Nach dem Tod der Gründerin und langjährigen Leiterin stand der Frauenchor vor dem Aus. Mit neuem Chorleiter probt er nun für ein Großprojekt.
Kurz vor der AuflösungSo schöpften die Sängerinnen des Frauenchors Hürth neue Hoffnung

In der Martin-Luther-King-Kirche probt der Frauenchor Hürth unter Leitung von Michael Wülker für die Aufführung der Operette „Der Zigeunerbaron“.
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Groß war die Trauer des Frauenchors Hürth über den unerwarteten Tod der Gründerin und Leiterin Kimiko Bernhöft im Mai 2024. 1994 hatte die gebürtige Japanerin den Chor ins Leben gerufen, der zeitweise 60 Sängerinnen zählte und 2006 und 2012 als „Meisterchor“ ausgezeichnet wurde. Diesen Titel hatte sich der Frauenchor mit viel Einsatz und Disziplin erkämpft. Kimiko Bernhöft legte großen Wert auf Ausdruck und Tonreinheit und gab keine Ruhe, bis sie bei den Proben ihr Ziel erreicht hatte.
Die Sängerinnen sind aber nicht nur stolz auf die musikalischen Erfolge, die sie dank ihrer energischen Dirigentin erreichten. Unvergesslich sind ihnen die Chorfahrten, die sie in die Hürther Partnerstädte und nach Rom führten. Der unumstrittene Höhepunkt der Chorgeschichte aber war eine Reise nach Japan im Jahr 2016, die Heimat Bernhöfts, wo man Auftritte in Tokio, Osaka und Kyoto absolvierte. Wie sollte es nur ohne sie weitergehen?
Hürther Frauenchor sah keine Perspektive mehr
Hoffnung keimte auf, als Bernhöfts Ehemann Siegfried die Singgemeinschaft kurzentschlossen übernahm, die rund 30 Mitglieder zählte. Als auch er wenige Monate später verstarb, schien es keine Zukunft mehr zu geben.
„Wir sahen einfach keine Perspektive“, berichtet Waltraud Ziskoven, die erste Vorsitzende des Frauenchors. Der Schock über die kurz nacheinander aus dem Leben geschiedenen Leiter saß tief, der angestammte Probenraum wurde anderweitig benötigt, und die Vereinskasse war nicht eben üppig gefüllt. „Wir waren drauf und dran, den Verein aufzulösen“, so die Vorsitzende. „Etwas Besseres ist uns nicht mehr eingefallen.“
„In derart emotionaler Verfassung sollte man keine Entscheidungen treffen. Geben Sie sich noch ein halbes Jahr“, riet ihr Michael Wülker, Vorsitzender des Sängerkreises Rhein-Erft, kurz darauf in einem langen Telefongespräch. „Wollen wir den Chor nicht zusammenhalten und wieder in einen Probenalltag kommen?“, schlug er den Damen vor.
Hürth: Das Repertoire des Chors hat sich verändert
„Da war dann von Auflösung keine Rede mehr“, erinnert er sich schmunzelnd. „Herr Wülker hat uns Mut gemacht“, erzählt Ziskovens Vertreterin Antonina Dietze, die dem Frauenchor seit der Gründung angehört. Einen neuen Probenraum fand man in der Martin-Luther-King-Kirche, wo auch ein Flügel zur Verfügung steht. Und die Chemie stimmt zwischen den Sängerinnen und ihrem neuen Dirigenten.
„Er korrigiert Fehler auf eine nette, motivierende Art, während Frau Bernhöft sehr leistungsorientiert war“, berichtet Dietze. Geändert hat sich auch das Repertoire. Während Kimiko Bernhöft eine Vorliebe für Lieder von Brahms, Schumann und Mendelssohn Bartholdy hatte, konzentriert sich Wülker verstärkt auf zeitgenössische Werke.
Wir haben ein gutes musikalisches Fundament, uns kann man zu jedem anderen Chor dazustellen
„Wir haben ein gutes musikalisches Fundament, uns kann man zu jedem anderen Chor dazustellen“, betont Antonina Dietze, die wie ihre Kolleginnen die „ermutigende Haltung“ des neuen Dirigenten besonders schätzt. „Man kommt gerne in die Probe und geht glücklich nach Hause“, versichert sie.
Michael Wülker hat dem Frauenchor Hürth nicht nur zu einem Neuanfang verholfen. Mit der Aufführung der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß integriert er die 22 Sängerinnen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren auch erstmalig in ein musikalisches Großprojekt, mit dem sie Neuland betreten. Nach Ostern wird in Köln mit den vier weiteren Chören geprobt, die mit ihnen auf der Bühne des Clemens-August-Forums in Brühl stehen werden. „Für uns ist das eine völlig neue Erfahrung, wir sind schon sehr gespannt“, sagt Waltraud Ziskoven, die freuen würde, wenn künftig weitere Sängerinnen den Chor verstärken würden. Der Chor ist auch per E-Mail erreichbar.
Die Aufführungen
Die Operette „Der Zigeunerbaron“ präsentiert der Sängerkreis Rhein-Erft am Samstag und Sonntag, 9. und 10. Mai, jeweils ab 17 Uhr im Clemens-August-Forum in Brühl. Die Musik kombiniert Polkas, Walzer und Märsche und zeigt Johann Strauß' Fähigkeit, eine dramatische Handlung mit eingängiger Tanzmusik zu verbinden.
Mitwirkende sind neben Solisten und der Kammerphilharmonie Rhein-Erft der Frauenchor Brühl, der Frauenchor Hürth, der Frauenchor Kerpen, der Kammerchor Klangial Köln und ein Projektchor. Die Gesamtleitung hat Michael Wülker.
Karten gibt es zum Preis von 25 Euro in der Buchhandlung Karola Brockmann und online.
