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GertrudenhofBürgerstiftung Hürth fördert Begegnungen von Tieren und Menschen mit Demenz

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Drei Frauen und ein Mann lächeln in die Kamera, eine Schafherde umringt sie.

Die Förderurkunde für das Projekt Tierbegegnungen für Menschen mit Demenz überreichte Julia Priemer-Bleisteiner (dritte. v. l.) an Peter Zens (l.), Dr. Sybille Schreckling von der Alzheimer Gesellschaft und Umweltpädagogin Nicole Antoine (r.). 

Die Tierbegegnungen wurden 2025 ins Leben gerufen. Insgesamt spendet die Stiftung jährlich über 20.000 Euro für Projekte vor Ort.

Die Schafherde umringte beim Betreten der Gnadenweide, abseits vom Trubel des Gertrudenhofes, augenblicklich die Besucher: die Vorsitzende der Bürgerstiftung Julia Priemer-Bleisteiner, den Hausherrn Peter Zens, Projektbetreuerin Nicole Antoine und Dr. Sybille Schreckling von der Alzheimer Gesellschaft.

Stiftung spendet jährlich über 20.000 Euro

Die tierische Begegnung vermittelte einen Eindruck davon, was Menschen mit Demenz erleben, wenn sie gemeinsam mit Umweltpädagogin Nicole Antoine hier zu Besuch sind. Im vergangenen Jahr nahmen fünf Gruppen mit jeweils bis zu 16 Teilnehmenden aus der Tagesbetreuung „Gruppe Füreinander“ der Arbeitsgemeinschaft psychisch Kranke im Umfeld der Alzheimer Gesellschaft Rhein-Erft teil, die von der Ärztin Sybille Schreckling gegründet wurde.

Anlass des Besuchs auf der Schafweide war die Verleihung der Förderurkunde der Bürgerstiftung Hürth. Sie unterstützt das Projekt „Tierbegegnungen für Menschen mit Demenz“ im Jahr 2026 mit 1200 Euro. Das Projekt war im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden. Insgesamt spendet die Stiftung jährlich über 20.000 Euro für Projekte vor Ort, bislang vor allem für Kinder.

Kontakt mit Tieren

Künftig soll ein weiterer Schwerpunkt auf Angeboten für ältere Menschen liegen, erklärte die Vorsitzende Julia Priemer-Bleisteiner. Das Projekt bringt Menschen mit Demenz bewusst in Kontakt mit Tieren, um Erinnerungen aus früheren Lebensphasen zu wecken und Momente von Freude, Ruhe und Verbundenheit zu ermöglichen.

Die erste Gruppe hatte Nicole Antoine bereits am Morgen auf die Weide an den angrenzenden Feldern des Gertrudenhofes geführt – zur Begegnung mit dem Zwergpony Bonsai. Die Teilnehmenden bürsteten das dichte Winterfell des Ponys, bereiteten ihm mit geschnittenen Möhren eine Mahlzeit zu und unternahmen einen Spaziergang über die Felder.

Natürlich sprechen die Tiere ältere Menschen ganz anders an
Nicole Antoine, Projektbetreuerin

„Natürlich sprechen die Tiere ältere Menschen ganz anders an“, berichtet Antoine, die sonst vor allem Kindergruppen durch den Umweltbildungsort führt. Sybille Schreckling erläuterte, dass es darum gehe, alle Sinne anzusprechen: Sehen, Hören, Riechen – etwa den Duft von frischem Heu – sowie den Tastsinn beim Fühlen von Wolle. Ähnlich wie Berührungen oder Musik können Tierbegegnungen Gefühle und Erinnerungen bei Menschen mit Demenz aktivieren.

Sie schilderte ein Erlebnis aus dem vergangenen Jahr: Als eine Gruppe während eines Regenschauers Zuflucht in einem überdachten Stall suchte, fand sie sich plötzlich in Gesellschaft eines Alpakas und eines großen Schafbocks wieder – ein „Arche-Noah-Erlebnis“. „Können wir mal was machen?“, mit der Frage der regen Sybille Schreckling habe das Projekt begonnen, schilderte Peter Zens.

Er freute sich, den demenzerkrankten Menschen „einen Impuls, einen Schlüsselmoment“ in ihrem Alltag bescheren zu können und bedankte sich bei der Bürgerstiftung. Mit ihrer Förderung würden sie die Kosten der Zusatzstunden der Umweltpädagogin abdecken. „Es ist ein schönes Beispiel dafür, was nicht alles geht, auf der Grundlage eines persönlichen Gespräches und der Stiftung als Möglichmacher“, freute sich Zens.

Sybille Schreckling und Nicole Antoine werden von ihren Erfahrungen aus dem Projekt am 24. April während der Demenzwoche des Rhein-Erft-Kreises im Kreishaus erzählen.