Seit 2024 ist eine der Tiefgaragen am Wohnpark Zieverich gesperrt, weswegen auch die Müllabfuhr eine Sonderroute fahren muss.
Tiefgarage einsturzgefährdetStadt Bergheim sieht Wohnpark-Eigentümer am Zug

Die Ausfahrt aus der Tiefgarage ist zum neuen Sammelplatz für die Mülltonnen geworden.
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Große Mülltonnen vor Ein- und Ausfahrt signalisieren: Diese Tiefgarage ist geschlossen. Schon seit 2024 ist sie gesperrt, weil sie einsturzgefährdet ist. In der Folge konkurrieren am Wohnpark in Zieverich noch mehr Autofahrer um die oberirdischen Parkplätze, weswegen viele schlichtweg in Halteverbotszonen parken.
Doch nicht nur das: Seit März 2025 ist auch ein großer Abschnitt der Otto-Hahn-Straße für Fahrzeuge über 16 Tonnen gesperrt, weil sie mit der Tiefgarage unterbaut ist. Die Müllabfuhr kann deshalb nicht zu der Stelle fahren, die für die Tonnen des Wohnparks ursprünglich vorgesehen war. Stattdessen stehen die Tonnen an einem provisorischen Sammelpunkt. Und um an die Tonnen der Anwohnerinnen und Anwohner der Max-Born-Straße dahinter zu kommen, nimmt die Müllabfuhr eine alternative Route.
Bergheim: Der Wohnpark Zieverich war mal ein Vorzeigeprojekt
Diese sei aber erst möglich geworden, weil die Menschen dort zwei private Parkplätze geopfert hätten, so ein Anwohner der Max-Born-Straße, der namentlich nicht genannt werden will. Er selbst hatte auch eine Wohnung im Wohnpark, die er vor einigen Jahren wieder verkauft hat. „Es wurde hier untragbar.“
Dabei sei die Lage des Wohnparks gar nicht verkehrt: Es gibt einen Kindergarten in der Nähe, einen Spielplatz, ein Sportgelände, den Erftflutkanal und ein Stück Wald. „Als wir hier hinzogen, war der Wohnpark eine super Wohnadresse“, erzählt er. „Es gab ein Schwimmbad, es gibt eine Kegelbahn, Fitnessräume, alles.“ Mittlerweile ist das Schwimmbad wegen Sanierungsbedarfs geschlossen.

Der Wohnpark in Zieverich galt mal als Vorzeigeprojekt. Wohnungen dort waren begehrt.
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Besonders im Dezember hätten sich ganze Müllberge aufgetürmt, die erst spät abgeholt worden seien, so der Anwohner, und auch der Sperrmüll bereite Probleme. „Am schlimmsten sieht es immer montagsmorgens aus“, sagt er. Am Wochenende seien keine Hausmeister da und der Müll sammle sich über das Wochenende an. Dazu komme, dass an Silvester zwei gelbe Tonnen angezündet wurden. Anfang des Jahres stand damit nur eine einzige gelbe Tonne für einen beachtlichen Teil des Wohnparks zur Verfügung.
Anwohner sieht kein Land in Sicht
„Das Problem ist: Es ist kein Ende abzusehen“, sagt der anonyme Anwohner. Eine Sanierung der Tiefgarage scheint an der Frage der Zuständigkeit zu scheitern. Laut Pressestelle der Stadt ist eine private Wohnungseigentümergemeinschaft für Betrieb, Unterhaltung, Instandsetzung und Sanierung zuständig. Aber: „Nach dem aktuellen Kenntnisstand der Stadtverwaltung gibt es für den zur Tiefgarage gehörenden Gebäudekomplex keinen allgemeinen Verwalter. Die im Grundbuch eingetragenen Wohnungseigentümer treten daher jeweils als Einzelpersonen auf, da niemand stellvertretend für die gesamte Gemeinschaft handelt.“
Der gesamte Wohnpark Zieverich zähle rund 300 unterschiedliche Eigentümerinnen und Eigentümer. „Ob und wann eine weitergehende Freigabe erfolgen kann, hängt von zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen sowie weiteren statischen Nachweisen ab, welche von den Eigentümern durchzuführen und nachzuweisen sind“, sagt die Pressestelle. Dann könne auch die Otto-Hahn-Straße wieder voll befahren werden.
Bürgermeister Mießeler: Stadt fordert Handeln in diesem Jahr
Auch Immobilienfirmen sind im Wohnpark vertreten. LEG Immobilien erklärte auf Anfrage, insgesamt 220 Wohneinheiten im Wohnpark in Zieverich zu verwalten. Sie verwalte auch die andere Tiefgarage, die wegen Brandschäden zeitweise gesperrt war. Nach einer Begehung sei sie aber am 23. Dezember 2025 wieder freigegeben worden, wie die Immobilienfirma auf Anfrage erklärt. „Für die Verwaltung des Wohnparks, insbesondere der Außenanlage, ist die SHV Immobilien-Verwaltungs-GmbH zuständig“, erklärte ein Sprecher der LEG. Auf eine Anfrage dieser Redaktion reagierte SHV Immobilien nicht.
Doch lässt die Stadt das einfach alles geschehen, wenn die Eigentümer nicht handeln? Bürgermeister Volker Mießeler erklärte auf Anfrage, dass der sicherheitsrelevante Handlungsbedarf zweifelsfrei festgestellt sei. „Die gutachterliche Grundlage liegt vor, ist jedoch zeitlich befristet bis Februar 2027. Deshalb ist klar, dass in diesem Jahr durch die Eigentümer gehandelt werden muss und dies von der Stadt eingefordert wird.“
Der Bürgermeister betonte, dass die Stadt diesen Prozess trotz des komplexen Eigentümergefüges begleiten, moderieren und ihre ordnungsrechtlichen Möglichkeiten konsequent nutzen wolle. „Langfristig geht es um eine sichere, rechtssichere und - im wahrsten Sinne des Wortes - tragfähige Lösung für die Tiefgarage, auch für den darüberliegenden Straßenraum. Klar ist, die Eigentümer sind am Zug!“

