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Patin (83) stößt an GrenzenMenschen laden Unmengen von Büchern in Bücherschrank in Brühl ab

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Zu sehen ist ein Bücherschrank, in dem Unmengen an Büchern gestapelt werden.

Mehrmals hat die ehrenamtliche Patin die Bücherzelle in diesem Jahr schon aufgeräumt. Doch sie wird immer wieder vollgestopft.

Patin Eva Heinen (83) musste in der öffentlich zugänglichen roten Bücherzelle aufräumen und einige Werke entsorgen. 

Die Bedienungsanleitung für die Bücherzelle auf dem Leamington-Spa-Platz in Brühl ist eigentlich ganz einfach. „Nimm ein Buch – lies ein Buch – bring ein Buch“, steht groß und deutlich auf der Eingangstür des öffentlich zugänglichen Bücherschranks, der im Stil einer roten Telefonzelle gestaltet ist. „Was ist daran nicht zu verstehen?“, fragt sich Eva Heinen (83).

Ehrenamtlich kümmert sie sich seit 2012 um die rund um die Uhr geöffnete Mini-Bibliothek. Dazu kommt sie in der Regel dreimal in der Woche vorbei. In den vergangenen Jahren war die Arbeit dann meistens in einer halben bis dreiviertel Stunde erledigt. Heinen sortiert die Bücher und stellt sie so hin, dass die Titel gut zu lesen sind. „Hier findet man sogar Bücher in verschiedenen Sprachen – Ukrainisch, Türkisch, Italienisch –, aber natürlich auch deutsche Werke“, erklärt sie. Sogar französische Bildbände habe sie schon zwischen den Romanen und Krimis entdeckt – und die Geschichte der Kölner Heinzelmännchen.

Brühl: Mitunter muss sie zerfledderte Exemplare aussortieren

Bei ihrem Ehrenamt ist sie es gewohnt, dass die Bücher schon mal durchwühlt und unordentlich in den Regalen stehen. Das bringt sie gerne in Ordnung. Mitunter muss sie dabei auch zerfledderte Exemplare aussortieren. „Wichtig ist mir, dass die Besucher in die Zelle hineintreten können, damit sie die Titel der Bücher problemlos lesen können“, erklärt sie.

Die beste Zeit zum Sortieren und zum Aufräumen sei sonntagsmorgens, wenn die Stadt noch leer ist. Doch Heinen findet es auch schön, mit den Nutzern der Bücherzelle ins Gespräch zu kommen. Nicht immer geht es dann ausschließlich um Bücher. „Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass diese Bücherzelle auch eine Kommunikationszelle ist“, sagt sie.

Viele wunderbare Begegnungen habe sie dort bereits gehabt – einmal habe ihr eine Frau in ihrem Alter sogar gesagt, dass sie mit ihr das beste Gespräch seit vielen Monaten geführt habe. „Das Ehrenamt hier ist ja auch für mich eine Bereicherung“, betont die 83-Jährige.

Schrank war so vollgestopft, dass beim Öffnen der Tür Bücher herausfielen

Nur wenige Male habe es in der Vergangenheit auch üble Überraschungen gegeben: „Silvester 2024 hat man einen Boller in die Bücherzelle geworfen“, berichtet sie. Es sei für sie ganz schrecklich gewesen, die verbrannten Bücher und die Asche aus dem Bücherschrank zu räumen und wegwerfen zu müssen. Für die vergangene Silvesternacht hatte sie einen Schlüssel vom Kulturamt bekommen. So konnte sie die Bücherzelle rechtzeitig abschließen.

Was denken sich bloß die Menschen dabei, wenn sie solche Unmengen von Büchern hier abladen?
Eva Heinen (83)

In jüngster Zeit beobachtet sie jedoch eine neue Unart, die ihr zunehmend Sorgen bereitet. „In der zweiten Januarwoche wurden so viele Bücher hier abgeladen, dass etliche Exemplare schon beim Öffnen der Tür einfach aus der Bücherzelle gerutscht sind“, erklärt sie. Mehrere Stunden habe sie mit einer Mitarbeiterin vom Kulturamt das Chaos aufgeräumt. „Am Ende haben wir zwei volle, mit Büchern beladene Karren aussortiert, zur Papiertonne gefahren und entsorgt“, erklärt sie. „Wir mussten die Bücher wegwerfen.“

Allerdings währte die Freude über die Ordnung nicht lange. Nur knapp zwei Wochen später passierte es wieder. Schlimmer noch als beim ersten Mal. Die Bücherzelle war mit alten Büchern regelrecht vollgestopft. „Die Leute scheinen wirklich keinen Respekt mehr vor dem Ehrenamt zu haben“, sagt Eva Heinen. Eigentlich müsse doch jeder Nutzer einer solchen Bücherzelle nachvollziehen können, dass ein Bücherschrank niemals so vollgestopft werden darf, dass schon beim Öffnen der Türe die Bücher herausfallen. „Was denken sich bloß die Menschen dabei, wenn sie solche Unmengen von Büchern hier abladen?“, fragt sie sich.

Um die Bücherzelle wieder zugänglich zu machen, sei ihr auch beim zweiten Mal nichts anderes übergeblieben, als die Bücher wegzuwerfen. „Doch wenn der Missbrauch so bleibt, kann ich die mit dem Aufräumen verbundene Arbeit nicht mehr leisten“, sagt Heinen. Altersbedingt stoße sie einfach auch an ihre Grenzen.

Dann müsste sie ihr so liebgewonnenes Ehrenamt aufgeben. Eindringlich appelliert sie deswegen an alle Nutzer, achtsam und umsichtig mit den Bücherzellen umzugehen – und auch mit den Menschen, die sich um solche kleinen kulturellen „Inseln“ kümmern. „Diese wunderbare Tauschbörse kann doch nur funktionieren, wenn die Regeln auf allen Seiten eingehalten werden“, betont sie.