahl der Inobhutnahmen ist in den letzten Jahren bundesweit gestiegen. Das gelte allerdings für Bedburg nicht. „Dennoch suchen wir dringend engagierte Pflegefamilien, die den Kindern ihr Herz und ein stabiles Zuhause schenken wollen“, erklärt Markus Kietzmann. Familien wie die Jansens.
„Als die Kinder klein waren und abends zu uns ins Bett gekrabbelt kamen, ging uns das Herz auf“, erinnert sich Yvonne Jansen. „Es kommt alles doppelt und dreifach zurück. Auch heute spüren wir jeden Tag, dass wir und unser gemeinsames Zuhause ein Anker für Elena und Isabella geworden sind. Es ist schön, so wie es ist.“
Herz und Zuhause für Kinder gesucht
Die Stadt Bedburg sucht engagierte Pflegefamilien für die Bereitschafts- und Dauerpflege von Kindern und Jugendlichen. Gesucht werden Menschen mit einer stabilen familiären Situation und möglichst solidem Netzwerk. Sie sollten in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und dem Pflegekind ein eigenes Zimmer ermöglichen. Eine pädagogische Berufsausbildung ist nicht notwendig.
Es können sich verheiratete oder nicht verheiratete Paare melden, gemischt oder gleichgeschlechtlich, Einzelpersonen oder auch Verwandte kommen in Frage. Dabei spielt es keine Rolle, ob eigene Kinder in der Familie leben oder nicht. Die Bewerber sollten gesund und mobil sein. Sie sollten den Wunsch haben, ihre Zeit einem Kind widmen zu wollen. Eine Akzeptanz möglicher Beeinträchtigungen und Entwicklungsschwierigkeiten der Kinder sollte vorhanden sein.
Wichtig ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und anderen Behörden. Bewerber werden vor Aufnahme eines Pflegekindes umfassend geschult und begleitet. Es gibt jährliche gemeinsame Feste und Begegnungen. Pflegefamilien erhalten durch das Jugendamt Pflegegeld, Erziehungsgeld und Pauschalen für Weihnachten, Ferien.
„Wichtig ist es, den jungen Menschen die Orientierung, Liebe und Aufmerksamkeit zu bieten, die jedes Kind für eine gute Entwicklung braucht“, erklärt Markus Kietzmann vom Pflegekinderdienst der Stadt Bedburg. Interessierte können sich bei Markus Kietzmann, unter 02272/402-575, bei Frau Schöngen, 02272/402-583, oder bei Frau Lauff, 02272/402-568, melden.

